Schuelerwettbewerb "Nationale Initiative Printmedien"
Voll den Durchblick: Schülerwettbewerb „Nationale Initiative Printmedien“. Das Foto zeigt anschaulich, wie vielfältig Printmedien von Jugendlichen genutzt werden können. Foto: Jugendpresse Deutschland

Deutschland / Printland (erstepresse). Abermals startet der Schüler-Wettbewerb des Kulturstaatsministers und der Verlegerverbände für Printmedien:  Der „gute Journalismus“ in Zeitungen und Zeitschriften soll gerade jungen Menschen klargemacht werden, zitiert eine Pressemitteilung den Minister. Zum Start des 2. Schülerwettbewerbs der „Nationalen Initiative Printmedien Zeitungen und Zeitschriften in der Demokratie“ manifestierte sich jetzt Kulturstaatsminister Bernd Neumann.

„Angesichts der herausragenden Bedeutung von Printmedien in unserer Demokratie ist es mein besonderes Anliegen, junge Menschen auch im digitalen Zeitalter an Zeitungen und Zeitschriften heranzuführen und für guten Journalismus und kritische Lektüre zu begeistern. Deshalb habe ich im Jahr 2007 die „Nationale Initiative Printmedien“ ins Leben gerufen, sagte Neumann. „Sie soll dazu beitragen, die Maßnahmen zur Leseförderung von gedruckten Medien bundesweit auszuweiten, um die Medienkompetenz bei jungen Leserinnen und Lesern zu stärken und den Wert von Medien- und Meinungvielfalt zu vermitteln.“

Zeitungen und Zeitschriften kämpfen um junge Leser – Trend und Entwicklung verpennt?

Die Realität der Mediennutzung Jugendlicher hatte nicht nur zuletzt – aber seit Jahren tiefe Einschnitte in den Auflagenzahlen der Zeitungen und Zeitschriften hinterlassen. Selbst Jugendmedien, wie YAM – ein Produkt des Axel Springer Verlages gegen die BRAVO – sind zuletzt gescheitert und mussten eingestellt werden. Aber auch der BRAVO aus dem Hause Bauer geht es vermutlich nicht besonders gut. Waren es 1998 noch stolze 1.264.113 verkaufte Hefte (2. Quartal), sank die verkaufte Auflage Zahl im selben Quartal 2009 auf  493.132 Exemplare. (Quelle IVW) – Doch auch Crossmedia-Effekte aus hohen Investitionen in begleitende Onlinemedien (35 Mio MARK für Bravo.de) oder Marketingevents, wie Jugendmessen, Promotions oder Schulmarketingaktionen konnten den Trend nicht aufhalten.

Die BRAVO hat in 11 Jahren mehr als die Hälfte ihrer Leser verloren. Grafik: erstepresse Datenquelle IVW
Die BRAVO hat in 11 Jahren mehr als die Hälfte ihrer Leser verloren. Grafik: erstepresse Datenquelle IVW – Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern, Bonn.


Verleger geben ihr letztes Hemd für junge Leser – doch T-Shirts tragen sich leichter

46 Prozent ihrer Zeit verbringen junge Menschen ohnehin mit Medien im Internet. Für das Fernsehen stehen immerhin noch 28 Prozent der Medienzeit zur Verfügung, Radio und Printmedien kommen auf lediglich 15 bzw. 12 Prozent, geht aus der Timescout-Studie des Hamburger Marktforschungsinstituts tfactory hervor.  Viele andere Meinungsforscher bestätigen diesen Trend und der gemeine „Jugendliche“ stirbt derweilen aus. Die geburtenschwachen Jahrgänge drücken seit zwei Jahren durch. Jedes Jahr fehlen weitere 50.000 Schulabgänger (Vergleich zu 2007). Doch Senioren gibt es immer mehr. Inhalte werden der Leserschaft angepasst- Ein Teufelskreislauf.

Jugendmarketing – Können es die ‚alten Hasen‘ besser?

