Bildausschnitt aus Gesamtbild von Architekt Prof. Carsten Roth. www.moka-studio.com Montage der m-Angaben: altona.INFO. Die komplette Darstellung in der Bildergalerie "Sichelfläche".

Hamburg / Ottensen / Neumühlen (erstepresse). Auf der Baustelle Altona tut sich wieder etwas. Eine öffentliche Anhörung will am kommenden Mittwoch eine umstrittene Frage klären: Wird der Bebauungsplan Ottensen 2, der eine maximale Höhe von 28,50 m für die Bebauung der sogenannten Sichelfläche vorsieht, verändert? Vorschläge von August Prien und des Architekten sehen den Bau mehrerer Gebäudeauf der “Sichelfläche” zwischen Heine-Park und Kaispeicher vor. Eines der Gebäude könnte ein 60m-Hochhaus werden. Zwei Entwürfe werden präsentiert.

Der Ausgang der “Bürgeranhörung” darf mit Spannung erwartet werden. Zuletzt hatte sich die Politik zu dem Thema bedeckt gehalten und wollte sich zu den Entwürfen nicht äußern, die von dem Architekten nachgebessert wurden und erstmalig am kommenden Mittwoch vorgestellt werden. Uwe Szczesny (CDU) glaubt nicht, dass es zur Realisierung des Vorschlags für das 60m-Hochhaus kommt. “Doch wir gehen mit keiner festen Meinung in die Anhörung, wollen am nächsten Mittwoch aber schon wissen, wie das Thema in der Bevölkerung ankommt”, so der CDU-Fraktionsvorsitzende.

Am Mittwoch, 21.April, wird der Gewinner des Architektur-Wettbewerbs (altona.INFO berichtete), Architekt Prof. Carsten Roth, zwei verschiedene Entwürfe für die Bebauung der sogeannten “Sichelfläche” präsentieren. Ein Entwurf sieht den Bau eines 60m hohen Gebäudes vor (Entwurf 3), das in etwa so hoch wie das Augustinum am Fuße es Elbstrands werden soll. Damit wäre die Sicht aus dem Park auf die Elbe an einer Stelle eingeschränkt. Andere Vorschläge sehen die Verteilung der sogenannten Baumasse in die Breite vor und könnten damit – zwar nicht in der Höhe, aber der Breite – die “Sicht auf die Elbe nehmen”, so Szczesny. Geklärt werden soll daher, welcher der Entwürfe der Öffentlichkeit besser gefällt.

Für den Bau in die Höhe müsste auch der Bebauungsplan Ottensen 2 geändert werden, der derzeit eine maximale Höhe von 28,5m vorsieht. Doch vor der Einleitung des Planverfahrens  soll zunächst die Anhörung abgewartet werden. In der SPD sieht man das Thema “Bürgeranhörung” am kommenden Mittwoch äußerst kritisch. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Adrian kritisiert die Art und Weise und findet sie “gänzlich ungeeignet” um so wichtige Themen entscheiden zu können. Adrian zu altona.INFO: “Man stellt solche Plakate auf und kein normalsterblicher Bürger weiß, was damit genau gemeint ist. Viele haben weder Lust noch Zeit zu einer solchen Anhörung zu gehen und am Ende wundert man sich, wieso vor der Tür so etwas gebaut wird. Ein Hochhaus ist für uns jedenfalls nicht denkbar”, so Adrian.

Nach eigenen Angaben hat Prof. Roth als künstlerischer Architekt selbst den Wunsch, auf dem Sichelgelände ergänzend zum Kaispeicher D  eine “großzügige, offene, öffentlich begehbare Polder-Fläche mit drei Gebäuden sowie Tiefgaragen zu gestalten, die sowohl den Intentionen des Denkmalschutzamtes, der Stadt Hamburg, dem Bezirk Altona, dem Bauherrn und den Bürgern von Altona, sowie den zukünftigen Anwohnern der Wohnungen und Mitarbeitern in den Büros gefällt.” An dem Platz der zu bebauenden, unbenutzeten Brachfläche soll es u.a. ein Café sowie Shops geben.

Bürgeranhörung oder bereits Plandiskussion?

