Nächstes Jahr (2010) wird der Stuhlmann-Brunnen, Altonas Wahrzeichen, seinen 110 Geburtstag feiern. Aus diesem Grund soll in mehreren Folgen dieses Ereignisses gedacht werden. Beginnen wir mit einer Information zum Stuhlmann-Brunnen aus dem Altonaer Adressbuch von 1900.

2009_08_31_Adressbucheintrag_Stuhlmannbrunnen
Ausschnitt aus dem Adressbuch der Stadt Altona 1900 mit Informationen zum Stuhlmann-Brunnen - in Frakturschrift. Quelle: Altonaer Stadtarchiv

Hier der im Original auf Seite 376 verfasste Text:
„Zur Errichtung eines öffentlichen Springbrunnens hat der 1872 verstorbene Rentier Stuhlmann seiner Vaterstadt Altona ein Legat von 18 000 M ausgesetzt. Die Stadt Altona erließ nun im Frühjahr 1897 ein Preisausschreiben für einen großen Zierbrunnen auf dem Platz vor dem Eisenbahn-Directionsgebäude. An der Concurrenz betheiligten sich 58 Künstler; als Sieger ging hervor der Bildhauer P. Türpe, dem auch die Ausführung übertragen wurde. Nach zweieinhalbjähriger Arbeit war das Werk im November 1899 so weit vollendet, daß die einzelnen Figuren, in der Werkstatt von Bommer in Berlin in Kupfer getrieben, in Altona eintrafen. Die der Gruppe zu Grunde liegende Idee ist der Kampf zwei Centauren, die gefischt haben und nun bei der Teilung des Fanges um den größten Fisch in Streit gerathen sind; der eine hält das Thier hoch ihn die Luft, und ein mächtiger Wasserstrahl wird dessen Rachen entsteigen; Wasser speien ebenfalls zwei Fische, welche dem Netz entschlüpfen, desgleichen vier Salamander und Frösche, die auf niedrigen Sockeln des 20 Meter langen, 10 Meter breiten, oblong gehaltenen Beckens hocken. Auch zwei Tritonen geben ihren Unmut über die Misshandlung des Fisches durch kräftige, auf die Kämpfer gerichtete Wasserstrahlen Ausdruck. Die Figuren haben mehrfache Lebensgröße und die sich auf Felsen aufbauende Gruppe hat eine Höhe von 7, 5 Metern.“

Dazu ist aus heutiger Sicht zu sagen:
Es scheint auch hier wichtig zu sein, dass man immer wieder einmal zu den Anfängen einer Sache zurückkehrt, um das „Heute“ besser zu verstehen. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass der Verfasser sich eher an die Planung als an die reale Ausführung der Schaffung der Brunnenfiguren gehalten haben muss. Das liegt vielleicht daran, dass der Verfasser diesen Text eher geschrieben hatte als der Brunnen aufgestellt war.

Denn wie kommt der Schreiber u. a. dazu, von Salamandern und Fröschen auf dem Brunnenrand zu berichten? In Wirklichkeit sind es vier Echsen geworden. Das trifft auch auf die beiden Begleitfiguren zu. Hier schreibt er von zwei „Tritonen“. Davon ist nur einer realisiert worden. Der zweite angekündigte Triton wurde als „Nixe“ ausgeführt. Auch der symbolisierte Kampf um den Fisch zwischen Altona und Hamburg blieb unerwähnt.
So ist das mit der „Wahrheit“ in alten Büchern.

Das Altonaer Stadtarchiv e.V. informiert auf altona.INFO in der regelmäßigen Rubrik „Ein Stück Altona“ zur Stadt- und Stadtteilgeschichte Altonas. Ein Besuch lohnt sich sehr, auch unter

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