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Nix da: Altonaer Museum wird nur Teilbereiche schließen (müssen) – TEIL 2


Hamburg / Altona (erstepresse). Es ist schon reichlich merkwürdig, auf Basis welcher einzigen Informationslage machmal sogenannte “Fakten” verkündet werden. Nachdem das Thema hochgekocht war, wurde sofort wieder dementiert. Dem Altonaer Museum droht keine Schließung. Lediglich Teilbereiche sind von notwendigen Brandschutzmaßnahmen betroffen. Ein Konzept soll bis Ende Juni vorliegen. In der Kritik bleibt die Funktionsweise des Museums.

Anlass für die Aufregung war der Ruf von Museumsdirektor Prof. Dr.  Torkild Hinrichsen, der eine Schließung durch anstehende Brandschutzmaßnahmen befürchtete. Die Wellen schlugen nach dem Interview hoch und genauso schnell flachten sie wieder ab.  Prof. Dr. Lisa Kosok, Vorstandsvorsitzende Stiftung Historische Museen Hamburg, Prof. Dr. Torkild Hinrichsen, Direktor Altonaer Museum und der Leiter des Immobilienmanagements der IMPF, Rüdiger Röhricht veranstalteten eine kurzfristige Pressekonferenz am selben Tag, als das Interview erschien. Die Presseabteilung des Altonaer Museums dementierte alsbald “für das Altonaer Museum stehen Brandschutzmaßnahmen an, deren Umsetzung sich gerade in der Planung befindet. Es ist  nicht geplant, das Altonaer Museum im Zuge dieser Maßnahmen komplett zu schließen”, heißt es.


Eigene Diskussionskultur in der Kulturszene

Der Museumsdirektor sagte wörtlich “wenn ein Gespräch stockt, und das Gefühl hatte ich, ist ein Knall mit Sicherheit nicht das Schlechteste”.

Kultursenatorin Karin Freifrau von Welck erklärte auf Anfrage von altona.INFO: “Ich bin entschieden der Meinung, dass wir die Schließung von Museen vermeiden müssen und dafür setze ich mich seit meinem Amtsantritt ein. Die anstehenden Maßnahmen zur Verbesserung des Brandschutzes am Altonaer Museum sind Thema von Gesprächen zwischen dem Museum, der IMPF und unserer Behörde. Bis Ende Juni soll ein Konzept vorliegen, in welchem Umfang die Maßnahmen durchgeführt werden müssen und inwiefern dies eine Räumung oder Teilschließung von Flächen notwendig macht. Es ist aber von keiner Seite erwünscht oder geplant, das Altonaer Museum im Zuge dieser Maßnahmen komplett zu schließen.”
Damit “dieser” nicht wieder mißverstanden werden kann fragten wir genauer nach: Frau von Welck, ist schon heute vorgesehen oder vorstellbar, dass andere Gründe als der Brandschutz die komplette – auch vorübergehende – Schließung für das Altonaer Museum binnen der nächsten Jahre zur Folge haben werden? von Welck zu altona.INFO: “Nein.”

Nun dürfte die Verwirrung um das Thema Altonaer Museum, sollte nicht noch der Senat dazwischenfunken, wirklich vom Tisch sein. Man sollte wissen, dass die Kulturszene im Allgemeinen  ein starkes Gehör in der Öffentlichkeit und auch bei Medienvertretern erhält. Der Wink mit dem Zaunpfahl ist gelungen und die Parade im Vorfeld der im Sommer anstehenden Haushaltsdebatte auch.

KOMMENTAR

Das Thema wurde imposant die Öffentlichkeit gebracht und schlug seine Wellen sogar über den nationalen Verteiler der Nachrichtenagentur dpa. So konnte endlich auch das Lokalblatt aus Hintertupfigen oder das Nachrichtenmagazin FOCUS über einen Skandal einer möglichen Schließung, der ein paar Stunden später doch keiner war, berichten. Da Berichterstattung in unserem Medienzeitalter im politischen Diskurs ein gehöriges Gewicht hat, kam es schon binnen 24 Stunden zu echten Aussagen und Ergebnissen, um die offensichtlich sonst auf dem Dienstweg mühsam gerungen werden mußte.

