"Der Einsatz hat sich gelohnt." Die Initiatoren der Bürgerentscheides PRO IKEA freuen sich über die hohe Zustimmung. Foto: erstepresse

Hamburg / Altona (erstepresse) Jetzt ist es amtlich. 77 % der Altonaerinnen und Altonaer stimmten bei dem „PRO IKEA“- Bürgerentscheid für das Möbelhaus in der Großen Bergstraße im Stadtteil Altona-Altstadt. Auf der Adresse des Frappant entsteht damit – vorausgesetzt der Baubescheid ergeht – das weltweit erste City-IKEA. Bereits Stunden zuvor war durchgesickert, dass sich der Haufen der Pro-Stimmen türmte.

Auf der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz versammelten sich zahlreiche Medienvertreter, Fernsehteams und die Lokalpolitik. Um 17 Uhr verkündete Abstimmungsleiter Kersten Albers vom Bezirksamt Altona das Ergebnis. Bei einer Wahlbeteiligung von insgesamt 43,47 % (81.130 von 186.618 Abstimmungsberechtigten) stimmten insgesamt 77,15 % mit JA (62.412) und 22,85 % mit NEIN (18.480). Die Mehrheit der Altonaer nahm damit die Vorlage des Bürgerbegehrens „PRO IKEA“ an.

Armin Michaely, Expansionschef IKEA Deutschland, kommentierte die Meldung in einer ersten Reaktion: „Wir freuen uns, dass eine so deutliche Mehrheit der Bürger IKEA in Altona willkommen heißt und bedanken uns für das damit gezeigte Vertrauen. Wir sind überzeugt davon, dasss wir einen Beitrag dazu leisten können, dass die Große Bergstraße für viele Menschen und Einzelhändler vor Ort wieder attraktiver wird. Wir setzen uns dafür ein, dass für alle Beteiligten gute Lösungen gefunden werden und wollen in den nächsten Wochen verstärkt den Dialog, insbesondere mit den Künstlern und Anwohnern suchen.“

Auch Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose zeigte sich erfreut: „Ich bin froh, dass die Altonaerinnen und Altonaer sich so eindeutig für die Ansiedlung von Ikea ausgesprochen haben. Das ist ein gutes Signal für Altonas historische Einkaufsstraße. Und das Ergebnis zeugt von der Vernunft des Bürgerwillens. Jetzt sollte der Senat das Vorhaben zügig vorantreiben, damit sich die Erneuerung nicht unnötig weiter hinzieht.“

Auch Politikerinnen und Politiker der Fraktionen CDU, SPD, GAL und FDP äußerten sich zufrieden mit dem Ergebnis, das derzeit noch rechtlich auf seine Zulässigkeit geprüft wird.  „Ich bin froh, dass die Altonaerinnen und Altonaer sich so eindeutig für die Ansiedlung von Ikea ausgesprochen haben. Das ist ein gutes Signal für Altonas historische Einkaufstraße. Und das Ergebnis zeugt von der Vernunft des Bürgerwillens. Jetzt sollte der Senat das Vorhaben zügig vorantreiben, damit sich die Erneuerung nicht unnötig weiter hinzieht“, teilt der Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende der SPD Olaf Scholz mit.

Doch es gibt nicht nur positive Stimmen und vor allem eine Menge Kritik zu dem Verfahren. So hält es Manfred Brandt von der Initiative „Mehr Demokratie e.V.“ „für außerordentlich bedauerlich, dass zum Thema „Ikea in Altona“ kein gemeinsamer Bürgerentscheid zustande gekommen ist.“ Brandt geht sogar einen Schritt weiter und meint, die Vernachlässigung der Darstellung der Contra-Seite sei „ärgerlich und nicht im Sinne des Gesetzes“. Letzteres lässt nun auch Abstimmungsleiter Kersten Albers prüfen, wenngleich er auf die politische Mehrheit in der Bezirksversammlung hinweist. Derzeit gilt auch noch der Suspensiveffekt des Contra-Bürgerbegehrens, das (altona.INFO berichtete) am vergangenen Montag – und damit einen Tag vor Ende dieses Bürgerentscheides – seine Unterschriftenlisten abgab. Die Bezirksverwaltung prüfe jetzt die Rechtsposition und zähle derweilen die Unterschriften der Gegner aus, verkündet Albers. Doch was passiert, wenn die Politik vor Ende der Prüfung das Verfahren an den Hamburger Senat abgibt? In diesem Falle der sogenannten „Evokation“ wäre auch die Bezirksverwaltung nicht mehr zuständig.
Diese Tatsache darf die Befürworter beruhigen: Abseits der vielen Rechtsunsicherheiten und der von CDU und SPD angekündigten überfälligen überarbeitung des Volksabstimmungsgesetzes, kann bei diesem deutlichen Votum davon ausgegangen werden, dass eine deutliche Mehrheit es „auf einen Versuch“ ankommen lassen will. Ein Versuch. Das ist auch die Herausforderung für IKEA.


Ein Investment für Altona – eine Chance für den Konzern

Die Herausforderungen – aber auch das unternehmerische Risiko in das IKEA mit einer Cityfiliale geht – sind gewaltig. Der Konzern, der mit der Mode lebt, setzt sich in der Innenstadt einem viel schnelllebigeren Wandel aus. Das ist eine ganz neue Herausforderung für Produktsortiment, Produktion, Dienstleistung, Qualität und den Unternehmensgeist. Einen Katalog im Jahr und die ganze Zeit dasselbe Angebot – das kann man auf der „Grünen Wiese“ machen. Nicht jedoch dort, wo Abwechslung und Kommunikation so gefragt sind wie kaum wo anders in Deutschland. Im kreativen Altona haut einen nichts so schnell aus den Schuhen. Hier könnte Madonna auftreten – und kaum einer ginge hin.

Gleichermaßen unter Druck stehen jetzt auch die Geschäftsleute in der Großen Bergstraße. Sie, die sich von einer Ansiedlung sehr viel Auftrieb für ihr Geschäft versprechen, müssen jetzt durchhalten. IKEA käme erst 2012. Das ist in diesen mauen Wirtschaftszeiten eine Herausforderung. Bis dahin kann und wird noch eine Menge passieren. Auch neue Geschäftsansiedlungen sind zu erwarten, z.B. Möbeltaxis, Carsharing, ein Hort für Kinder, ein Imbusschlüsselverleih, ein Aufbauservice, etc. könnten entstehen.

Zugegeben, nicht alles macht Sinn. Aber so ist das nun mal in der Geschäftswelt. Deshalb gibt es unternehmerisches Risiko und für IKEA ist dieses Risiko nicht zu unterschätzen. Die Welt schaut auf diese erste echte Cityfiliale. Noch will sie mit Leben und einem guten Umgebungskonzept gefüllt werden. Und wenn sie da ist, dann beginnt die Herausforderung erst recht. Spätestens dann werden die IKEA-Gegner von Heute ihre  Argumente  auf Validität überprüfen.

Ein IKEA in der Stadt erfordert tatsächlich ein vollständig neues und angepasstes Konzept. Die nachhaltige Einpassung in die Umgebung im Sinne der Bürgerinnen und Bürger ist und bleibt jetzt Aufgabe der Politik und der Verwaltung. Interessante Produkte für eine Stadt bereitzuhalten, deren Bewohner überwiegend in teuren Wohnungen mit wenig Fläche und kleinen Kellern leben, ist auch keine zu unterschätzende Aufgabe.

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