Fabrik unter Druck – Dialog mit Kulturbehörde wird sachlicher

Die Fabrik in Hamburg-Ottensen ist das Veranstaltungszentrum schlechthin in Altona. Foto: erstepresse

Die Fabrik in Hamburg-Ottensen ist das Veranstaltungszentrum schlechthin in Altona. Foto: erstepresse


Altona / Ottensen (erstepresse). Die Fabrik stünde unter Druck, hieß es mitten im Getummel der altonale in der letzten Woche. Im Fokus war ein Schreiben der Kulturbehörde vom 25. Mai an die Fabrik, das u.a. eine Neuausrichtung des Managements fordert. Im Rahmen der Medienarbeit wurden Inhalte daraus kommuniziert. In der Kritik ist dadurch auch die Kürzung von Zuwendungen an das Kommunikationszentrum aus Ottensen gekommen. Die Behörde fordert von der Fabrik eine mehr auf “Wirtschaftlichkeit ausgerichtete Arbeit”, die – so die Kritik der Fabrik – gerade das verdränge, was die Fabrik in ihren Jahren so geprägt hat: Die “offene Kultur- und Jugendarbeit”.

Ein klärendes Gespräch fand am vergangenen Donnerstag zwischen der Kulturbehörde und dem juristischen Vertreter der Fabrik Stiftung statt, das bestätigen beide Seiten. Nach Informationen von altona.INFO ruderte die Kulturbehörde bei dem Treffen kräftig zurück. Im beiderseitigen Einvernehmen soll jetzt eine zufriedenstellende Lösung getroffenen werden, die derzeit weiter verhandelt wird. Die Einigung müsse nur noch zu Papier gebracht werden und sei dann unterschriftsreif, heißt es dazu aus Senatskreisen. Horst Dietrich, Geschäftsführer der Fabrik, sieht zwar die Verhandlungen auf einem guten Weg, sucht aber insbesondere auch den Dialog über die Inhalte. Er selbst hatte bereits 2006 dafür gesorgt, dass die langfristigen Ziele der Fabrik in der Satzung der Fabrik-Stiftung und dem Fabrik-Freundeskreis festgeschrieben werden.


Bürger sammeln bereits Unterschriften – Große Initiative geplant

Binnen weniger Stunden gründeten sich nach dem Appell der Fabrik eine Facebook-Unterstützer-Seite, Unterstützer aus der Politik wurden mobilisiert, Bürgerinnen und Bürger sammelten auf der altonale bereits hunderte  Unterschriften für die Initiative “FABRIK erhalten!“. Die letztgenannte Liste ist geknüpft an eine Petition an die Behörde für Kultur, Sport und Medien und beinhaltet Forderungen, wie die Erhaltung der Fabrik als semikommerziellen Standort mit Platz für Jugend-, Senioren- und Kulturarbeit. Weiterhin fordert die Petition die Behörde auf, keinen Zusammenhang zwischen monetärer Unterstützung und der Besetzung von Vorstand und Geschäftsführung der Fabrik herbeizuführen.

Gerade letztere Verquickung ist insbesondere einem übel aufgestoßen: Dem verdienten Betreiber und Vorstand der Fabrik Horst Dietrich (75). Bekannt ist, dass bereits seit Jahren Gespräche um das Programm und auch die Nachfolge für Dietrich laufen. Doch das jetzige Schreiben der Kulturbehörde war ein Affront. Den Stein ins Wasser warf Dietrich mit der Veröffentlichung des Wortlautes selbst öffentlich zurück. “Ich habe einen Anwalt beauftragt, um das Gespräch auf ein sachliches Niveau zu bekommen”, sagt Horst Dietrich. “Die Inhalte aus dem Gespräch am vergangenen Donnerstag müssten auch ohnehin noch durch Vorstand und Aufsichtsrat”, sagt der Fabrik-Geschäftsführer und ergänzt “Das gibt bestimmt noch die ein oder andere heiße Diskussion.” Auf die Frage, ob Horst Dietrich sich vorstellen kann, sein Mandat als Geschäftsführer aufzugeben antwortet er gegenüber altona.INFO “Ja, dazu bin ich bereit. Ich bin da sowieso dran und führe Gespräche.” Ein guter Nachfolger will auch erst mal gefunden werden. Aber insbesondere sollte man ihm auch eine Aussicht anbieten, die bis dato für die Fabrik inmitten der Verhandlungen für 2011-2012 noch kaum gegeben sei, ergänzt Dietrich.