Undenkbar aber dennoch möglich sei es, dass bereits die kommende Anhörung nachträglich als Diskussion im Rahmen eines künftigen Planverfahrens gewertet werden könne. Ähnlich drückte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Szczesny auf der letzten Sitzung des Planungsausschusses aus.”So könne nach den Vorschriften des Baugesetzbuches die Anhörung als eine öffentliche Plandiskussion interpretiert werden”, sagte er laut Sitzungsprotokoll. Die SPD forderte daraufhin, die Bevölkerung zu dem Thema anzuschreiben. Letzteres ist ausgeblieben und es darf mit Spannung erwartet werden, wie viele Bürgerinnen und Bürger nun von ihrer Chance Gebrauch machen, sich die Entwürfe im Kollegiensaal des Altonaer Rathauses anzuschauen und ihre Meinung zu äußern.

Aber am kommenden Mittwoch könnte es vor allem bei schönem und warmen Wetter etwas ruhiger zugehen, als auf manch anderer Anhörung dieser und vergangener Tage. Einmal findet am Abend noch ein  Champions-League-Halbfinale statt. Zweitens wird parallel und mal wieder gegen “Ikea und Masterplan Altona” auf einer Fahrraddemo gebimmelt. Vor lauter Protest gegen den schwedischen Möbelkonzern wurden in letzter Zeit leider immer wieder andere, (auch) wichtige Themen verdrängt bzw. kaum beachtet.

Öffentliche Bürgeranhörung zur Sichelfläche:

Mittwoch, den 21. April 2010

um 19.30 Uhr

im Kollegiensaal des Rathauses Altona

Platz der Republik 1, 22765 Hamburg

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Einige Entwürfe zur “Sichelfläche” in unserer Galerie

12 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Ich sage mal. Warum muss dort überhaupt soviel Baumasse entstehen. Wohnen IN der Stadt ist ja gut, wenn dadurch der Flächenverbrauch außerhalb eingeschränkt wird und die Bewohner ausreichend Infrastruktur in direkter Nähe haben (z.B. Lebensmittelmärkte), damit sie – gemäß de,m Leitbild der Stadt der kurzen Wege – auf ein Auto (weitestgehend) verzichten können. Aber mal ehrlich, das ist nicht Wohnen IN der Stadt, sondern in einem Geländestreifen, der vorher noch nie richtig bewohnt war. Und ökologisch ist der Standort auch nicht. Die Anbindung an den ÖPNV ist denkbar schlecht, es gibt noch nicht mal einen Radweg! Das heisst, sowohl zum Arbeiten als auch zum EInkaufen setzt man sich ins Auto und braust an den Elbparks vorbei (wie soll man sich da in den Parks noch erholen?) um nach Altona entlang anderer (belsteter Wohngebiete) zu fahren und unnötig CO2 zu verbrauchen. Nachverdichtung ist doch kein Selbstzweck! Zu Büroflächen ist glaube ich in der öffentlichen Diskussion schon genug gesagt werden. Sinnvoller ist aus meiner Sicht die Fläche öffentlich zu nutzen – ähnlich den Elbparks oder z. B. Park Fiction in St. Pauli – und wer ist dafür verantwortlich? Die Politik natürlich! Dieses ständige Gerede von ökonomischen Verwertungsdruck und schon ausgestellten Bauvorentscheiden finde ich wirklich etwas schwach. Schließlich gehört(e) das Grundstück – übrigens ähnlich wie das Gänge-Viertel – der, oder sagen wir “unserer” Stadt. Also, liebe Altonaer Politik: Bitte kein Verschieben der Verantwortung an die Finanzbehörde, sondern für eine eigene Meinung einstehen. Und wenn die verantwortlichen Parteien meinen, sie fänden das gut, was gestern im Rathaus Altona vorgestellt wurde, dann sollten sie sich auch dazu bekennen und ggf. mit den möglichen Konsequenzen (Abwahl) leben.

