Erste Proteste sind kaum zu übersehen: Bürger aus Hamburgs Bezirk Altona stellen sich gegen die weitere Ansiedlung von Ikea in Hamburg. Hier auf der Sondersitzung des Bezirk-Ausschusses. Foto: Olaf Dittmann
Erste Proteste sind kaum zu übersehen: Bürger aus Hamburgs Bezirk Altona stellen sich gegen die Ansiedlung von Ikea. Hier auf der Sondersitzung des Bezirk-Ausschusses. Foto: Olaf Dittmann

Die Meinungen in Hamburg-Altona zur Ansiedlung des schwedischen Einrichtungshauses sind – wie immer bei solch großen Vorhaben – ob der umfangreichen Herausforderungen für die Infrastruktur gespalten. Nach einer jahrzehntelangenVerödung der Großen Bergstraße schien nun endlich eine Lösung für das verkommene Frappant-Gebäude mit dem Ankerinvestor Ikea Deutschland gefunden zu sein. Nun kommt es zu Protesten.

„Wir wollen kein Verkehrskonzept, wir wollen überhaupt kein IKEA in Altona!“ Heiner Metzger von der Initiative „Kein IKEA in Altona“ und rund 30 Mitstreiter machten die gestrige (öffentlichen) Sitzung des Sonderausschusses der Bezirksversammlung fast unmöglich. Zwei junge Männer hielt minutenlang ein Protest-Transparent vor die Leinwand, auf der eigentlich das Verkehrsgutachten präsentiert werden sollte. Die Sitzung wurde unterbrochen – es drohte bereits ein Polizeieinsatz wie vor einigen Wochen, als das Schanzenfest vorbereitet wurde und Aktivisten die Diskussionen massiv störten.

Schließlich entfernten sich die IKEA-Gegner auch ohne Polizeigewalt aus der Projektionsfläche des Beamers. Mit einer Erklärung, die kaum noch bedrohlich klang: „Wir bestimmen ja grundsätzlich selber, welche Aktionen wir wann und wo machen. Und jetzt haben wir uns entschieden, das Transparent dort hinten hinzuhängen.“ – „Dort hinten“ sahen es die Politiker, die Verkehrsgutachter und die IKEA-Vertreter dann kaum noch. Und sie ließen sich durch einige Zwischenrufe auch zunächst kaum beirren. Erst gegen Ende der Sitzung gab es noch einige Wortgefechte zwischen Politikern und Anwohnern, doch es konnten einige Details besprochen werden. Die Linke, die grundsätzlich gegen die Ausmaße der geplanten Filiale des schwedischen Möbelkonzerns in der Großen Bergstraße ist, hatte die meisten kritischen Anmerkungen und Fragen. Alle anderen Fraktionen der Bezirksversammlung – CDU, SPD, GAL und FDP – sehnen sich einen schnellen Abriss des Frappants herbei.

Entwurf: Ikea Altona - Ansicht Perspektive
Entwurf: Ikea Altona - Ansicht Perspektive

Und so werden die Verkehrsströme erwartet: Man geht davon aus, dass allerhöchstens 50 bis 60 Prozent aller Kunden mit dem eigenen Auto kommen. Montags bis donnerstags werden 4.600 Hin- und Wegfahrten, also 2.300 Autofahrer, erwartet. Freitags und sonnabends 8.300. 120 Liefer- und Ladetransporte, darunter zehn große LKW, stehen pro Tag an. Die Altonaer Poststraße wird statt heute rund 2.600 täglich 7.200 bis 10.890 Kraftfahrzeugbewegungen verkraften müssen. Jeweils zehn Prozent des Verkehrs wird über die Elbchaussee und über die Holländische Reihe fließen. Jeweils 20 Prozent über die Holstenstraße und die Simon-von-Utrecht-Straße. Auf dem IKEA-Dach sollen rund 700 Parkplätze für Kunden eingerichtet werden.

„Ich traue dem Gutachten nicht“, sagte Michael Sauer (Die Linke). „Die Untersuchungsbasis ist zu dünn. Und innerstädtisch dürfte eigentlich gar kein neuer Verkehr generiert werden.“ Tim Schmuckall (CDU) entgegnete, man dürfe das (unabhängige) Gutachten nicht grundsätzlich infrage stellen, und regte an, ein Parkleitsystem einrichten. Johannes Ferber (IKEA) betonte: „Unser Hauptziel ist es, dass möglichst viele Kunden den HVV nutzen.“ Der Lieferservice soll besonders stark ausgebaut werden. Und Baudezernent Reinhold Gütter sagte: „Diese Verkehrsberechnungen beschreiben ein Worst-Case-Szenario.“

Mit der Ankündigung, der Protest stehe erst am Anfang, gingen die Demonstranten schließlich auseinander. Am 16. September findet eine Ausschuss-Sitzung statt, bei der dann auch ganz offiziell Anwohnerfragen und -kritik erwünscht ist.

Stellt sich Ikea den vielen Wünschen der Anwohner? altona.INFO bleibt am Ball.

Ikea in Altona ...

  • ... ist willkommen! Freue mich drauf. (49%, 562 Stimmen)
  • ... soll Altona fernbleiben - brauchen wir nicht. (48%, 550 Stimmen)
  • ... ist mir egal. Interessiert mich nicht. (3%, 32 Stimmen)

Gesamt Stimmen: 1.144

HIER GEHT ES ZUM DISKUSSIONSFORUM

"Endlich kommt der hässliche Klotz weg!" Das Frappant-Gebäude in der Großen Bergstraße wurde nach Jahrzehnten an einen Investor, hier Ikea Deutschland, verkauft. Montage: altona.INFO
"Endlich kommt der hässliche Klotz weg!", sagen die einen. Die anderen nicht. Das Frappant-Gebäude in der Großen Bergstraße wurde nach Jahrzehnten an einen Investor, hier Ikea Deutschland, verkauft. Montage: altona.INFO