Hamburg/Kiel (erstepresse). Die Küste steht vor einer Renaissance als Standort für Industrien mit hoher Import- und Exportorientierung. Das ist die Kernaussage eines neuen Positionspapiers, das die Handelskammer Hamburg, die IHK Schleswig-Holstein und die IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum in Hamburg vorgestellt haben.

Da höhere Treibstoffpreise, Staus und Mautgebühren den Transport auf der Straße immer teurer werden lassen, biete ein Standort mit Nähe zu seeschifftiefem Wasser und den Häfen großes Einsparpotenzial für Unternehmen, die einen hohen Anteil ihrer Vorleistungen von übersee importierten und/oder ihre Fertigprodukte dorthin exportierten.

„Im Schnitt befinden sich die Produktionsstätten des verarbeitenden Gewerbes rund 500 Kilometer von einem Seehafen entfernt – damit einher gehen hohe Treibstoff- und Zeitkosten sowie CO2- und Lärm-Emissionen sowohl für den Transport von Vorleistungsgütern als auch von Fertigprodukten“, sagte Prof. Hans-Jörg Schmidt-Trenz, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. „Wir sehen eine Renaissance der Küste, insbesondere der Seehäfen, als Standort für das verarbeitende Gewerbe“, so Schmidt-Trenz. Rotterdam zeige, wie diese Strategie erfolgreich umgesetzt werden könne.

Mit dem Positionspapier „Industriegebiete im Zeitalter der Globalisierung: Die Zukunft liegt an der Küste!“ regen die Kammern bei den lokalen Entscheidungsträgern und Akteuren Maßnahmen im Bereich der Gewerbeflächenentwicklung an, um die wirtschaftliche Entwicklung der Küstenstandorte voranzutreiben. „Insbesondere für die Bereiche Logistik, Luft- und Raumfahrzeugbau, Chemische Industrie, Maritime Wirtschaft und Erneuerbare Energien sollten attraktive Rahmenbedingungen für die Neuansiedlung und mögliche Bestandserweiterungen in den Seehäfen und deren Umfeld geschaffen werden“, sagte Schmidt-Trenz.

Jörg Orlemann, Hauptgeschäftsführer der IHK Stade für den Elbe-Weser-Raum bekräftigte: „Es ist von zentraler Bedeutung für die Zukunft, die Unterelbe als einen zusammenhängenden Wirtschaftsraum mit zahlreichen Potenzialen hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Bedeutung zu begreifen.“

Als Anstoß und Unterstützung zur Bildung einer gemeinsamen Wirtschaftsregion Hamburgs mit dem Unterelberaum bewertete Dr. Jörn Biel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Kiel, das IHK-Positionspapier. Er betonte, es müsse „das Ziel sein, das verbindende Element des Verkehrsweges „šFluss“™ zu erfassen und zu ergreifen.“ Biel wörtlich: „Nur so können die Entwicklungsimpulse aus Hamburg in der Region voll genutzt werden – zum Vorteil für Zentrum und Peripherie – zum Vorteil für die gesamte Wirtschaft und damit zum Nutzen derjenigen, die in der Unterelberegion leben“.

Peter Michael Stein, Hauptgeschäftsführer der IHK Flensburg sagte: „Die Häfen an der Unterelbe haben vereinbart, bei Ansiedlungsfragen von Unternehmen intensiv zu kooperieren, um sie für die Region an der Unterelbe zu gewinnen. Gemeinsam werden die Hafenbetreiber weltweites Marketing betreiben, vermutlich unter dem Begriff „šPorts of Hamburg“™“. Die Zusammenarbeit zeige bereits jetzt erste Früchte. In der vergangenen Woche haben sich Brunsbüttel und der Hamburger Hafen gemeinsam auf der Logistik Messe im chinesischen Shenzhen präsentiert. Außerdem gehe es darum, so Stein weiter, den Standort Unterelbe auch in den Köpfen der Entscheider in der Bundesregierung und der Europäischen Kommission für die erforderlichen Infrastrukturinvestitionen zu verankern.

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