Hamburg/Altona. Das alte Gebäude mit seinen klaren Linien wirkt 80 Jahre nach Erstellung des Entwurfs noch immer kühl und fast modern. Der Giessener Architekt Hans Mayer hat den Siegerentwurf gezeichnet. Der Blick vom Balkon des schlanken Baukörpers schweift ungehindert über Elbe, den Hafen und den Köhlbrand.

Die Architektur trägt die Handschrift des „Neuen Bauens“. Fensterbänder und dynamisch auskragende Eckbalkone machen die kubische Baugruppe zu einem typischen Beispiel für das „Neue Bauen“ der Weimarer Republik. Pate stand das Bauhaus in Dessau. Hier am Geesthang über der Elbe wurde im Auftrag der Preußische Staatshochbauverwaltung in den Jahren 1930- bis 1935 dieses einmalige Gebäude als Fachschule errichtet. Aufgrund einer längeren Unterbrechung der Bauarbeiten, bedingt durch die Weltwirtschaftskrise, konnte es aber erst 1935 fertig gestellt werden.

Die Aufbruchsstimmung der Weimarer Republik war die richtige Zeit für gravierende Neuerungen, Gustav Oelsner war Baudirektor von Altona. Die Stadt Hamburg verdankt seinen Reichtum von Beginn im Jahre des 11. Jahrhunderts der Seefahrt und dem Seehandel.

Zur Zeit des Nationalsozialismus war Altona in seiner Entwicklung der größeren Schwester Hamburg oft ein Stück voraus. Altona gab sich liberaler, weltoffener und moderner als die Hansestadt. Im Jahr 1937 wurde Altona im Zuge des Grosshamburgsetzes Hamburg einverleibt, das Tor zur Welt wurde damit eine Metropole mit einer Millionen Einwohnern. In der Nazizeit bekamen die meisten kubischen Flachdachgebäude des neuen Bauens oft nachträglich ein klassisches deutsches Walmdach verpasst. Der Seefahrtsschule blieben solche Verunstaltungen erspart.

über 250 Jahre wurden in Hamburg Nautiker ausgebildet, dann sollte damit Schluss sein. Im Jahr 2005 schloss die Seefahrtsschule auf Beschluss der Hochschulkonferenz ihre Tore. Der damalige Direktor Professor Werner Huht suchte nach Verbündeten um diese weltweit einzigartige Lehranstalt zu erhalten. Doch den in Hamburg ansässigen Reedern war es egal, auch die Stadt Hamburg sah keinen weiteren Bedarf in der Ausbildung von Nautikern.

Text und Foto: Christian Kaiser

2 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Hallo,
    ich wohne in Frankreich, aber meine eindrucksvollsten Erinnerungen der Schulzeit – es war 1945 in Altona – waren die Jahre, als die Grundschule in die Seefahrtschule verlegt werden musste, und die zukünftigen Seeleute, nach dem Krieg waren es nicht sehr viele, zusammenrücken mussten, um uns Schulkindern die Klassen und die wunderschöne Terrasse als Schulhof zu überlassen Es waren herrliche Klassenzimmer, dessen Ausblick auf die Elbe eine Abwechslung bot von den Trümmern auf dem Schulweg. Wenn ich heute nach Altona komme, besuche ich die Seefahrtschule. Sie ist irgendwie einmalig im ehemaligen Altona. Der alte Hochbunker, auf den eine Bombe fiel am letzten Kriegstag, steht auch noch. Im zerbombten Altona war nicht mehr viel übrig: das Donnerschloss war Schutt, dessen Keller dienten als Schutz für die Ausgebombten Menschen in Altona. Erhaltet doch das Schöne, was in Altona übriggeblieben ist. Die Stadt hat Erinnerungen verdient! Roswitha aus Frankreich

    • Hallo Roswitha, ich wohnte zu der Zeit in der Rainville 1. Meine Schwestern Karin und Ute (Zwillinge) wahren zur gleichen Zeit in der Seefahrtschule. Auf dem Hof stand ein Holzschuppen, darin stand das Pferd von Onkel Heini Heitmann, Schnapsladen an der Elbchaussee, damals Flottbeker Chaussee. Habe noch gute Erinnerungen an die Zeit.
      Gruß Axel

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