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Amtliche Spekulationen über Bürgermeister Ole von Beust – Kommentar -

Immer wieder gibt es Spekulationen um den Hamburger Bürgermeister Ole von Beust. Diesmal könnte etwas dran sein und zwar aus strikt logischen und parteistrategischen Gründen. Dafür muss man niemanden befragen. Zwei Amtszeiten hat Ole von Beust bereits hinter sich gebracht, nach fast neun Jahren im Amt des ersten Bürgermeisters wird es Zeit, einen Nachfolger aufzubauen.

Carl-Friedrich Arp Ole Freiherr von Beust ist seit dem 31.Oktober 2001 Bürgermeister der Freien- und Hansestadt Hamburg und amtiert jetzt in der dritten Wahlperiode. Der eher mühselige Amtsantritt löste eine historische Vorherrschaft der Sozialdemokraten in Hamburg ab. Seit 1957 hatte es mit Kurt Sieveking keinen anderen Christdemokraten mehr im Amt des ersten Bürgermeisters gegeben.

Zur Halbzeit stehen die Chancen für einen politischen Wechsel in Hamburg für Rotgefärbte nach Umfragen nicht schlecht. Logisch daher, dass die SPD bereits Neuwahlen fordert. Die Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft sind allerdings erst Anfang 2012 und noch fünf Landtagswahlen liegen dazwischen. Drei Landtagswahlen finden bereits im Frühjahr 2011 (20.-27. März) statt, weshalb Parteistrategen bereits in diesem Herbst mit verdichteten Wahlkampfthemen in den Medien rechnen. Solange die Wahltermine zu Landtagswahlen nicht gleichgeschaltet stattfinden, ist in Deutschland meist Dauerwahlk(r)ampf angesagt.


Rolle der Medien – Keyword-Journalismus

Eine nicht ausschließlich der Rezession und Sparanstrengungen geschuldeten Empörung der Hamburger ist nicht von der Hand zu weisen. Die Medien, insbesondere der Boulevard, tun in Zeiten des Medienwandels und des Keyword-Journalismus ihr übriges; so auch zu den Rücktrittsgerüchten von Ole von Beust.

Spätestens nach dem Medienzirkus rund um die Bundespräsidentenwahl dürfte doch klar sein, dass Medienhäuser nicht mal mehr davor zurückschrecken, sich massiv auf die Seite einzelner Personen zu stellen und sogenannte Wahlempfehlungen auszusprechen. Wenn man dann im Impressum das Wort “überparteilich und unabhängig” liest, muss man als Leser schlicht enttäuscht, verwirrt und als amtierender Politiker gleich welcher Couleur erschüttert über so viel Anmaßung sein.

Es ist kein Wunder, dass man mach einer gewissen Zeit die Nase voll hat. Der Job, der im Operativen mehr Abstimmungsmanagement und Repräsentanz denn echte Gestaltungsmöglichkeiten offenbart, ist ermüdend. Jeden Tag auf die Elbphilharmonie angesprochen zu werden, die Stadt überzogen von Bürgerbegehren, Medien die völlig ausflippen, grundlegende journalistische Tugenden über Bord werfen und dadurch immer mehr zur Verunsicherung ihrer Leserinnen und Leser beitragen.

Und in Zukunft? Unter zunehmender Pauschal-Frustration immer älter werdender Wählerinnen und Wähler wird man bei einer in Deutschland massiv zurückgehenden Bevölkerung und noch vielen verkannten Problemen nur noch sehr mühselig echte Strukturveränderungen durchsetzen. Ein Beispiel ist die Schulreform und auch die Sparsaison hat gerade erst begonnen. Es kann nur sinnvoll erscheinen – gerade konservative Wählerkreise – möglichst frühzeitig an einen Nachfolger zu gewöhnen.

Hamburg hat so viele schöne Seiten und Orte. Mitunter fehlt doch einfach nur die Zeit, dieses umfangreiche Freizeitangebot auch zu nutzen oder in Ruhe ein Glas Wein zu genießen. Es ist Jedermanns freie Entscheidung abzutreten und sein Leben anders zu gestalten.

Anderenfalls sollte der amtsälteste Hamburger Bürgermeister seit dem 2. Weltkrieg wohl eher – wie er jüngst Frau Merkel empfohlen hat – mal ‘mit der Faust kräftig auf den Tisch hauen’, damit endlich Ruhe einkehrt in dem eigenen Stall.

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=21307

geschrieben von am 17 Jul 2010. abgelegt unter Hamburg, Kommentar, Wahl oder Nichtwahl. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

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