Auf dem Gelände des Fernbahnhofes Altona soll das neue Quartier "Altona Mitte" entstehen. Bild/Montage: altona.INFO

Hamburg / Altona (erstepresse). Langsam kommt etwas Schwung in die Planungen rund um die „Neue Mitte Altona“. Nun legte die GAL-Basis aus Altona ein Positionspapier zu den Planungen rund um das „Gleisdreieck“ – der voraussichtlichen Bebauung des Altonaer Bahnhofsgeländes bei Verlegung des Fernbahnhofes nach Diebsteich – vor. „In diesem Herzstück von Altona dürfen wir uns nicht von den Verwertungsinteressen der Eigentümer und Investoren überrollen lassen“, begründet die Kreisvorsitzende Linda Heitmann den Vorstoß.

Der GAL-Kreisverband fordert u.a., dass Altona ein Vorbild für nachhaltige Stadtentwicklung und ein Aushängeschild der „Klimahauptstadt Hamburg 2011“ werden soll. „Wir haben an dieser Stelle die einmalige Chance, in einem neuen Stadtteil zu zeigen, wie wir uns Stadtentwicklung für Hamburg vorstellen“, kommentiert Heitmann die Einmischung des Kreisverbandes. „Die zukünftige Stadt orientiert sich an der Vielfalt ihrer Bewohner und an ökologischen Kriterien, um Qualität über Generationen zu sichern“, heißt es in einer Mitteilung.


Breite „niedrigschwellige“ Bürgerbeteiligung gefordert

Als Konsequenz  des Parteibeschlusses kündigt der GAL-Kreisverband „nachdrückliche Gespräche mit der Bezirksfraktion und der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU)“ an. Die Dringlichkeit des Antrages sei auch der aktuellen Zeitplanung der BSU geschuldet. Die Verlagerung des Fernbahnhofes Altona nach Diebsteich durch die Deutsche Bahn (DB) sei verkündet, mit dem Zugriff der Stadtentwicklungsbehörde nach §165 BauGB bietet sich die Möglichkeit eines gesteuerten Planungsprozesses. U.a. fordert die Partei in ihrem Positionspapier ein „breit angelegtes, moderiertes niedrigschwelliges Bürgerbeteiligungsverfahren“. Eine solche Forderung hatte auch bereits die SPD Altona formuliert.


Bahn AG:  „Keine Pläne für eine Vorstandsentscheidung“  – BSU: Öffentliche Diskussion
Ende Mai

Zuletzt stand eine Vorstandsentscheidung der Deutschen Bahn AG zu der tatsächlichen Verlagerung des Fernbahnhofes Altona aus. Auf Anfrage von altona.INFO erklärte die Bahn AG nach mehrmaligem Nachfragen lediglich „es gibt auch keine Pläne für eine Vorstandsentscheidung“, so Sabine Brunkhorst von der Pressestelle der DB AG in Hamburg. Mehr Informationen gibt es zur Zeit von Seiten der Bahn AG, die neben Aurelis und der Holsten-Brauerei wesentlicher Entscheider und Eigentümer der Flächen ist, nicht.

Nach Informationen von altona.INFO soll es jedoch schon Ende Mai zu einer öffentlichen „Auftaktveranstaltung“ kommen, auf der Bürgerinnen und Bürger u.a. das städtebauliche Verfahren, die Zwischenergebnisse und die Vorstellungen für den städtebaulichen Wettbewerb vorgestellt werden sollen. Ein ganzes Bündel an Informationen kommt dann auf einen Schlag. Auch weitere öffentliche Termine und ein „Bürgerforum“ sind geplant. Dies alles soll nun die versprochene „umfassende Bürgerbeteiligung“ sein, die die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) nach Angaben der Fraktionsvorsitzenden von CDU und GAL, Uwe Szczesny und Gesche Boehlich, in „internen Gesprächen“ versprochen hat.  Bereits im Februar wurde bei altona.INFO auf den besonders engen Zeitplan der Bürgerbeteiligung hingewiesen.
Folgt man den Fakten, muss man festhalten, dass die Bahn AG bis heute zwar Weichen gestellt hat, jedoch noch kein grünes Licht für die „Abfahrt“ gegeben hat. Als Staatsbetrieb wird man es sich in diesen Tagen mit solchen Investitionen auch nicht allzu leicht machen. Die Tatsache, dass man sich bereits in intensiven Gesprächen befindet, ist zwar ein Indiz, aber schlussendlich keine Entscheidung. Zumindest könnte man – selbst wenn die Fernbahn nicht verlegt würde –  mit Teilen der Fläche aus dem Eigentum von Holsten und Aurelis planen.

