Hamburg/Hannover (erstepresse). Das Datenleck beim Finanzdienstleister AWD ist offenbar deutlich größer als bislang angenommen. Nachdem NDR Info laut eigenen Angaben bereits im vergangenen Herbst 27.000 sensible Kundendaten aus dem Unternehmens-Bestand vorgelegen hätten, habe der Radiosender jetzt noch einmal Kenntnis von weiteren 12.000 Personendatensätzen erhalten.
Der Leiter des Instituts für Rechtsinformatik an der Universität Hannover, Nikolaus Forgó, sagte, dass die gebotene Sorgfalt bei AWD offenbar außer Acht gelassen worden sei. Dies umso mehr, da unterschiedliche Datenpakete in so kurzer Zeit aufgetaucht seien. Der niedersächsische Datenschutzbeauftragte werde die neuen Erkenntnisse in das bereits laufende Ermittlungsverfahren gegen AWD einfließen lassen. Der Finanzdienstleister bestreite die Echtheit der Daten nicht. AWD teilte NDR Info mit, dass es nach derzeitigen Erkenntnissen aber keinen Datenschutzverstoß gegeben habe. IT Experten hätten hohe Sicherheitsstandards bei AWD festgestellt.
Die Kundendatensätze würden – wie schon bei der ersten Datenpanne im vergangenen Oktober – persönliche Angaben, Telefonnummern, Berufsbezeichnung und Einzelheiten zu den mit AWD abgeschlossenen Versicherungsverträgen enthalten. Diese hätten größtenteils noch eine lange Laufzeit. Auch das Volumen der Verträge sei aufgelistet, zum Beispiel wie hoch eine Lebensversicherung ist. Bei mehreren hundert Kunden seien darüber hinaus auch die Bankverbindungen angegeben. Die Daten der AWD Mitarbeiter enthielten neben den persönlichen Angaben auch Details der Versicherungs-Verträge. Darüber hinaus gebe es Informationen zum Arbeitsverhältnis, zum Beispiel, ob ein Mitarbeiter ein Seminar bestanden hat oder nicht, oder ob eine fristlose Kündigung erfolgt ist.
AWD hat dem NDR mitgeteilt, dass es keinen unberechtigten Datenzugriff beim Finanzdienstleister gegeben habe. Vielmehr seien die Daten veraltet und wurden offenbar mit krimineller Energie weitergegeben. Dies liege außerhalb des Einflussbereichs von AWD. Der IT-Experte und Rechtsinformatiker Datenschutzexperte Forgó sagte, dass sich Unternehmen sehr wohl gegen kriminelle Energien schützen könnten. “Das ist das schlimmste für ein Unternehmen, wenn man ein Glaubwürdigkeitsproblem durch Sicherheitsmängel hat”, sagte Forgó zu NDR Info. Daher müsse ein Unternehmen alles für einen systematischen Schutz tun.














