Jan-Steffen-Glade---Credit-ohb_2„Ganz großes Kino“ – ein Gespräch mit Jan Glade

Der 1970 in Bremen geborene Künstler und Architekt Jan Glade sorgt momentan in zwei zentralen Straßen Altonas für Aufmerksamkeit. In der Ottenser Hauptstraße und der Neuen Großen Bergstraße stehen immer wieder interessierte Menschen vor insgesamt 54 ungewöhnlichen Plakaten. Viele markant-provokante Sätze wie „Und für diesen Einheitsbrei an Konsumtempeln haben sie das Bismarkbad abreißen lassen“ oder „Diese Straße ist nicht schön. Aber früher war es auch nicht besser hier. Diese Straße war noch nie schön“ sind dort zu sehen. Sorgen dafür, dass Passanten innehalten, lesen, reagieren.
Die Plakate sind Teil von Glades Plakat-Kunstaktion „Stimmen“ im Rahmen der Altonale. Die Idee: Beide Straßen werden mit unzensierten Originalstimmen durch Bewohner und Besucher beschrieben. Jedes Plakat ist dabei ein Unikat mit einem unmittelbaren Zitat zum Ort. Antworten wie Straßen sind deshalb sehr unterschiedlich. Glade: „In der Neuen Großen Bergstraße soll eine Entwicklung in Gang gesetzt werden, in der Ottenser Hauptstraße soll eine hektische Entwicklung gestoppt werden. Das war mir vorher schon klar, aber die Interviews haben es noch mal unterstrichen. Bahnhof und Max- Brauer-Allee bilden eine Grenze.“
Die Aktion selbst war schnell realisiert: Zu viert wurden in zwei Tagen alle Interviews geführt. Eine Woche hat man gebraucht, um sie abzutippen. Nach weiteren zwei Tagen wurde gedruckt. Hängen tun die 54 Plakate jetzt seit Mittwoch, den 10. Juni. Die Resonanz sei bisher durchgängig positiv. „Ganz großes Kino“, habe ein Betrachter anerkennend gesagt. Erstaunlich auch, wie schnell und ausführlich die Leute ihre Meinung gesagt hätten. Dabei sei die Anonymität und der künstlerische Aspekt wohl ein Reiz für die Interviewpartner gewesen: „Worte mit einem direkten Bezug zum Raum, sie hängen eben nicht in einer Galerie“, so Glade.
„Schön ist auch, dass auf Plakate mit viel Weißfläche häufig Kommentare von Passanten geschrieben werden, ohne dass der eigentliche Text dabei überschrieben wird. Die Aktion selbst wird nichts verändern. Aber sie bringt einen dazu, ein bisschen innezuhalten. Und darum geht es!“
In welchem Stadtteil, zu welchen Straßen, er gerne die nächste Aktion dieser Art machen würde? „Aus dem Bauch heraus: Mümmelmannsberg“, antwortet der Hamburger Künstler, der auffällt, ohne auffallen zu wollen.

Am 19. Juni wird im Altonaer Museum zwischen 18 und 23 Uhr die Finissage stattfinden, bei der alle 54 Plakatmotive von Glade noch einmal zu sehen sind. Der Stimmkünstler Jochen Waibel will dann mit „Stimmen – Altona spricht“ diese sehenswerte Kunstaktion auf seine Art vorstellen.

Jochen Waibel „Stimmen – Altona spricht“, Finissage, Altonaer Museum, Eintritt 6 / 3,50 €, Karten
an der Abendkasse

Hier alle Plakate im überblick

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