Die Seefahrsschule steht. Ob sie auch stehen bleibt, werden die Verhandlungen zeigen. Foto: Christian Kaiser / anna elbe


Hamburg / Altona (erstepresse). Vieles deutete bereits in jüngster Vergangenheit darauf hin, jetzt ist es amtlich: Die Reederei Rickmers wird keinen Neubau auf dem Gelände der Seefahrtschule errichten. Die Reederei habe  sich aus den Verhandlungen mit der Finanzbehörde zurückgezogen, lautet die Mitteilung. Streit entbrannte laut Rickmers unlängst über den „Elbblick“ von der Rainvilleterrasse. Beobachter aus Verwaltung und Politik sehen zwar auch andere Gründe, sehen allerdings jetzt insbesondere eine Chance für eine andere Nutzung gegeben.

„Eine verbindliche Sicherung der im derzeitigen „B-Plan Entwurf“ dargestellten Bebauungshöhen unterhalb des Grundstücks Rainvilleterrassen lehnte die Stadt Hamburg auch nach langen Bemühungen seitens der Rickmers Gruppe grundlegend ab“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Zuletzt wurde die Bebauung mit einem 68m-Hochhaus auf der Sichelfläche zwar nach einigen Protesten von der Politik ausgeschlossen, aber Rickmers führt auch „die kürzlich realisierten Columbia Twins Towers“ und das Wettbewerbsgebiet „Areal West“ Kühlhallen/ Große Elbstraße, an. Nach Informationen von altona.INFO liegen die Entwürfe aus dem städtebaulichen Wettbewerb zur Zeit beim Oberbaudirektor. Weiß Rickmers eventuell bereits mehr?

„Der Blick auf die Elbe ist für diesen historisch bedeutsamen Standort ein höchst emotionaler und elementarer Faktor“, so Jens-Christian Ludwig, Geschäftsführer der Rickmers Immobilien. „Der freie Elbblick war Bestandteil der seinerzeitigen Ausschreibung der Stadt und wurde preislich bei der Angebotsabgabe der Rickmers Gruppe auch entsprechend gewürdigt. Wir können und möchten hier nicht das Risiko einer weiteren Elbsichteinschränkung und damit möglichen Abwertung des Standortes tragen.“ Jens-Christian Ludwig betont weiter: „Wir bedauern sehr, dass keine Einigung mit der Stadt Hamburg herbeigeführt werden konnte.“

Finanzbehörde: „Alle Möglichkeiten werden geprüft“

Nach Informationen von altona.INFO prüft die Finanzbehörde jetzt „alle Möglichkeiten“ und aus Senatskreisen ist zu vernehmen, dass eine ausschließliche Nutzung für Künstler nicht möglich sein wird. Vertreter der Bezirksversammlung Altona haben derweil bereits eigene Vorstellungen für die Entwicklung der Seefahrtsschule. Auch eine Initiative (anna elbe) oder auch Gastronomen kämpfen schon seit einiger Zeit, um eine Nutzung für kulturelle Zwecke. „Das könnte auch eine Gelegenheit für die Künstler aus der Viktoriakaserne sein“, sagt Mark Classen (SPD).

Uwe Szczesny (CDU) sieht dafür keine Chancen. Nach seiner Auffassung wäre eine Unterbringung in dem „Kulturbahnhof“ sehr viel wahrscheinlicher für die ehemaligen Frappant-Künstler. „Jetzt muss auch nicht unbedingt ein Abriss im Vordergrund stehen“, sagt Szczesny, der eine neue Ausschreibung des Verfahrens bevorzugt, um auch „Leistungs-, und Nutzungsmerkmale“ in der Ausschreibung aus Sicht des Bezirkes verankern zu können. „Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass sich die Bedürfnisse zwischenzeitlich geändert haben“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende.