Ein besonderer Umstand mit dem Blick auf die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sollte auch beachtet werden. Es handelt sich bei der Planung der Flächen um sogenannte „privatwirtschaftliche“ Interessen der Eigentümer.  Diese Interessen zu schützen und nur Teile aus dem Verfahren öffentlich und zugänglich zu machen, wird vermutlich eine Forderung sein. Wie transparent das gewünschte Beteiligungsverfahren dann tatsächlich ist, bleibt abzuwarten.

DISKUSSIONSFORUM „NEUE MITTE ALTONA“ – PLANUNGEN

10 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Wenn die neue Mitte Altona so viel Grünflächen haben, dann soll sich bitte nachher keiner wundern, wenn auf der verbliebenen Baufläche nur hochpreisige Eigentumswohnungen errichtet werden können.

    Viel wichtiger als ein weiterer ungepflegter Park wären niedrigpreisige Wohnungen für Durchschnittsverdiener!

    Also liebe Ökologen, Hamburg ist was zum vorzeigen wenn die Durchschnittsverdiener nicht nur in den Hochhäusern der Vororte wohnen.

  2. warum muss eigentlich immer ein Kommentar zu IKEA dabei sein? Aber OK wenn es sein muss dann vielleicht so.
    Der neue Teil Altonas der sicherlich eine spannende Entwicklung sein kann, sollte aus meiner Sicht auch als Ausgleich zum erhöhten Verkehrsaufkommen dienen. Ich würde mir eine Wohnbebauung mit Kleingewerbe usw. wünschen. Ich bin mir sicher das bei so vielen Menschen, die ja zwangsläufig versorgt werden müssen und wollen, genug Platz für kreative Geschäftsideen ist. Gleichzeitig kann der Stadtteil noch einiges an Gruenflächen gebrauchen wo man gern mit den Kindern spazieren geht und die einen großen Teil der Abgase aufnehmen und verarbeiten.
    Dies wird mit den privaten Flächen sehr schwierig sein, da die Besitzer an Gewinnen durch Mieten oder den Verkauf von Eigentumswohnungen interessiert sind und auch sein müssen um wirtschaftlich zu handeln. Das ist auch Ihr gutes Recht.

    Die Flächen des Staatskonzerns gehören jedoch im weiteren Sinn allen Bürgern. Hier sollte die Politik ihren ganzen Einfluß geltend machen um ein wirklich schönes, aktraktives und lebenswertes neues Viertel entstehen zu lassen.

    Ich jedenfalls bin gespannt und werde an den weiteren Veranstaltungen zum Thema teilnehmen.

  3. Olala, die GAL-Altona bewegt sich …, und in die richtige Richtung. Hoffen wir mal, dass das nicht zu spät kommt und der Verwaltungs- und Investorenzug nicht schon längst so viel Fahrt aufgenommen hat, dass ein Lenken nur noch schwerlich möglich sein wird …
    Die Bürger würden schon gern noch ein oder zwei Sachen zu Ihrer Nachbarschaft sagen wollen.

