Premiere im Schmidt’s Theater auf der Reeperbahn in Hamburg. Die bereits langfristig ersehnte One-Man Bühnenvorstellung des Künstlers Bodo Wartke (u.a. bekannt für ‚Ja Schatz‘) feiert ein gandiöses Debut.

Wartke, der unter Kennern als einer der fähigsten Nachwuchs-Kabarettisten gehandelt wird, schlüpft beim Abspiel des antiken Stückes in viele verschiedene Rollen. Mal ist er die Sphinx, mal Ödipus, der Stiefvater oder seine Mutter selbst. Und das was keiner zu glauben vermag, gelingt. Ein einzelner Mann schafft es, dem begeisterten Publikum ein komplettes Theaterstück darzubieten.  Dabei zitiert er auch, das Reklambüchlein als Zeichen in der Hand, Originalpassagen aus Sophokles‘ Meisterstück.  Sehr amüsant und gleichzeitig lehrreich, so kommt das Stück daher, dessen Akteur am Ende mit langen Standing Ovations zu kämpfen hat, nachdem er das „Triumpfgemüse“ – typischer Bodo-Slang – backstage gebracht hat.

Leider erfahren wir nach der Aufführung, daß sich Bodo Wartke den Fuß gebrochen hat und deshalb die zweite Premiere mit einem Alternativprogramm ausgekommen ist. Wir wünschen Bodo und unseren Leser sehr eine schnelle Gesundung, damit er – einer dieser letzten, reinen Bühnenkünstler – wieder begeistern kann. Gute Besserung!

Mehr Infos:
http://www.bodowartke.de/

Die griechische Mythengestalt des Ödipus begleitet Bodo Wartke als Langzeitprojekt bereits seit seiner Schulzeit. Die ursprüngliche Idee eines Zwölftklässlers, aus dem antiken Drama
ein Musical zu machen ließ sich zur damaligen Zeit nicht verwirklichen. Und so blieb es zunächst bei einzelnen Episoden der Ödipus-Saga, die der Klavierkabarettist seit seinem ersten Konzert 1996 als Bestandteil seiner nunmehr drei Programme bis heute präsentiert. Der dramaturgisch starke und spannende Stoff ließ Bodo Wartke nicht mehr los. Sein Mitgefühl für die Figuren, die versuchen ihrem Schicksal zu entrinnen, und die Faszination an der zwangsläufigen Tragik des Dramas bewogen ihn über die Jahre weiter an seiner eigenen Textfassung zu arbeiten.

Und so bringt Bodo Wartke nun nach 15jähriger Entwicklung den ganzen König Ödipus auf die Bühne. In seiner Bearbeitung als Solo-Theater wird aus dieser griechischen Tragödie nach Sophokles – lähmende Erinnerung an so manch“˜ verstaubte Deutschstunde – ein kurzweiliger, frech und intelligent präsentierter Klassiker, der das Publikum mitreißt, der die Laune und das Bildungsniveau schlagartig hebt.

Bodo Wartke schafft es in 90 Minuten, 20 Szenen, 6 Liedern und mit nur neun Requisiten – darunter eine Schirmmütze, eine Handpuppe, eine Sonnenbrille, ein Schwert, ein Cajón und ein Klavier sowie den typischen Wartke-Zutaten – intelligente Wortspiele und elegante Reimkaskaden – den 14 handelnden Personen der Tragödie Leben einzuhauchen ohne die Glaubwürdigkeit der Geschichte mit seiner humorvollen Adaption zu untergraben. Ödipus, Sohn des Laios, König von Theben, der unwissend seinen eigenen Vater tötet. Und später, als Belohnung dafür, dass er Theben von der Sphinx befreit, Iokaste, die Witwe des Königs und damit seine eigene Mutter, zur Ehefrau erhält.

Das Publikum kann am Ende dieser kurzweiligen Aufführung, deren dramatische Abgründe und komödiantischen Höhen Bodo Wartke mit viel Gespür auslotet, des Laios“™ Entsetzen auf die unschuldige Frage von Iokaste „Wat haste?“ mit amüsiertem Gruseln nachempfinden. Für die Zitate aus Rumpelstilzchen und Macbeth allerdings lohnt sich genaues Hinhören. Wenn Bodo Wartke klassische Bildungsinhalte verständlich selbstverständlich präsentiert, authentisch, augenzwinkernd und ohne den didaktisch-pädagogischen Zeigefinger, fühlt man sich im besten Falle angeregt, der Neugier nachzugeben und den ein oder anderen Klassiker aus dem Regal zu nehmen. Und so bietet der Klavierkabarettist mit seiner Fassung des König Ödipus einen barrierefreien Einstieg in einen zu Recht berühmten Sagen-Stoff, nicht nur für Schüler und Studenten.

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