Einzelhandel stellt sich hinter Ikea Altona. Dr. Foto: erstepresse
Einzelhandel stellt sich hinter Ikea Altona: Nicht nur Dr. Hella Dierking (Einhorn Apotheke) und Peter Sydow (Reisebüro) kämpfen für IKEA in Altona. Foto: erstepresse

Hamburg /Altona (erstepresse). „Altona freut sich auf Ikea“ lautet es auf dem Flugblatt. Heute wurde mit der Initivative „Pro-IKEA“ das zweite Bürgerbegehren rund um IKEA-Altona in der Großen Bergstraße gestartet. Diesmal stellt sich der Einzelhandel massiv hinter den Investor. Es könnte in die Geschichte eingehen, dass nun zwei Verfahren parallel um die Stimme der Bürgerinnen und Bürger kämpfen.

Bei einem Termin im Rathaus Altona haben die drei Anwohner und Vertrauensleute Dr. Hella Dierking (Einhorn Apotheke), Heinz Weißsteiner (Hair Inn) und Gregor Lammers (Foto Studio Lammers) offiziell ihren Antrag eingereicht.

Die Initiative geht zurück auf den Einzelhandelsverband (ECA) Einkaufscity Altona, dessen erster Vorsitzender, Klaus-Peter Sydow, mit seinem Reisebüro bereits seit Jahren das Geschehen um das „Werden oder nicht Werden“ der Einkaufsstraße Große Bergstraße verfolgt. „Seit Jahren kämpfen wir dafür, dass endlich ein Investor kommt und jetzt, da ein Investor dies endlich glaubhaft macht, werden wir das auch sehr unterstützen!“, betont Sydow. Eine gewisse Frustration ist dem engagieren Interessensvertreter anzumerken. „Ende September muss schon wieder ein Händler in der Großen Bergstraße aufgeben“, berichtet er. „Kräuter Kühne“ sei seit immerhin fünfzehn Jahren angesiedelt gewesen. „Ich musste hier zusehen, wie ein Händler nach dem anderen zugemacht hat. Wir sind hier wirklich am Tiefpunkt angekommen. Damit die letzten Läden, die noch da sind, überhaupt bleiben können, ist Ikea ist unsere letzte Chance. Die meisten Geschäftsleute sehen das hier auch so“, sagt der Reiseverkehrskaufmann.


Jetzt gibt es zwei Bürgerbegehren: Eines Pro und eines Contra Ikea – Sachdiskussion ist wünschenswert

In der Tat erregen sich die Gemüter bei diesem Thema. Für die Geschäftsleute ist Ikea ein Hoffungsschimmer und wie wir erfahren, für viele „der letzte“. Und ist es das auch für die Anwohner? „Natürlich“, sagt die Initiative. „Viele ältere Menschen kennen die Historie aus der großen Bergstraße, berichtet die Vertrauensperson Dr. Hella Dierking. Ihre Apotheke im Familienbesitz ist seit bereits 125 Jahren dort. Direkt gegenüber des Frappants. „Das Einkaufszentrum sprudelte damals vor Leben. Schade, dass gerade die jungen Leute das nicht miterlebt haben“, berichtet sie. Dr. Dierking macht sich Sorgen um die jungen Leute, die sich erst ein Bild über die gesamte Geschichte der Großen Bergstraße machen sollten, um sich eine Meinung bilden zu können. Und sie persönlich hat Erfahrung mit Initiativen. „Die Bäume in der Straße sind auch schon von uns und die wurden von den Einzelhändlern finanziert“, berichtet sie. „Solche Investitionen tätige man gerne für die Kunden“, erklärt sie. Zwei Bäume hätte sie selbst gepflanzt. Dr. Dierking weiß, was Engagement bedeutet und verweist in der Sache auch auf das „Beispiel“ Mercado: „Damals gab es auch viel Enttäuschung rund um Hertie. Und dann stand es leer.“ Die Erfahrung mit dem Mercado habe doch gezeigt, dass sich alles zum Positiven wenden könne. Für sie sei die Große Bergstraße „einfach deprimierend. Früher war das hier eine tolle Lage, inzwischen ist es richtig schlecht“, sagt die Apothekerin. Es soll ja auch kein Klotz kommen, sondern ein richtiges Kaufhaus, mit Schaufenstern“, berichtet Sie und ergänzt: „Das wird schon ordentlich. Was Ikea anfasst, das wird auch was.“


Konzept für Stabilität der Mieten vom Bezirk gefordert –  Ikea soll sich in das Verkehrskonzept einmischen

