“Ernst ist das Leben” im Thalia Gaußstraße
Hamburg/Altona. Ein Käfig voller Narren? – In Elfriede Jelineks deutscher Fassung zeigen sich die Figuren Wildes noch einmal anders: Zugespitzter, hysterisch überdrehter, überspannter in ihren Dialogen, werden sie durch die Sprache hierhin getragen und dorthin, ohne Sinn und Verstand. Wozu auch: es ist doch alles bloß Spiel.

Ernst ist das Leben (Bunbury). Foto: Armin Smailovic
Was Wilde zu seiner Zeit nur anzudeuten wagte, kostet Jelinek in seinem ganzen grotesken und abgründigen Ausmaß voll aus: Es ist die erfindungsreiche Zuspitzung gesellschaftlicher Konflikte wie sie nur in Komödien möglich ist. Englische “Gentlemen” wollen sie sein, Algeron und Jack, aber leben, wie sie lustig sind, das wollen sie auch: als Bunbury und Ernst erspielen sie sich diese Welt des totalen Lustprinzips, wo alles sein darf, was eben Lust verschafft. Der Schein bestimmt das Sein, gelebt wird, was vorgeblich unterdrückt sein sollte. Nicht der Name, nicht die Liebe, selbst das Geschlecht ist unverbindlich. Warum sollten nicht Männer Frauen spielen, Männer die Frauen sein? Es lebe die Verstellung, das Narrentum, das Leben, die Kunst – es lebe das Bunburysieren! … Wenn nur das elendige Geld nicht wer. Ohne Geld hat es sich schnell ausgespielt. Oder? Was kommt danach? Vielleicht doch nur ein neues Spiel?
Von Oscar Wilde
Deutsch von Elfriede Jelinek
Nach einer übersetzung von Karin Rausch
Mit Musik von Rocko Schamoni u.a.
Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=9133












