Drei Wochen will Hans Castorp, ein junger Hamburger Ingenieur, seinen erkrankten Vetter im Alpen-Sanatorium besuchen. Zunächst befremdet ihn die Lebensart der Patienten und die Heilungsmethoden, doch nach einer Weile zieht ihn der fremde Rhythmus dieses außergewöhnlichen und morbiden Ortes in den Bann. Die Welt „dort oben“ distanziert sich von der Welt „dort unten“ mit all ihren Gebrechen. Leichte Erkrankungen werden im Bergsanatorium in exorbitant langen Zeiträumen kuriert.

Anne Schieber
Ensemblemitglied Anne Schieber spielt Castorps Geliebte Clawdia Chauchat

Auch Castorps Besuch verlängert sich ungeplant: ein namenloses Fieber packt ihn und an eine Abreise ist nicht zu denken. Die Rituale des Sanatoriumlebens zwischen Liegekur und Fiebermessen verändern auch seine Wahrnehmung von Zeit, er verfällt in einen Zustand von pflichtvergessener Leere. Sieben Jahre verweilt er zurückgezogen auf dem Berg, losgesagt von seinem gesellschaftlichen Leben. Doch die Grausamkeiten des Ersten Weltkrieges finden auch ihren Weg in das Kurhaus.

Der Zauberberg ist eines der bekanntesten Werke Thomas Manns, in welchem der Autor die europäische, spätbürgerliche Gesellschaft in ihrer Dekadenz zeichnet und satirische Kritik am Sanatoriumsmilieu kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges äußert. Sein Roman markiert den Abgesang der spätbürgerlichen Gesellschaft.

Regisseur Peter Kühn inszenierte bereits am Deutschen Schauspielhaus und feierte am Altonaer Theater Erfolge mit Allein unter Spielplatzmüttern und Schachnovelle.

Entstehungsgeschichte

Die Entstehung von Der Zauberberg umfasst elf Jahre. 1912 verbrachte Katia Mann, die Ehefrau von Thomas Mann, sechs Monate in einem Lungensanatorium in Davos. Tatsächlich wurde auch Thomas Mann, der seine Frau dort mehrfach besuchte, von Ärzten aufgefordert, einen vermeintlichen Lungenwegkatarrh dort für ein halbes Jahr zu kurieren. Er lehnte ab. 1913 begann er mit den ersten Arbeiten an dem Roman, die von dem Ersten Weltkrieg „unterbrochen“ wurden. 1919 setze der Autor die Arbeiten fort und las wiederholt Auszüge bei Veranstaltungen vor. Er verschätzte sich deutlich bei der noch ausbleibenden Zeit bis zur Veröffentlichung. Mehrfach wurde sie angekündigt, konnte aber erst im Herbst 1924 tatsächlich gefeiert werden.
Thomas Mann berichtete früh in einem Brief über das Grundkonzept des Romans:

… eine Geschichte mit pädagogisch-politischen Grundabsichten, worin ein junger Mensch sich mit der verführerischsten Macht, dem Tode, auseinander zu setzen hat und auf komisch-schauerliche Art durch die geistigen Gegensätze von Humanität und Romantik, Fortschritt und Reaktion, Gesundheit und Krankheit geführt wird, aber mehr orientierend und der Wissenschaft halber, als entscheidend. Der Geist des Ganzen ist humoristisch-nihilistisch, und eher schwankt die Tendenz nach der Seite der Sympathie mit dem Tode (…) etwas vom Zwerg Nase, dem sieben Jahre wie Tage vergehen, ist darin, und der Schluss, die Auflösung – ich sehe keine andere Möglichkeit als den Kriegsausbruch. Man kann als Erzähler diese Wirklichkeit nicht ignorieren, und ich glaube ein Recht auf sie zu haben, da das Vorgefühl davon in allen meinen Konzeptionen war.

Der Roman wurde kurz nach seiner Veröffentlichung in diverse Sprachen übersetzt und war ein großer literarischer Erfolg, auch wenn die Reaktionen und Kritiken gespalten auf das Werk reagierten. Heute liegen bereits 27 übersetzungen vor.

Regie: Peter Kühn „¢ Bühne: Peter Kühn / Sonja Zander „¢ Kostüme: Christine Merz
Mit: Björn Ahrens, Holger Dexne, Klaus Falkhausen, Niels Hansen, Kerstin Hilbig,
Elena Meissner

Premiere 14. September 2009
DER ZAUBERBERG
nach dem Roman von Thomas Mann
Bühnenbearbeitung von Vera Sturm und Hermann Beil

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