Oder alles nur Show? Ein fader Beigeschmack bleibt: Jedem ist klar, dass es Sparmaßnahmen – auch im Kulturbereich – geben wird. Die Spar-Saison und “Nicht-bei-uns”-Diskussion ist im vollen Lauf. Wer am lautesten brüllt, bekommt die meisten Bananen. Dieses Naturgesetz scheint auch im politischen Dialog – selbst auf Senatsebene – zu gelten. Frei nach dem Motto: “Ole, gib mal  Banane!” ;)

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=18895

geschrieben von am 28 Mai 2010. abgelegt unter Allgemeines, AltonaerMuseum, Aus Stadtteilen, Hamburg, Kultur, Meldungen, News & Meldungen, Politik, Politik Wirtschaft Gesellschaft, Sparsaison. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

1 Kommentar / Leserbrief / Frage für “Nix da: Altonaer Museum wird nur Teilbereiche schließen (müssen) – TEIL 2”

  1. nach vierzig Jahren habe ich Altona verlassen und bin wieder in meine alte Heimat bei Baden Baden gezogen, aber dennoch fühle ich mich mit Hamburg, vor allem aber mit Altona, weiterhin sehr verbunden. Darum empört es mich zutiefst, was alles ich über die Zerstörung dieses lebendigen Stadtteiles hören und lesen muss.
    Wer glaubt, dass es sich bei Museen nur um Abstellsilos für verstaubtes altes Gerümpel handelt, der hat ein solches noch nie im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte besucht oder ist ein hoffnungsloser Ignorant.
    Nur wer den substanziellen, kritischen Blick in die Vergangenheit vollzieht, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft zum Wohle der Menschen, sinnvoll gestalten. Eine wesentliche Brücke in die Geschichte der Menschheit sind unsere Museen. Hier können schon die Kinder sinnlich erfassen, dass wir Menschen eine Vergangenheit, eine spezifische kulturelle Wurzel haben. Ganz besonders Museen wie das Altonaer Museum, das einen starken regionalen Bezug besitzt und sich in den vergangenen Jahrzehnten, als ein lebendiges publikumsorientiertes Haus erwiesen hat, sind in diesem Sinne bewahrend und fördernd zugleich.
    Dass die Grünen in Hamburg jeden Schwachsinn mittragen, weil sie machtbesoffen an ihren Stühlen kleben verwundert den Kenner der Szene seit langem nicht mehr, zumal einige der Damen und Herren auch schon Sympathisanten von Maos Kulturrevolution waren.
    Gerade zu Zynisch ist die Feststellung von Frau Martens MdHB/CDU, bei der Schließung des Altonaer Museums handle es sich um die Qualitätssteigerung der Hamburger Museen.
    Dass ausgerechnet ein CDU dominierter Senat eine derartige Talibanisierung der Kulturpolitik vom Zaun bricht, zeigt zum wiederholten Male, dass die Zuordnung des Begriffes „Konservativ“ völlig neu definiert werden muss. Ob es sich um die Bewahrung der Schöpfung, um die Bewahrung des sozialen Friedens oder um die Bewahrung unseres kulturellen Erbes handelt. Die CDU hat mit conservativus, dem Erhalten, dem Bewahren schon seit Jahrzehnten nichts mehr zu tun. Wo sie gehen und stehen wird Bewährtes und Unwiederbringliches zerstört, das Einzige was sie bewahren, ist die Gewinnmaximierung einer ewig gierigen nimmersatten Elite.
    Es ist an der Zeit, dass die Konservativen aufstehen und diesen wild gewordenen Ökonomisten in die Arme fallen, um das zu bewahren, was unser Leben menschenwürdig macht.
    Ich bin einer davon !
    Paul Sachse
    PS:
    Auch wenn Gesche Beohlich (GAL Altona) diesen Brief wieder in den Papierkorb werfen sollte, er geht in dieser Republik auf große Fahrt!

    Sehr geehrter Herr Sachse,
    mit der Schließung des Altonaer Museums geht die Sammlung und die damit verbundenen Geschichte Hamburgs nicht unter. Die Sammlung wird selbstverständlich im Rahmen eines gesamtstädtischen Konzepts in die anderen kulturhistorischen Museen integriert. Es handelt sich hier nicht um eine bloße Sparmaßnahme, sondern um eine Maßnahme zur Qualitätssteigerung der Hamburger Museen insgesamt durch Zusammenführung der auch maritimen Exponate.

    Mit freundlichen Grüßen
    Brigitta Martens, MdHB
    Kulturpolitische Sprecherin
    der CDU-Bürgerschaftsfraktion Hamburg

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