Der StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani lästerte unlängst über die Fähigkeiten der Holtzbrinck-Gruppe im Umgang mit den VZ-Netzwerken – so ähnlich äußerte sich der Gründer von StudiVZ bereits in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Wüst schimpfte er, der im Jahr 2007 für 10. Mio EUR seine Anteile verkaufte, über den Investor: „Die „Zeitungsverkäufer aus Stuttgart“ hätten den innovativen Geist bei StudiVZ abgetötet und „den Laden“ zu einer Verwaltungseinheit gemacht“, schreibt der Branchendienst Meedia.


Liebe Jugendlichen, Print lesen, nicht durchgucken! Teilnahmeschluss 07. Mai 2010, beeilt euch!

Der diesjährige Schülerwettbewerb der „Nationalen Initiative Printmedien“, der von den Verlegerverbänden in Zusammenarbeit mit den Kulturstaatsminister und der Jugendpresse Deutschland veranstaltet wird, steht unter dem Motto „Fußball-WM 2010 in Südafrika“ (das ist übrigens hier, Link ). Er richtet sich an Schulklassen der Jahrgangsstufen 5 bis 11 aller allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sowie Jugendgruppen entsprechenden Alters aus dem außerschulischen Bereich.

 

Kommentar

Der Werbetexter liest den Claim und sagt sich: „Toll, Fußball, WM, Print – lass laufen – Kunde kauft“. Leser auch? Ein starkes Motto ist es allemal, aber wie wurde dazu entschieden. Vor dem geistigen Auge mag sich mancher Leser veraltete Lobbyisten der Verlegerszene vorstellen, die mit ihren bunten Fußball-Schals im V.I.V.-Bereich (very important verleger) des letzten Deutschlands-Spiels über das Motto des diesjährigen „Lesernachwuchwettbewerbs“ – entscheiden. Fußball, das läuft! Prost!

Wie wäre es denn mal mit journalistisch-profunden Themen wie Afganistan, der Pressefreiheit im Iran oder China oder der Auswirkung des Finanzmarktstabiliserungsgesetzes? Noch ein Thema „Generationengerechtigkeit“, etwa „Die Rentner werden teuer“ oder „kinderarmes Deutschland“. Leute – was traut ihr der jungen Leserschaft überhaupt noch zu? Bis „Drei“ zählen? Eine journalistische Frage hätten wir noch: „Guter Journalismus.“ Was soll das denn genau bedeuten, Herr Kulturminister Neumann? Wie finden Sie denn den Journalismus im Internet, im TV oder Radio – gut, besser, schlechter? Schon mal das hier gelesen? Unten ist ein Formular, da kann man seine Meinung hineintippen oder twittern sie doch einfach unserer Redaktion. Alternativ können Sie das auch gerne „buschfunken“ oder „facebooken“ (das kommt schon bei Jugendlichen an, keine Sorge!).

Abspam: Die Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer sollen sich in ihren Beiträgen mit dem vorgegebenen Thema auseinandersetzen und einen inhaltlichen Bezug zu Zeitungen oder Zeitschriften herstellen. Einsendeschluss ist der 7. Mai 2010. Aus den eingegangenen Beiträgen wird eine Jury aus namhaften Chefredakteuren verschiedener Tageszeitungen drei Preisträger ermitteln. Die siegreichen Schulklassen gewinnen eine zweitägige Reise in die Bundeshauptstadt Berlin (1. Anmerkung der Redaktion: Knüller!) mit einem attraktiven Rahmenprogramm. Dort werden sie u.a. den Deutschen Bundestag besuchen und im Rahmen der Jahrestagung der „Nationalen Initiative Printmedien“ im Bundeskanzleramt von Kulturstaatsminister Bernd Neumann ausgezeichnet. (2. Anmerkung der Redaktion: und alle so yeahhh?)

Die Darstellung zeigt die Entwicklung der Reichweiten von regionalen Tageszeitungen (gesamt) bei Jugendlichen im Alter 14-29 Jahre. Maßstab TZ = Mio Leser. Grafik: erstepresse Quelle MA.AG (2000 - 2009)
Die Darstellung zeigt die Entwicklung der Reichweiten von regionalen Tageszeitungen (gesamt) bei Jugendlichen im Alter 14-29 Jahre. Maßstab TZ = Mio Leser. Grafik: erstepresse Quelle AG MA (2000 – 2009)

 

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