Rettung des “Hundertwassercafés” Ottensen – Bürgerbegehren gestartet

Das Stadtcafé "Hundertwassercafe" im Stadtteil steht vor dem Abriss. Das Bürgerbehren will es verhindern und sammelt Unterschriften. Foto: erstepresse
Hamburg / Ottensen (erstepresse). Nachdem vor ziemlich genau einem Jahr das Hundertwasser-Café geschlossen werden musste, gründete sich rund um die ehemaligen Betreiber des Stadtcafés nun eine Bürgerinitiative. Ihr Ziel: Das im Stile und mit Unterstützung von Hundertwasser errichtete Café in der Behringstraße “planungstechnisch” zu sichern und das Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.
Droht dem Hundertwasser-Restaurant der Abriss? Unter dem Motto “Rettet das Stadtcafé” sammeln Bürgerinnen und Bürger jetzt Unterschriften für die Durchführung eines Bürgerbegehrens. Seit mittlerweile einem Jahr ist das Stadtcafé Ottensen geschlossen. Die Häuserfront ist mit Sperrholz vernagelt und allmählich seien die Anzeichen des “gewollten Verfalls” nicht mehr zu übersehen, teilt die Initiative mit. Der Kampf um den Erhalt des Hunterwassercafés jetzt in die entscheidende Runde.
Anstrengungen, mit dem derzeitigen Eigentümer (Bonner Wohnbau GmbH) eine übereinkunft zu erzielen, betrachten die Initiatoren als gescheitert. Sie vermuten, der Investor wolle das seit knapp einem Jahr versperrte Gebäude verrotten lassen und sprechen von einer “Hinhaltetaktik des Eigentümers”. Ein von der Wohnungsbaufirma in Auftrag gegebenes Gutachten reklamiert derweil die Baufälligkeit und bemängelt auch fehlende Fluchtwege. Die Altonaer Politik hält dagegen und hat bereits die Erstellung eines unabhängigen Gutachtens in Auftrag gegeben, das derzeit noch vom Bezirk Altona unter drei Anbietern vergeben wird. Nach Informationen von altona.INFO haben diese jedoch bereits in einem Vorgespräch über das Gutachten des Investors allesamt die bemängelte “Baufestigkeit abgestritten.
Viele strittigen Punkte konnten auch bereits in der Vergangenheit aufgeklärt werden. So wurde dem Kulturausschuss über eine umfangreich bebilderte Dokumentation aufgezeigt (siehe Auszug in der Galerie), dass der Künstler Hundertwasser die Bauten nicht nur entworfen hat, sondern auch in Hamburg mehrfach direkt Hand angelegt hat. Davon ist auch der SPD-Abgeordnete Wolfgang Kaeser (SPD) überzeugt, der – wie auch der Nachlassverwalter von Hundertwasser (siehe Vollmacht) – keinen Zweifel daran hat, dass es sich um ein “denkmalschutz-pflichtiges Gebäude” handelt.
Neubau in der Behringstraße: Was plant der Investor?
“Die Bonner Wohnbau GmbH begrüßt die Bestellung eines unabhängigen Gutachters für das Stadtcafé in der Behringstraße”, heißt es in einer Mitteilung des Investors. Die Hamburger Architekten Alexandra Czerner und Jürgen Götsch hätten allerdings kürzlich im Auftrag der Wohnbau bereits das Gebäude untersucht und Baumängel festgestellt. So ergab die “Untersuchung”, dass für wesentliche Teile der als Restaurant umgebauten Feuerwache keine Baugenehmigung vorlägen. Mängel beim Brandschutz, der Statik sowie nicht ausreichende Fluchtwege ließen nach Angaben von Wohnbau den Betrieb des vorhandenen Stadtcafés auf Basis dieser Ergebnisse nicht zu.
Der Investor hatte einem Zwischenhändler das Grundstück für über 4 Mio Euro abgekauft und plant gemeinsam mit der SAGA GWG jetzt 117 moderne Mietwohnungen in Gebäuden auf dem ehemaligen Gelände des Hamburger “Landesbetrieb Krankenhäuser” zu errichten. Im Jahr 2004 kam das Gelände, im Zuge der Privatisierung des staatlichen Betriebes, für 1,6 Mio Euro unter den Hammer. Seit dem ist ein scheinbar “endloser Mieter-Investor-Streit” losgebrochen, der über die Busflächen vor dem Gebäude, die Rechtsgültigkeit des Mietvertrages oder auch die Anzweifelung, dass es sich bei dem Café tatsächlich um ein Hundertwasser-Café handelt, führt.
Die Planungen des Investors sehen vor, Wohnungen nach dem Energiestandard “KfW Effizienzhaus 55″ auf dem Grundstück in der Behringstraße zu errichten. Sämtliche Wohnungen sollen mit großem Balkon oder Terrasse ausgestattet werden. “Die Wohnanlage soll das Zusammenleben mehrerer Generationen ermöglichen”, erklärt Anja Kasper, Pressesprecherin bei der Wohnbau GmbH. Die seiner zeitliche Vorgabe des Architekturwettbewerbes, aus der die Architekten Alexandra Czerner und Jürgen Götsch als Gewinner hervorgingen, sah die Implementierung des Hundertwassercafés vor. “Dies scheint durch die bauliche Situation in Frage gestellt”, schreibt die Wohnbau GmbH. Das Gutachten solle nun Klärung bringen.
Unterschriften werden bereits auf der altonale gesammelt
Die Vertrauensleute des Bürgerbegehrens sammeln bereits auf der altonale Unterschriften aus der Bevölkerung und bitten um Unterstützung. “Wir hoffen, dass uns viele Ottenser und Altonaer dort unterstützen”, sagt Renate Link von der Initiative. Die “Retter” des Stadtcafés wollen die “Hinhaltetaktik des Eigentümers” nicht länger hinnehmen und kämpfen für den Erhalt des Cafés. Am 14.6.2010 wurde bei der Bezirksverwaltung das Bürgerbegehren “Rettet das Kunstobjekt Hundertwasser”Café” auf den Weg gebracht. Die Antragsstellerinnen Ingrid Franz, Inge Retzlaff und Renate Link sammeln nun Unterschriften zur Herbeiführung eines Bürgerentscheides. Kommen über 1800 Unterschriften zusammen, die für das formelle “Zustandekommen des Bürgerbegehrens” notwendig sind, tritt der dreimonatige Suspensiveffekt in Kraft. Damit könnte auch ein möglicher Abriss, der nach Informationen von altona.INFO jedoch noch nicht beantragt ist, zunächst abgewendet werden.
Eine Unterschriftenliste (PDF) ist erhältlich. Ebenso bietet die Initiative eine umfangreiche Dokumentation des bisherigen Geschehens aus eigener Sicht an (PDF). Weitere Infos: Internetseite der Initiative “Rettet das Kunstobjekt Hundertwasser”Café”
Infos zum Künstler “Friedensreich Huntertwasser”
altona.INFO berichtet ab sofort in einem eigenen Dossier über den Fortschritt des Verfahrens.
Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=20134