Die nächsten Schritte

„Wir prüfen jetzt die nächsten Schritte“, sagt Daniel Stricker, Sprecher der Finanzbehörde. Er führt an, dass es in dem Ausschreibungstext in keiner Silbe um einen garantierten Elb-Blick ging und bedauert den Rückzug von Rickmers. „Das Projekt hätten wir gerne realisiert“, so Stricker. Jetzt werden jedoch wieder alle Optionen geprüft und man werde auch die Bedürfnisse des Bezirkes berücksichtigen, stellt er klar. Auch könne dazu kommen, dass ein passender Investor möglicherweise einen Teil der Fläche für künstlerische Zwecke zur Verfügung stellt.

Neben einer zu erwartenden Debatte in der Bezirksversammlung wird auch geprüft werden, ob nicht auch die anderen Bieter des ehemaligen Auslobungsverfahrens eine Rolle spielen. „Wenn neu ausgeschrieben wird, würden wir uns sehr gerne bei der Erstellung des Ausschreibungstextes beteiligen“, sagt Szczesny.

Auslobungsunterlagen zum Hochbaulichen Realisierungswettbewerb / Rainvilleterasse (PDF) von Juni 2007

Wird es nicht geben: Der Entwurf für das ursprünglich von geplante Gebäude an der Rainvilleterrasse ist vom Tisch.

5 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Nicht dass ich es bedauern würde, dass dieser charakterlose Glas-Stahl-Bau nun nicht gebaut wird; aber …, dass die Stadt keine Garantie für den Elbblick geben will, heißt doch nichts anderes, als dass man sich seitens der Stadt immer noch die Option offenhält den Lampenplan zu verwirklichen. Bürgerwille hin oder her …, das nächste Hochhaus kommt!

  2. Wenn Herr Szczesny sagt: „â€Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass sich die Bedürfnisse zwischenzeitlich geändert haben”, wen meint er mit „man“ und wessen Bedürfnisse? Die CDU und die GAL haben offensichtlich ganz andere „Bedürfnisse“ als der Großteil der Altonaer Bevölkerung, die sich schon lange für den Erhalt des denkmalwürdigen Gebäudes einsetztt. Von Herr Szczesny und Frau Boehlich werden die Anwohner ja nicht gefragt oder beteiligt. Das gilt auch für das Bahngelände und den Masterplan in Altona. Das Investorenglück zählt wohl allein. Herr Szczesny, vermieten Sie doch zuerst einmal den zweiten – noch gänzlich leer stehenden – Columbia Twins-Turm, bevor Sie weiter bauen und das Elbufer weiter verschandeln.

  3. Ich ertrag es nicht mehr, wie die mit uns umgehen – mit dem, was sie Allgemeinwohl nennen.
    Je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr wird man vorgeführt.

    Selbst, wenn man definitiv etwas weiß, weil man jemanden kennt der damit befasst ist, wird man auf Nachfrage – meiner Meinung nach, insbesondere und sehr bewusst von den Grünen – angelogen.

    Schön, dass Rickmers zurückgetreten ist. Da sieht man, wieviel der Elbblick wert ist: unbezahlbar.

    • In diesem Zusammenhang erwähne ich mal kurz, das es eben jene Lokalpolitiker sind, die laut nach der Lösung Ikea in der GBS schreien, Frau Boehlich und HerrSzczesny am lautesten. Gleichzeitig fordert die GAL Altona in ihrem Positionspaper zum Bahnglände dort Autofreiheit, kaum 1000 m entfernt von der GBS. Die Poltiker in dieser Stadt, sowohl Bezirk und Senat, können mir und vielen andern Hamburger mit dieser, an vielen Ecken wie der SEFA und der GBS, untranzparenten Stadtentwicklung nicht glaubhaft machen meine/ unsere Interssen zu vertreten. Sofortiger Planungsstop für Ikea in der GBS und das Bahngelände und verbindliche Einbeziehung von Bürgern für die Sefa wären in meinen Wähleraugen ein geeignetes Mittel ein bißchen Boden wettzumachen….. aber meine Stimme zählt ja offensichtlich nicht.

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