Altona / Ottensen (erstepresse). Es ist so, wie mit vielen Dingen im Leben: Wenn man etwas sucht, dann findet man es nicht. So verhält es sich auch mit der Urkunde vom St. Michaelis, in der das kleine Dorf Ottensen erstmals 1310 urkundlich seine Erwähnung gefunden hat. Gibt es das Schriftstück  wirklich oder ist die Existenz der Urkunde nur ein Gerücht?

Die Zeichnung zeigt das dörfliche Ottensen. Fotoquelle:Ottensen - Zur Geschichte eines Stadtteils

Viele Dokumente wurden in den Weltkriegen zerstört, oftmals achtlos fortgeworfen und manchmal in Archiven so gut verwahrt, dass sie heute nicht oder nur mühsam zugänglich sind. Diesen Sachverhalt bestätigt uns auch Gaby von Malottki, Mitarbeiterin im Stadtteilarchiv Ottensen: “ Es kann sein, dass die Urkunde an falscher Stelle archiviert wurde. Nur weil wir nicht wissen, wo sich das Schriftstück befindet, heißt das noch lange nicht, dass die Urkunde nicht existiert.“ In einem Auszug der Ottensen Chronik heißt es:

Nachdem die Häuser um das ehemalige Kloster Herwardeshude vor zwei Jahren abgebrannt sind, hat jetzt der Hamburger Rat einen Vertrag mit dem Kloster abgeschlossen. In einer Urkunde vom St. Michaelis (29. September) verpflichten sich die Nonnen, auf ihrem Gebiet bis nach Tottenhusen (To Ottenhusen) und Eimsbüttel keine Wohnhäuser mehr zu erbauen. Hamburg will dadurch verhindern, dass neue Siedlungen in seiner Nachbarschaft entstehen.“

Prof. Dr. Torkild Hinrichsen, Direktor des Altonaer Museums und Vorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg antwortet auf unsere Frage nach der Urkunde skeptisch: „Das Dorf Ottensen ist seit dem Mittelalter unter den Namen „Tottenhusen“, „Ottenhusen“, „Tottensen, „Ottenze“ und schließlich „Ottensen“ bekannt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde es im Jahre 1310. Gründungsurkunden u.ä. sind allerdings Dokumente, bei deren Inhalt stets Vorsicht geboten ist. Oftmals sind diese nachträglich aus politischen Legitimationsgründen oder zu anderen Zwecken entstanden, z.B. als pseudo-juristische Beweise in territorialen Auseinandersetzungen.“

In Ottensen will man die Hoffnung nicht aufgeben, die Urkunde doch noch irgendwo, irgendwann zu finden: „Wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann einmal einen spektakulären Archivfund“, philosophiert Gaby von Malottki. Sollte es das Schriftstück geben, das uns in diesem Jahr Anlass gibt, „700 Jahre Ottensen“ zu feiern, wird man es eventuell irgendwann finden. Vielleicht begeben sich ja unsere Leserinnen und Leser auf die Suche. ;)

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