  2. Ich finde es richtig, dass diese Brachfläche endlich sinnvoll genutzt wird. Gegen die Schaffung von Wohnraum ist nichts einzuwenden, der wird ja dringend gebraucht. Ein begehbarer Polder ist auch schöner als die alte Spundwand dort unten und Tiefgaragen sind sinnvoller als die jetzigen paar Parkplätze dort. Ein schlankes, hohes Hochhaus stört doch dort nicht wirklich. Das dicke, größere Augustinum steht seit über 80 Jahren in Neumühlen und darüber hat sich auch noch nie jemand aufgeregt.

    • Das dicke Augustinum steht dort keine 20 Jahre, ist nämlich
      ein Neubau…

      Früher war das eine Industriegegend, da störte eh nix.

      Begehbar ist da gar nix, es sein denn du möchtest über
      die Dächer hüpfen.

      Und schlank ist das Hochhaus über dessen Gestalt noch gar nicht
      entschieden wurde auch nicht, eher schlank in der Anmutung.

      Von Wohnbeauung ist auch nirgendwo die Rede, angeblich macht der Hafen gegenüber zuviel Lärm….und wenn in Hamburg Wohnraum entsteht ist es Luxuswohnraum, an dem wahrhaftig kein Mangel besteht.

      Gebraucht wird BEZAHLBARER Wohnraum und keine Luxuslofts.

      ..erst mal informieren, dann agitieren.

        • Es steht zwar in 99% der Publikationen, ist aber falsch…..der Besitzer schreibt selber: “Wo früher Schiffe beladen und gelöscht wurden, steht heute ein modernes Gebäude, das mit seiner Backsteinfassade und der spektakulären Glaskuppel vom Architekturbüro “Gerkan, Marg und Partner” dem historischen Union-Kühlhaus nachempfunden wurde. Das Augustinum Hamburg ist eine architektonische Meisterleistung in bester Stadtlage: zentral und doch nur ein paar Meter vom Elbstrand entfernt, mit Blick auf das lebendige Treiben des Hafens…”

          Ich war beim Brand und späterem Abriss Augenzeuge.

  3. Der Park wird ja gleich mit verschandelt…..

    http://www.altona.info/2009/12/03/otto-linne-preis-zur-gestaltung-wasserterassen-neumuhlen-vergeben/

    Da spielt dann auch der verbaute Blick keine Rolle mehr, weil im
    neuen “Park” eh keiner mehr freiwillig spazieren geht.
    Dafür ein prima Platz für Sekretärinnen des neuen Komplexes in der Mittagspause ihren Latte zu schlürfen…Office Piazza Neumühlen.

    Auch die SAGA freut sich über einen kostenlosen Vorgarten aus Beton,
    passend zur Neubebauung der Heuburg….

    Das ganze erfährt man dann wieder en passant auf verschlungensten Wegen.

    Die Totale Verarsche………….

  4. “Freie und Abrissstadt Hamburg”

    dieser Satz stammt vom ehemaligen Direktor der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark.
    Wir wollen am Mittwoch möglichst zahlreich erscheinen um an der Diskussion über die Bebauung des Elbufers teilzunehmen.

  5. Moin*
    verstehe ich den Artikel richtig? Auf dieser Bürgeranhörung wird verbindlich geklärt od der B- Plan verändert wird oder nicht? Das is ja Klasse! äh… aber wer klärt das denn? Die Bürger die dorthin gehen ? Oder klären das die Behördenvertreter? Wird es eine Abstimmung geben? Wie wird das dort geklärt? Also, ich denk ich geh da mal hin und gebe meine Stimme ab…. weil das is ja auch ganz wichtig, und Demokratie lebt ja auch vom mitmachen. Toll, das ich so direkt mitmachen darf! Hätt ich ja nich gedacht, das es so einfach ist einen Bebauungsplan zu ändern…..

    Ich freu mich auf die Anhörung!

  6. Das in dem Artikel angesprochene Fahrradfahren findet um 17.00 Uhr statt und wird hoffentlich um 19.30 beendet sein. Vom Frappant (wo die Fahrradtour enden wird) bis zum Rathaus sind es wenige Minuten. Ich werde bei Beidem Teilnehmen und ich hoffe das viele Andere es auch tun werden.