Kulturmittel nicht gleich Kulturmittel – Differenzierung der Begrifflichkeiten

Das besagte Schreiben der Kulturbehörde die Fabrik nach monatelanger Wartezeit als Antwort auf eine Anfrage von Ende Dezember nach den Förderungsplanungen der Behörde für die Jahre 2011 und 2012. Die Frage, wieso man sich so viel Zeit gelassen hat und dann um schnelle Maßnahmen bittet, darf gestellt werden. Klar ist auch, dass der Druck der Behörden vor den Haushaltsdebatten immer höher wird.
Auch bei den Begriffen und den Fördertöpfen aus öffentlicher Hand will differenziert werden. In der öffentlichen Wahrnehmung wird zwar immer über Kulturmittel gesprochen, doch längst scheint auch ein Streit um die einzelnen Budgetpositionen entbrannt zu sein. Die Fabrik ist kein sogenanntes “Stadtteilkulturzentrum” und erhält aus anderen Titeln Mittel als “Kommunikationszentrum”. Gleichzeitig übernimmt die Fabrik aber auch Aufgaben im schulischen Bereich und betreut Schulkinder, was widerum eigentlich eine Aufgabe der Schulbehörde und nicht nur der Kulturbehörde wäre.


Zuspruch aus der Altonaer Kulturszene – Ausblick

Michael Wendt, Geschäftsführer des Stadtteilkulturzentrums Motte erklärt sich solidarisch mit der Fabrik und findet das eigentliche Thema von der Kulturbehörde schlecht kommuniziert. “Die Fabrik macht eine Arbeit mit Kindern, die wir richtig und wichtig finden. Wir wollen unbedingt, dass die Arbeit auch weitergeführt wird”, sagt Wendt, der die Arbeit der Fabrik seit 15 Jahren beobachtet. Der Ansatz, jetzt kurz vor dem 40. Geburtstag der Fabrik über personelle Neustrukturierung zu sprechen findet er unnötig. Vielmehr sollte über Inhalte gesprochen werden und ein Dialog über die Verjüngung des Programms hält auch er bei aller Kritik für wichtig.

Die Fabrik befürchtet, dass “der kulturellen Vielfalt” – der bunten Offenheit und Lust an neuen Entdeckungen, die das Abendprogramm der Fabrik auszeichnen-  ein Programm entgegengesetzt würde, das vor allem dem Umsatz verpflichtet wäre. Auch die geforderte Realisierung mit mit kommerziell interessierten externen Dienstleistern wird kritisiert. Die Identität der Fabrik als ein unabhängiges Kulturzentrum sei gerade dadurch gefährdet. Unumstitten sei laut Fabrik, dass die angespannte Haushaltslage Sparzwänge auferlegt. “Vor diesem Hintergrund die Kulturarbeit in ein nur noch lukratives Gegenteil zu verkehren wäre ein unwiederbringlicher Verlust in einem Stadtteil, der ohnehin schon überproportional der Gentrifizierung ausgesetzt ist”, schreibt die Fabrik.

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=20339

geschrieben von bei Jun 22 2010. abgelegt unter Aus Stadtteilen, Gesellschaft, Kultur, Meldungen, News & Meldungen, Ottensen, Politik Wirtschaft Gesellschaft, Sparsaison. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

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