Aus heutiger Sicht kann sich kaum jemand vorstellen, unter welch katastrophalen Umständen die Zivilbevölkerung (auch in Altona) im Ersten Weltkrieg gelebt hat. Das wird erst richtig deutlich, wenn man dazu die ersten beiden Seiten des abgebildeten Buches liest.

2009_08_27_Kriegsernährungswirtschaft
Buch "Die Kriegsernährungswirtschaft 1917" gibt Aufschluss über die Situation der damaligen Bevölkerung

Ein paar Auszüge: Die Körnerernte war erheblich besser, die Kartoffelernte aber beträchtlich schlechter als im Vorjahre. Die Ernte an Heu und Stroh, die 1915 im größten Teil Deutschlands sehr schlecht gewesen war, war 1916 viel besser. Infolgedessen ist der Fleischzustand des Rindviehs, das im Februar 1916 fast überall völlig abgemagert war, erheblich besser als im Vorjahr.

Die Versorgung mit Schweinefleisch wird durch die schlechte Kartoffelernte und dadurch beeinträchtigt, dass der größte Teil der Gerste für die menschliche Ernährung gebraucht wird. Die Milch- und Buttererzeugung ist trotz der besseren Heu- und Strohernte vorübergehend zurückgegangen, weil Kartoffeln ganz und Kohlrüben zum großen Teil für die menschliche Nahrung gebraucht werden, die im Vorjahre reichlich dem Vieh zur Verfügung standen.Mit Beginn der Weidezeit wird die Milch- und Butterversorgung besser werden. Die Einfuhr aus Rumänien, die im vorigen Jahre zeitweilig stark betrieben wurde, dann aber infolge der heimtückischen rumänischen Kriegserklärung aufhört, wird uns dank der Heldentaten unserer Truppen, wenn die zerstörten Verkehrsanlagen wiederhergestellt sein werden, einen erfreulichen Zuschuss vor allem an Futtermitteln bringen. Reste aus früherer Einfuhr von Kolonialwaren und anderen ausländischen Erzeugnissen, die vor Jahresfrist in kleinen Mengen noch da waren, sind jetzt fast völlig aufgebraucht. Das Durchkommen ist bis zur nächsten Ernte gesichert. In den Waren, die knapper vorhanden sind, muss der Fehlbetrag durch sorgsame Verteilung ausgeglichen werden.

Reiche Bezirke unterstützen die Schwachen

Solche Bezirke in Land und Stadt, die es im Vorjahre noch verhältnismäßig reichlich hatten, müssen sich jetzt mehr einschränken, damit die Bezirke, insbesondere Großstädte und Mittelpunkte der Rüstungsindustrie, die im vorigen Jahre zeitweilig schweren Mangel empfanden, dieses Mal davor geschützt werden. Das kann nur geschehen, wenn die Verteilung der gesamten Mengen auf die gesamte Bevölkerung von den Zentralbehörden sorgsam angeordnet und von den Kreis- und Ortsbehörden sorgsam durchgeführt wird, und wenn das deutsche Volk selbst, Landsleute wie Städter, nicht durch eigenmächtiges Verhalten die Einteilung zerstören [„¦]“

Quelle: Ausschnitt aus dem Buch „Die Kriegsernährungswirtschaft 1917“, Altonaer Stadtarchiv e.V.

Das Altonaer Stadtarchiv e.V. informiert auf altona.INFO in der regelmäßigen Rubrik „Ein Stück Altona“ zur Stadt- und Stadtteilgeschichte Altonas. Ein Besuch lohnt sich sehr, auch unter

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