    • Entschuldige Martin (nitram), aber dieser GAL-Vorstoß in nur ein sogenannter Scheinangriff, um sich gegenüber den Wählern zu profilieren. Nachdem gerade in den letzten geplanten Bauvorhaben die GAL jeweils auf der falschen, nämlich der CDU Seite stand und alles abnickte, versuchen Sie jetzt durch den Vorstoß, zumindestens es so aussehen zu lassen, das Sie doch noch eine volksnahe und menschenfreundliche Partei sind.

      Im Endeffekt wird es aber wieder so aussehen, das die Bürgerbeteiligung an diesem BV, wenn überhaupt vorhanden so gering sein wird bzw. die da Oben lassen vielleicht noch einzelne Gespräche zu, werden aber „Ihr“ Ding durchziehen. Wie in 90% der letzten geplanten und umstrittenen Bauvorhaben die durch die BauKo gegangen sind.

    • Ja Max – Du hast wohl recht. Dennoch sollte jeder das Angebot der Beteiligung ernst nehmen, damit die GAL Wort halten muss. Im übrigen widerspricht sich die GAL, wenn Sie nachhaltige Stadtentwicklung fordert und Aushängeschild der â€Klimahauptstadt Hamburg 2011†werden will. Tatsächlich betreibt die GAL Stadtteilmonokultur (siehe IKEA Gr. Bergstr.) und verursacht ein hohes Verkehrsaufkommen. Ist das nachhaltig und klimafreundlich? Das ist billiges gerede!

      • Was soll eigentlich immer dieses blöde Gequatsche von „mehr Verkehr durch IKEA“? Wenn jemand heute zu IKEA fahren möchte (ich weiß, dann ist sie natürlich sofort ein böser Mensch, weil sie beim Möbeldiscounter einkauft) muss sie quer durch die Stadt fahren und ist mehr oder weniger auf ein Auto angewiesen. In Altona kann man wenigstens mit dem ÖPNV anreisen!

        Im übrigen sollte jeder der sich mit dem Gleisdreieck auseinandersetzt sich genau mit der geltenden Gesetzeslage beschäftigen.

        • Wie so oft steckt der Teufel im Detail. Es ist auch jetzt schon möglich mit dem HVV-Bus beide anderen Ikeas zu erreichen. Und der steigende Verkehr wird zumindest für den Bereich Mörkenstrasse, Ehrenbergstrasse, Jessenstr., (von Altonaer Poststr. und Lawaetzweg mal ganz abgesehen.) ja wohl nicht von der Hand zu weisen sein bei bis zu 5000 zusätzlichen Autos pro Tag. Das dies natürlich auch Auswirkungen auf die „Zufahrtsstrassen“ zu dem genannten Bereich haben wird ist denke ich auch unbestritten. Wie stark diese Auswirkungen sein werden, darüber könnte man streiten.

          Und den Hinweis auf die geltende Gesetzeslage hätten Sie sich sparen können, da dieser Hinweis sinnlos ist ohne „geltende Gesetzeslage“ zu spezifizieren.

          • Hallo,
            das Papier (oben als Link angegeben) will die verschiedenen Wünsche an die Entwicklung des Quartiers mit einander in Einklang bringen. So ist der soziale Wohnungsbau genauso enthalten wie Angaben zu energiesparenden Häusern oder Anteile von Grünflächen. Aber auch für die Finanzierung der Altlastensanierung, den Bau von Straßen und den Kauf und die Anlage öffentlicher Grünflächen müssen Kompromisse geschlossen werden. Und auch die Verkehrsanbindung wird nicht ganz einfach werden. So sind leider viele weiterhin auf ein Auto angewiesen oder können sich ein „autofreies Leben“ nicht vorstellen.
            Eine ausgeglichene Entwicklung des Quartiers mit dringend benötigten Wohnraum, mit einer bunten Mischung an Menschen, wie sie in den benachbarten Quartieren bereits leben, mit umweltschützender Bauweise und einem guten Angebot an Grünflächen erfordert viel Aufwand und muss über einfache Forderungen oder Beschuldigungen hinaus gehen.

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