Das Hunderwassercafé in der Behringstraße. Foto: erstepresse

Altona / Ottensen (erstepresse). Vertreter des Eigentümers des Grundstückes an der Behringstraße, um das sich das Bürgerbegehren „Rettet das Hunderwassercaf鄝 dreht, waren zu Besuch in der altona.INFO Redaktion. Reiner Klaus, Geschäftsführer der in gemeinnütziger Trägerschaft operierenden Wohnbau GmbH, würde nach eigenen Angaben gerne das Hundertwasssercafé retten, doch er stellt  „Rechtsmängel“ fest. Die Bürgerinitiative hat derweil über 1.500 Unterschriften für ihr Bürgerbegehren zusammen.

Bürgerbegehren und Volksentscheide, das sei für den Architekten und Geschäftsführer Klaus und die bundesweit operierende Wohnbau Neuland. Juristische Komplikationen durch Bürgerbeteiligung sind zwar bekannt, aber ein Suspensiveffekt, der ein Nichtstun der Verwaltung auslöst, darauf scheint man nicht eingestellt. Den Baubescheid erwartet die Wohnbau GmbH noch in diesem Jahr, das könnte etwas schwerer werden, zumal bereits 1.500 Unterschriften für die „Rettung“ da sind. Der Bauunternehmer ist ein Profi, das merkt man schnell und er wird gleich von mehreren Personen beraten und begleitet. An einem einzigen Tag tourte Klaus durch Redaktionen mehrerer Hamburger Medien und nahm noch ein paar Geschäftstermine wahr. 1.300 Wohnungen unterhält die Wohnbau GmbH, deren Eigentümer-Stiftungen im Hintergrund sich gemeinnützigen Zwecken verpflichtet fühlen. Eine Liste der „Förderungen“ kann eingesehen werden.

Reiner Klaus, Geschäftsführer der Wohnbau GmbH, Bonn. Foto: Wohnbau

„Würde das Café erhalten“

Geschäftsführer Klaus würde gerne das Café erhalten, doch die von ihm und seinen Teams festgestellten Rechtsmängel ließen dies nicht zu sagt er. „In Teilen, das muss man sagen, handelt es sich auch um Schwarzbau“, sagt Klaus. Nach dem Kauf des „mietfreien“ Grundstückes im letzten Jahr hätte er nun in die Bau- und Vertragsunterlagen Einblick erhalten und dabei festgestellt, dass es sich bei der Galerie um eine Büronutzung und nicht den Betrieb eines Cafés handelte. Auch sei die Deckenhöhe der Galerie  an verschiedenen Stellen gerade einmal 1,90m – vorgeschrieben sind nach seinen Angaben allerdings 2,70m.

Krumme Linien und ungerade Ebenen, das ist ein Teil von Friedensreich Hundertwasser. Für Kaufleute wie Klaus gilt die lineare Betrachtung und so sei die logische Konsequenz bei einer Verzögerung des Verfahrens eine höhere Miete für den geplanten Wohnraum. Vielleicht ist das ‚um die Ecke denken‘ das, was heute mehr denn je zur Pflicht für Politikerinnen und Politiker gehört. Veränderung ist schließlich gewollt und wird auch zugelassen – doch häufig führt Veränderung zur Vereinheitlichung. Dies wird vielen Akteuren meist nach der Fertigstellung klar. Eine „denkbare Alternative“ wäre für die Wohnbau GmbH auch die Fortsetzung des Hundertwasser-Konzeptes an anderer Stelle. „Wenn man saniert, vernichtet man“, gibt Klaus zu bedenken. Für ihn stellt sich die Frage: „was ist da noch sinnvoll?“

Die Vertrauensleute des Bürgerbegehrens. Foto: erstepresse


Und wie geht es weiter?

Die Initiative sammelt weiter Unterschriften, wird auch jetzt bald die erste Hürde schaffen. Eine Kunstkommission kommt am 2. Juli  zusammen, die sich über den „Kunstwert“ des Cafés beraten will. Der Architekt der Wohnbau meint, es sei kein echter Hundertwasser. Der Eigentümer will „das Gutachten abwarten“ und tut sich derweil mit der Herausgabe von Entwürfen über das geplante Objekt schwer. Ein wenig lässt er durchblicken: Bei dem Neubau wollte man mit Material- und Farbwechseln arbeiten, insgesamt fünf Häuser mit 5-6 Etagen (Traufhöhe der Altbauten wolle man einhalten) auf dem Grundstück errichten, zu dem übrigens auch der nebenstehende Bunker gehört.

