Rest-Buchenhofwald in Iserbrook: Was war der Baumschlag wert?

Buchenhofwald: Die Initiatoren arbeiten schon an dem nächsten Bürgerbegehren.

Buchenhofwald: Die Initiatoren arbeiten schon an dem nächsten Bürgerbegehren.

Hamburg / Altona (erstepresse). Der “Tatort Buchenhofwald” wird vielleicht wirklich mal Stoff für eine NDR-Folge. Vorerst bleibt es Thema in Altona-Iserbrook. Die Bürgerschaftsabgeordnete Anne Krischok (SPD) hat nun im Rahmen einer Anfrage an den Hamburger Senat herausgefunden, was der das Fällen von Bäumen wert war. 235.000 Euro zahlte der Bauverein der Elbgemeinden (BVE) an das Bezirksamt als Ausgleich für Nichtbepflanzung neuer “Ersatz”-Bäume im Stadtteil Iserbrook.

Das Bezirksamt Altona könne das Geld nun nun für “Naturschutzmaßnahmen” im Bezirk nutzen. Unklar sei jedoch, was dafür gemacht wird. Der Bezirksversammlung würde ein Vorschlag gemacht werden, heißt es in der kleinen Anfrage. Da die sonst nach den Statuten des Deutschen Städtetages üblichen Ersatzbäume im Verhältnis 1:3 nicht gepflanzt werden können, wurde die genannte Ausgleichszahlung fällig. Wie wird aber der Wert eines Waldes bestimmt? Die SPD-Umweltpolitikerin protestiert und meint “Dies ist eigentlich zu wenig, da es nicht nur um die reinen Neupflanzungen geht, sondern beim Buchenhofwald ja ein ökologisch bedeutsamer Wald geschädigt worden ist. Dies ist zwar kaum mit Geld aufzuwiegen – aber man könnte es dennoch besser versuchen”, so Krischok. Offen bleibt allerdings die Frage: Wie?


Was ist das Holz auf dem Markt wert?

Zurück zur Rohstoff-Bewertung: Dieser Frage gingen wir in der Redaktion nach und wurden unter Anleitung eines Holzmaklers aus Altona kundig. Für die Berechnung des Verkaufswertes sind nicht nur Stückzahl, aber insgesamt auch Angaben über die Qualität, die Dichtigkeit und des Volumens des geschlagenen Holzes notwendig. Nach Auskunft des zuständigen Amtes waren von der Fällung 162 Bäume mit einem Druchmesser von 25-95cm betroffen. Der Verkaufswert liegt – je nach Verwendbarkeit der holzverarbeitenden Industrie (MDF-Platte, Stammholz, Papier, Parkett, Kaminholz) – zwischen 25 – 100 Euro für einen so genannten Raum- bzw. Festmeter.

Die Basisdaten für die Kalkulation:

Mittendurchmesser: 25 – 95cm (Angabe des Amtes), Mittelwert 60cm
Durchschnittliche Baumhöhe geschätzt: 18m
Anzahl Bäume: 162 Bäume laut Fällgenehmigung

Berechnung zur Volumenermittlung gemäß Rahmenvereinbarung für den Rohholzhandel in Deutschland (RVR)
Formel: V = (Ï€ / 4) * d² x L

0,78539 (Ï€)  x 0,6 (Durchmesser)² x 18m (Baumlänge) = 5,09m Festmeter (Volumen) = 8,48m Raummeter

8,48m Brutto-Raummeter x 162 = 1.373,76 Raummeter x 0,96 (ohne Luft) = 1.318,81m Netto-Raummeter

1.318,81m Netto-Raummeter x 25 EUR (geringster Marktwert bei schlechtester Holzqualität) = 32.970,24 EUR

Nach eigenen Angaben hat der Eigentümer BVE jedoch kein Geld mit dem Verkauf des Holzes verdient. “Vielmehr haben wir noch fast 50.000 Euro für die Fällarbeiten bezahlt”, berichtet Axel Horn, Vorstandstandmitglied des Bauvereins. Das Holz hätte aufgrund des schlechten Zustands auch nicht an die Möbelindustrie verkauft werden können und landete daher vermutlich als Kaminholz auf dem Markt.

Forderung: Grünausschuss soll Baumfällisten vorab erhalten

Etwas Unmut gibt es indes auch über die Praxis der so genannten “Baumfälllisten”. Die LINKE bringt in nächste BV-Sitzung einen Antrag ein, demzufolge Listen vor Rodung der Bäume veröffentlicht werden sollen. Ausschussmitglieder sollen dadurch vorab deren Notwendigkeit überprüfen können. “Dabei sei es selbstverständlich, dass die Bäume, deren Rodung aufgrund von Lebens- und Verkehrsgefährdung unerlässlich ist, ausgenommen werden”, so der Antrag der Fraktion. Weiterhin fordert der Antrag, dass eine Jahresliste veröffentlicht wird, in der die Baumfällungen in ganz Altona aufgeführt werden.


Neuer Bürgerentscheid zur Rettung des “Rest-Buchenhofwaldes” in Vorbereitung

Nach dem << nicht erfolgreichen Ausgang des erfolgreichen ersten Bürgerentscheides >> planen die Initiatoren nach eigenen Angaben zur Zeit für einen weiteren Bürgerentscheid zum Schutz des Restbuchenhof-Waldes. Zyniker schlagen vor, von den eingenommenen Mitteln könnte man die Kosten für einen neuen Bürgerentscheid (ca. 180.000 Euro) gleich wieder abziehen. Wäre dies nicht eine zweckgerechte Verwendung der Mittel im Sinne des Naturschutzes? Vielleicht doch lieber ein Schülerwettbewerb, eine Baumrettungs- oder Auffangstation in Altona, oder, oder, oder…  Mit Sicherheit haben unsere Leserinnen und Leser aber viel bessere Ideen zum Thema.

… to be continued in unserem Dossier “Buchenhofwald”

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=18470

geschrieben von bei Mai 18 2010. abgelegt unter Allgemeines, Aus Stadtteilen, Bezirksversammlung, Buchenhofwald, Dossier & Archiv, Hamburg, Iserbrook, Meldungen, News & Meldungen, Politik, Politik & Verwaltung. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

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