Laut Entscheidung der obersten Wettbewerbshüter darf der Otto-Konzern aus Hamburg "an die Quelle". Foto: Otto-Group

Brüssel / Hamburg (erstepresse). Die Europäische Kommission gab bekannt, dass der Hamburger Otto-Gruppe der Erwerb der Marke „Quelle“ und anderer Vermögenswerte unter Bedingungen zugestimmt wird. EU- Wettbewerbshüter haben damit der geplanten übernahme auf der Grundlage der EU-Fusionskontrollverordnung zugestimmt. Zu dem Paket gehört zwar die Marke „Privileg“ und auch das angestrebte Rußlandgeschäft. Jedoch müsse Otto rund 120 weitere Marken an einen „bedeutenden Wettbewerber“ veräußern.

Otto übernimmt diverse Marken (darunter Quelle), Markenanmeldungen und Internet-Domains und erwirbt zudem das Recht, die Quelle-Kundendatenbank für Deutschland zu nutzen. Die Genehmigung ist an die Bedingung geknüpft, dass bestimmte Marken veräußert und einem anderen Marktteilnehmer das Recht eingeräumt wird, die Kundendatenbank von Quelle zu denselben Bedingungen wie Otto und unter Beachtung der einschlägigen Datenschutzbestimmungen zu nutzen. Das Versandhaus Otto hatte diese beiden Maßnahmen angeboten, um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission hinsichtlich einiger Teile des deutschen Versandhandelsmarktes auszuräumen. In Anbetracht dieser Zusagen kam die Kommission zu dem Schluss, dass die übernahme den wirksamen Wettbewerb im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben nicht erheblich behindern wird.

Die Begründung der Kommission fällt weiter wie folgt aus.: Otto sei ein Handels- und Dienstleistungskonzern, das über seine Tochtergesellschaften in verschiedenen Einzelhandelssparten (darunter Versandhandel) tätig ist sowie Finanz- und andere Dienstleistungen erbringe. Das Versandhandelsgeschäft umfasse den Verkauf über Kataloge, elektronischen Handel und andere Wege des Fernabsatzes. Auch das Versandhaus Quelle war im Einzelhandel und schwerpunktmäßig im Versandhandel tätig. Quelle gehörte zur mittlerweile insolventen Dachgesellschaft Primondo und meldete am 1. September 2009 Insolvenz an. Otto sei der führende Versandhändler auf dem deutschen Markt, und Quelle war bis zu seiner Insolvenz dessen stärkster Konkurrent.


Kundendatenbank von Quelle muss geteilt werden – Otto erhält „Privileg“ muss 120 Marken an Wettbewerb verkaufen

Das Vorhaben von Otto war in Bezug auf acht Produktkategorien des deutschen Versandhandelsmarktes, darunter Damenbekleidung und Sporttextilien, für wettbewerbsrechtlich bedenklich befunden worden. Die Untersuchung der Kommission ergab, dass Otto durch den Erwerb der Marke Quelle und die Nutzung der Quelle-Kundendaten in die Lage versetzt würde, einen erheblichen Teil des Kundengeschäfts von Quelle zu übernehmen.

Unternehmenssprecher Thomas Voigt schreibt in einer Mitteilung, daß Otto zuletzt Zugeständnisse gemacht habe, „um den wettbewerbsrechtlichen Bedenken der EU-Kommission Rechnung zu tragen“. Man habe mit der Kommission den Vorschlag erarbeitet, die weiteren, rund 120 Eigenmarken (u.a. Webschatz , Universum, Casamaxx (Möbel), Explorer (Textil), Mars (Fahrräder), Meisteranker (Uhren)) aus der Primondo-Insolvenzmasse innerhalb eines halben Jahres an einen bedeutenden Wettbewerber weiter zu verkaufen. „Natürlich hätten wir selbstverständlich diese Marken gerne behalten und wieder belebt“, berichtet Voigt.

Ein weiteres Zugeständnis ist die Teilung der Quelle-Kundendatenbank. Ein Käufer der ca. 120 Marken soll das Recht haben, die Quelle-Kundendaten im gleichen Umfang und zu denselben Bedingungen zu nutzen wie Otto. Voigt gibt auch einen Ausblick auf den Zeitplan des Otto-Konzerns. Gemeinsam mit dem Erwerber der Eigenmarken hätte Otto Group nach erfolgtem Verkauf das Recht der Anmietung der Adressdaten von Quelle-Kunden gesichert. „Wir wollen in den kommenden Monaten die Quelle-Kunden auch direkt von den Sortimenten unserer Konzernmarken überzeugen. Mit diesem Recht sind die Adressdaten vor dem Zugriff weiterer Anbieter geschützt, denn die Daten können nur an den Erwerber der Eigenmarken und die Otto Gruppe zu gleichen Rahmenbedingungen vermietet werden. Ehemalige Quelle-Kunden werden selbst entscheiden, ob sie dann Kunde der Otto Gruppe werden wollen“, so Unternehmenssprecher Voigt.

Die Kommision führt abschließend aus, dass man nach Befragung von anderen Marktteilnehmern zu dem Schluss kam, dass wettbewerbsrechtliche Bedenken durch die Zusagen von Otto ausgeräumt werden. Die Genehmigungsentscheidung der Kommission gilt auch für den Erwerb von „Quelle Russland“ durch Otto, der Teil desselben Zusammenschlusses und wettbewerbsrechtlich unbedenklich sei.

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