„Die Chancen, das Café unter Denkmalschutz zu stellen, sind zwar gering, da es noch nicht das notwendige Alter erreicht hat, aber wir geben die Hoffnung nicht auf“, sagt Gesche Boehlich, Sprecherin des Planungsausschusses und Fraktionsvorsitzende der GAL in der BV Altona. Mit letztgenanntem Argument hatte die Behörde bereits einmal die Unterschutzstellung abgelehnt. Nun darf man gespannt sein, was die Gutachter und Kunstexperten sagen. Vielleicht möchte man sich auch das Interview anschauen, das wir mit den Vertrauensleuten anlässlich des Starts des Bürgerbegehrens aufgenommen haben.

2 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Kein „echter“ Hundertwasser? Aber ja doch. Er hat nicht nur zu Lebzeiten das Projekt begleitet, er hatte auch eine Botschaft, die hier umgesetzt wurde:

    „Seit es indoktrinierte Stadtplaner und gleichgeschaltete Architekten gibt, sind unsere Häuser krank; sie werden nicht erst krank, sie sind schon als kranke Häuser konzipiert und zur Welt gebracht worden.
    Diese vielen Häuser, die wir alle tausendfach erdulden, sind gefühls- und emotionslos, diktatorisch, herzlos, aggressiv, gottlos, glatt, steril, schmucklos, kalt und unromantisch, anonym und haben gähnende Leere. Sie sind ein Trugbild der Funktionalität. Sie deprimieren derart, dass sowohl die Bewohner als auch vorbeigehende Menschen krank werden.
    Man bedenke: 100 Menschen wohnen in einem Haus, aber 10000 Menschen gehen und fahren täglich daran vorbei, und diese leiden genausosehr wie die Bewohner, sogar noch mehr, an der deprimierenden Ausstrahlung der Fassade eines herzlosen Hauses. Die Krankenhäuser sind jedoch selber krank.
    In lager- und kasernenartigen nivellierenden Bauten wird das wertvollste vernichtet und gleichgeschaltet, was ein junger Mensch der Gemeinschaft mitbringt: die spontane, individuelle Kreativität.
    Diese kranken und krankmachenden Häuser können Architekten nicht wieder gesund machen, denn sonst hätten sie sie gar nicht gebaut.
    Also muss ein neuer Berufszweig her: der Architekturdoktor.
    Der Architekturdoktor tut nichts anderes, als Menschenwürde und Harmonie mit der Natur und mit der menschlichen Kreation wiederherzustellen. ohne erst alles abzureissen, nur mit Änderungen an strategischen Punkten, ohne viel Mühe und finanzielle Mittel. Dazu gehört das Entgradigen von begradigten Flussläufen ebenso wie das Brechen der sterilen, flachen Skyline, die Umwandlung von Böden in eine unebene, wellige Fläche, das Wachsenlassen von Spontanvegetation in Pflasterfugen und Mauerritzen, wo es nicht stört, die Variierung von Fenstern und unregelmässige Abrundung von Ecken und Kanten.
    Der Architekturdoktor ist auch für noch entscheidendere chirurgische Operationen, wie wegschneiden von mauern, setzen von Türmen und Säulen zuständig.
    Man braucht nur das Fensterrecht gestatten, das Dach begrünen und bewalden, die Mauerkatze wachsen lassen und Baummieter installieren.
    Wenn man die Fenster tanzen lässt, dadurch dass man sie verschiedenartig gestaltet und auch sonst so viele Unregelmässigkeiten wie möglich an Fassaden und im inneren unterbringt bzw. geschehen lässt, so kann das Haus genesen. Das haus beginnt zu leben.
    Jedes noch so hässliche und kranke haus kann geheilt werden.“

    Und auch diese:
    „Die Zeit ist gekommen,
    Die Zeit der Beaufsichtigung ist vorbei.
    Die Zeit des Wartens auf das Paradies ist vorbei.
    Die Zeit des unfruchtbaren Redens ist vorbei.
    Die Zeit des Tuns ist da.“

    Der Initiative viel Erfolg!

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