Mai-Ausschreitungen im Schanzenviertel - Screenshot / Ausschnitt aus einem der zahlreichen Videos. Im Hintergrund sind Wasserwerfer zusehen.
Mai-Ausschreitungen im Schanzenviertel - Screenshot / Ausschnitt aus einem der zahlreichen Videos. Im Hintergrund sind Wasserwerfer zusehen. Personen wurden unkenntlich gemacht.

Altona / Sternschanze (erstepresse). Nach den gewalttätigen Mai-Krawallen im Hamburger Schanzenviertel am Wochenende (altona.INFO berichtete) äußern sich jetzt gewaltorientierte Jugendliche in einem Interview über ihre Motive. Zwei 15 Jahre alte Randalierer, die nicht erkannt werden wollen, sprechen im NDR Magazin „Menschen und Schlagzeilen“ über die Ausschreitungen in der Schanze.

Jugendliche hatten am ersten Maiwochenende Polizisten mit Steinen und Flaschen beworfen. Außerdem zerstörten sie Schaufenster, plünderten einen Drogeriemarkt, warfen Autos um und setzten Barrikaden in Brand. Rund 30 Polizeibeamte wurden verletzt, der Sachschaden beträgt nach Schätzung der Hamburger Polizei mehrere Hunderttausend Euro.

Zu ihren Beweggründen sagen die jungen Randalierer dem NDR: „Es macht einfach Spaß, gegen die Bullen Randale zu machen. Auch wir haben Flaschen geworfen.“ Der 1. Mai dient offenbar vor allem als Anlass zur Gewalt, eine „politische“ Motivation ist praktisch nicht erkennbar. Auf die Frage, warum sie Gewalt ausüben, sagen die Jugendlichen: „Das ist einfach Adrenalin, das macht Spaß. Und überall sind ja auch nur noch reiche Menschen, Yuppie sag ich mal. Es wollen hier alle reichen Menschen in die Schanze ziehen. Wenn man was gegen die Bonzen oder die Reichen hat – natürlich wirft man dann mal einen Stein gegen die Haspa oder die teuren Läden. Es ist Rache an allem einfach. An der Politik und so. Aber am meisten an der Polizei.“

Innensenator Ahlhaus hatte in dem Kontext zuletzt eine Fehleinschätzung der Polizei zugestanden und gleichzeitig eine neue Gesetzeslage nach dem Strafgesetzbuch (StGB) eingefordert, die auch die Polizeigewerkschaft fordert. „Schlingerkurs Hamburgs bei der Verschärfung des StGB?“, titelt die Mitteilung des GdP und wendet sich damit an den Innensenator. „Wir haben gefordert, dass es nicht bloß bei einer Ankündigung des Innensenators bleiben darf, sondern, eine Umsetzung statt finden muss. Schluss mit den Sonntagsreden, Herr Ahlhaus!“ forderte heute Uwe Koßel, Landesvorsitzender der GdP Hamburg.

In dem Fernsehbeitrag äußerten sich die Jugendlichen wie folgt zu dem Verlauf der Eskalation: „Es wissen doch alle, dass am 1. Mai was los ist – die kommen alle her, gucken was los ist, ob Randale ist oder nicht. Ob demonstriert wird. Und wenn demonstriert wird, dann bleibt man ein bisschen zum Chillen. Und wenn dann die Randale losgeht, dann bleiben die hier und machen Randale.“

Von den am Krawallwochenende festgenommenen Jugendlichen hatten die meisten das 16. Lebensjahr noch nicht überschritten. Der jüngste war erst 13 Jahre alt. Unter den Festgenommenen war niemand aus der linken Szene. Nach den Ausschreitungen war die Polizei in die Kritik geraten, nach eigener Aussage hatte sie die Anzahl der „gewalterlebnisorientierten Jugendlichen“ unterschätzt.

Sendung: Mittwoch, 5. Mai, 21.00 Uhr, NDR Fernsehen

Ein Beispiel für die Maikrawalle / Video eines Teilnehmers bei youtube:

KOMMENTAR / LESERBRIEF

Antwort hinterlassen