Nicht nur dem Kaufmann Sydow leuchtet ein, dass ein attraktives Umfeld steigende Mieten nach sich zieht. Der Stadtteil Ottensen ist dafür ein gutes Beispiel, wenn gleich es gerade hier durch eine steigende Attraktivität der Altstadt zu einer Beruhigung kommen könnte. Neben den gesetzlich festgelegten Einschränkungen zur Mieterhöhung müsse sich der Bezirk auch ein Konzept überlegen, fordert Sydow. Von der Miete zum Verkehr. Dort sehe er kein großes Problem. Die Infrastruktur sei doch da. „Damals zu Zeiten von Aldi und Karstadt in der Großen Bergstraße war die Verkehrsbelastung nur minimal niedriger“. Aber er möchte, dass sich Ikea auch um das Verkehrskonzept bemüht. „Wir müssen uns eben alle hinsetzen und Konzepte erarbeiten. Die Chance mit Ikea lassen wir uns hier nicht entgehen.“ Eine Idee sei das Möbeltaxi, vielleicht mache man das besonders attraktiv und günstig für alle. Ein dezentrales Abhollager sei auch eine diskussionswürdige Idee, sagt der Vertreter des Einzelhandelsverbandes.


Öffentliche Anhörung des Sonderausschuss „IKEA“ am 16. September um 19.30 Uhr (Aula der Louise Schroeder Schule, Thedestraße 100)
.  Geschäftsführung von IKEA ist da

Ikea Deutschland wird am 16. September mit den beiden Geschäftsführern der Expansionsabteilung nach Altona kommen. „Neue Skizzen, Darstellungen werden gerade für den Termin vorbereitet. Wir dürfen leider noch nichts verraten, aber wir wollen z.B. mit viel Alluminium und großen Schaufenstern arbeiten“, berichtet Settergren von Ikea Deutschland. Zu dem Vorschlag, dass man die Waren-Ausstellung von der Waren-Abholung trennen könnte, äußert sie sich nicht eindeutig. „Das sind Dinge, da greifen wir nicht vor, denn die Diskussion mit den Bürgern vor Ort ist uns sehr wichtig“, betont sie, wie schon häufig. Ein Argument nennt Sie in Bezug auf die Idee jedoch. Sie hätten mit einer externen Abholung leider keine gute Erfahrung gemacht. Die Kunden seien bequem und möchten gerne alles vor Ort haben. Es sei eher ein Ärgernis wenn man selbst an der Kasse stünde, die Ware aber wo anders bekäme. Bis Ende Dezember brauchen wir aber Klarheit“, sagt Settergreen. Der Zeitplan sei anstrengend. Sie macht klar, dass eine Verzögerung das Projekt insgesamt in Frage stellen könnte – „Wenn man uns in Altona nicht möchte“, sagt sie leise, führt den Satz aber nicht zu Ende.

Ikea in Altona ...

  • ... ist willkommen! Freue mich drauf. (49%, 562 Stimmen)
  • ... soll Altona fernbleiben - brauchen wir nicht. (48%, 550 Stimmen)
  • ... ist mir egal. Interessiert mich nicht. (3%, 32 Stimmen)

Gesamt Stimmen: 1.144

Das klare Bekenntnis von Ikea zum Standort ist ein deutlicher Wunsch von Sydow, dem Initiator des Bürgerbegehrens. Seit mehr als zehn Jahren hätte er einfach zu viele Momente erlebt, in denen trotz vieler vermeintlicher Zusagen, nichts passiert sei. Er glaube erst daran, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen. Die Anspannung ist dem ansonsten sehr umgänglichen Sydow ins Gesicht geschrieben. „Wenn es mit Ikea nicht klappt, wird sich an dieses Gebäude niemand mehr ranwagen. Und was dann?“

Die Unabhängigkeit der Initivate „Pro-Ikea“ ist allen Parteien wichtig. Die Initivative bezieht laut Ikea „keinerlei finanzielle Unterstützung“, erfahren wir. Nur in der Sache selbst, stehe man natürlich auf der selben Seite. Laut Auskunft von Ikea arbeiten derzeit mehrere Planungsbüros intern wie extern daran, die Vorschläge „publikumsfreundlich“ zu machen. Die Veröffentlichung der bisherigen Entwürfe seien von Ikea allerdings niemals selbst geplant gewesen. Diese unfertigen Entwürfe hätten jetzt für viel Gesprächsstoff gesorgt. Bei der öffentlichen Anhörung am 16. September um 19.30 Uhr wolle man alles vorstellen und dann ein deutliches Wort sprechen. Die Interessen der Bevölkerung nehme man „sehr, sehr ernst“.

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"Ikea lebe hoch" Der Katalog liegt in diesen Tagen in allen Altonaer Haushalten. Das es auch eine Filiale von Ikea schafft, wünschen sich viele sehnlichst. Foto: erstepresse
"Ikea lebe hoch" Der Katalog liegt in diesen Tagen in allen Altonaer Haushalten. Dass es auch eine Filiale von Ikea nach Altona schafft, wünschen sich viele sehnlichst. Foto: erstepresse