    “Vor lauter Protest gegen den schwedischen Möbelkonzern wurden in letzter Zeit leider immer wieder andere, (auch) wichtige Themen verdrängt bzw. kaum beachtet.”
    Das sehe ich anders. Auf der letzten Fahrraddemo am Freitag wurde u.a. auch die Bebauung der Sichelfläche angesprochen. Es ist nur leider so, dass die Menschen in diesem Stadtteil wenig Möglichkeiten und kaum Motivation haben ihre Meinung zu diesen Themen kund zu tun. Ich denke einer der Hauptgründe ist das Gefühl Vieler das Ihre Meinung nichts zählt. Den Bürgern werden immer wieder fertige Pläne vorgesetzt (auch für das Sichelgelände gibt es ja bereits konkrete Pläne zu denen die Bürger Ja oder Nein sagen sollen, anstatt das sie gefragt werden was Sie denn dort gerne hätten) und die Politik verwechselt Bürgerbeteiligung mit Bürgerinformation. Die Menschen wollen nicht nur informiert sondern beteiligt werden. Das die Politik dies nicht versteht hat zB Herr Schreiber nach der Öffentlichen Anhörung zur MusicHall eindrucksvoll bewiesen, indem er die komplett falschen Schlüsse aus der Veranstaltung gezogen hat. Er will weiterhin die Veranstaltungen so durchführen wie er es gerne hätte (unter verschärften Bedingungen) anstatt auf die dort Anwesenden zu hören und sich deren Vorschläge auch nur anzusehen. Das in der Presse verbreitet wurde das die Veranstaltung von 100 Autonomen gesprengt wurde ist sicherlich nicht hilfreich bei dem Versuch mehr Bürgerbeteiligung zu generieren und auch schlicht falsch. (Es waren bei der Veranstaltung vielleicht 30 Autonome, die die Anwohner, Aktivisten von Recht auf Stadt und Bürger des Stadtteils dabei unterstützen Ihren Unmut Kund zu tun. Initiiert wurde das ganze von den Anwohnern.)
    Ein weiteres Beispiel ist die Verlegung des Bahnhofs Altona nach Diebsteich. Hier hat die Politik umfangreiche Bürgerbeteiligung versprochen. Allerdings frage ich mich wann und in welcher Form dies geschehen soll. Ich habe die Befürchtung das auch hier Bürgerbeteiligung mit Bürgerinformation verwechselt wird (hier lasse ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen).

  7. Der aktuelle Bebauungsplan sieht neben einer Höhenbegrenzung auch eine Begrenzung der max. Geschoßfläche auf 12.000 qm vor (steht rechts oben im B-Plan). Nach meiner Info will der Bauherr diese max. Geschoßfläche massiv überschreiten, bis zu 18.000 qm sind angeblich geplant.

    Dies kann nur verhindern werden, wenn viele Altonaer zur Anhörung gehen und sich gegen eine Änderung des aktuellen Bebauungsplans aussprechen. Also: Allen Freunden Bescheid sagen und die Champions League auf DVD/Video nehmen.

  8. Ich finde es eine Schande wie hier das Allgemeingut der Sicht auf die Elbe mit Füßen getreten wird. Schon die jetzt vorhandenen Bauten sind eine Zumutung, wenn man auf dem Altonaer Balkon steht und den Blick über die Elbe schweifen lässt.
    In Altona wird verkannt, dass nicht nur Geld Gewinn bringt, sondern dass eine lebenswerte Umwelt genauso einen Gewinn darstellt, der in diesen Fall sogar nachhaltig ist.
    Vielleicht kann man nicht nur das Hochhaus stoppen, sondern auch dafür sorgen, dass die anderen auf der Sicherfläche geplanten Häuser weniger Sicht auf die Elbe nehmen, als geplant ist.
    Die Bezirksvertreter Altonas sollten sich an den Abriss des großen preußischen Sackbahnhofs Bahnhofs Altona erinnern. Schon in der Abrissphase wussten sie, dass der Abriss ein großer Fehler war.
    Wenn es um die Nachhaltigkeit geht ist es nie zu spät Planungen zu ändern.

    • Bin da ganz ihrer Meinung Manfred Jacob. Genau deswegen werde ich auch am nächstem Mittwoch bei der Veranstaltung anwesend sein, um genaueres zu erfahren.

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