St. Pauli: “Soziale Erhaltungsverordnung” wird geprüft – Schanze und Ottensen könnten folgen

"1000 Euro Belohnung!" Die Wohnungssuche in St. Pauli, Schanze und Ottensen stößt an die Grenzen der Perversion. Kaum eine Laterne, ein Bauschild oder eine "Szene"-Kneipe ohne "Belohnungsanzeigen". Häufig sind es auch die Anwohner selbst, die suchen. Eine Erhaltensverordnung könnte Abhilfe schaffen - vielerorts wird Wohnraum zu Spekulationzwecken genutzt. Mieter helfen Mieter e.V. hat erst diese Woche 23 Anzeigen beim Amt gegen Eigentümer erstattet. Foto: erstepresse

"1000 Euro Belohnung!" Die Wohnungssuche in St. Pauli, Schanze und Ottensen stößt an die Grenzen der Perversion. Kaum eine Laterne, ein Bauschild oder eine "Szene"-Kneipe ohne "Belohnungsanzeigen". Häufig sind es auch die Anwohner selbst, die suchen. Eine Erhaltensverordnung könnte Abhilfe schaffen - vielerorts wird Wohnraum zu Spekulationzwecken genutzt. Mieter helfen Mieter e.V. hat erst diese Woche 23 Anzeigen beim Amt gegen Eigentümer erstattet. Foto: erstepresse


Hamburg / Pauli / Schanze / Ottensen (erstepresse). In Teilen von St. Pauli steigen seit einigen Jahren die Mieten zum Teil deutlich. Dies geht aus einer Mitteilung der BSU hervor.  Aufgrund der zentralen Lage des Altbaubestandes und der “attraktiven Gastronomie- und Kulturangebote” habe sich der Stadtteil zu einem begehrten Wohnstandort “auch für einkommensstarke Haushalte” entwickelt. Um einer Verdrängung der angestammten Bevölkerung entgegenzuwirken, habe der Senat nun beschlossen, den Einsatz einer sogenannten “Sozialen Erhaltungsverordnung” (nach § 172 Abs. 1, Satz 1 Nr. 2 des BauGB)
und die damit verbundene Umwandlungsverordnung für St. Pauli zu untersuchen. Vor vier Wochen hatte der Senat dies bereits für Teile von St. Georg beschlossen. Der Senat überlegt ebenfalls Erhaltungsverordnungen für die Stadtteile Sternschanze und Ottensen zu erlassen.

Auf Grundlage einer solchen Verordnung könnte das für St. Pauli zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte prüfen, ob Anträge auf Abriss, umfangreiche Sanierungen und Nutzungsänderungen sowie geplante Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen Auswirkungen auf die Sozialstruktur der Bewohner haben würden und zum Schutz der Struktur im Stadtteil eventuell abgelehnt werden müssten. Wesentliches Ziel sei es, die Bevölkerung vor Verdrängung infolge Luxusmodernisierungen und zunehmender Wohneigentumsbildung zu schützen.


Spekulation mit Wohnraum? Leerstands- und Zweckentfremdungsanzeigen bei Bezirksämtern erstattet

Erst diese Woche hatte der Verein Mieter helfen Mietern e.V. aus dem Schanzenviertel nach etlichen Rückmeldungen und Hinweisen aus der Bevölkerung wieder 23 Anzeigen gegen Eigentümer erstattet.  Marc Meyer aus der Rechtsabteilung des Vereins verzeichnet erste Erfolge in der Kampagne. “Aufgrund der Medienberichterstattung haben wir fast 20 Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. Auch von vielen, die nicht mal Mitglied bei uns sind”, sagt Meyer. Die jetzt erneut erstatteten 23 Anzeigen richten sich zunächst gegen insgesamt drei Eigentümer. Ein Ende sei noch lange nicht in Sicht.  “Viele müssen wir jetzt noch nachrecherchieren”, berichtet Meyer, der eine Zunahme von spekulationsbedingtem Leerstand sieht.

Die gefühlten Preise für Wohnraum in Altona ...

Ergebnis

Vielerorts sind Eigentümer natürlich sehr um die Renovierung und Instandhaltung bemüht, doch in der Branche gibt auch viele schwarze Schafe. Beliebte Methoden sind das Kaputtwohnen, das Dauersanieren, das Leerstehenlassen. Immer häufiger greifen Vermieter zu Tricks, um ihren eigenen Mietern die vier Wände madig zu machen. Zieht der Mieter aus – und die Nachfrage ist sicher – kann man meist mit einem gesteigertnm Mietzins vermieten. Viele Methoden von Maklern und Investmentgesellschaften üben Druck von Außen aus.


“Tatsächlich schützenswert?” – Bürgerbefragung in St. Pauli

Nach dem Aufstellungsbeschluss müsse zunächst nachgewiesen werden, ob St. Pauli auch tatsächlich “schützenswert” sei, so der Senat. Die dazu notwendige Untersuchung wird gerade im Auftrag der BSU durchgeführt und einige Monate dauern. Rund 10 Prozent der Haushalte in St. Pauli werden dazu von einem Institut anhand wissenschaftlich festgelegter Kriterien befragt. Haushalte würden nach “repräsentativen Gesichtspunkten” ausgewählt. Während des Untersuchungszeitraumes könne das Bezirksamt (hier: Mitte) bereits eingehende Anträge auf Abriss, bauliche und Nutzungsänderung für maximal ein Jahr zurückstellen.

Die Bewohnerbefragung wird voraussichtlich zwischen Oktober und Dezember 2010 stattfinden und findet auf freiwilliger Basis statt, schreibt der Senat. Datenschutz sei selbstverständlich gewährleistet. Eine Entscheidung über den endgültigen Erlass einer “Sozialen Erhaltungsverordnung für St. Pauli” wird dann der Bezirk Hamburg-Mitte auf der Grundlage des zu erstellenden Gutachtens voraussichtlich ab Mai 2011 treffen können. Der Senat wird im Laufe des Jahres zudem über eine Untersuchung für den Erlass Sozialer Erhaltungsverordungen für die die Stadtteile Sternschanze und das Osterkirchviertels in Ottensen entscheiden. Zurzeit gibt es in Hamburg nur in der südlichen Neustadt eine Soziale Erhaltungsverordnung (seit 1995), die dort maßgeblich zur Erhaltung der intakten und ausgewogenen Struktur beiträgt.

Beispiel: Verordnung zur Erhaltung Hamburg Neustadt, 1995 (PDF)

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4 Reaktionen für “St. Pauli: “Soziale Erhaltungsverordnung” wird geprüft – Schanze und Ottensen könnten folgen”

  1. Familienvater

    ¿”Wesentliches Ziel sei es, die Bevölkerung vor Verdrängung infolge Luxusmodernisierungen und zunehmender Wohneigentumsbildung zu schützen.”? Davon merken wir nichts.
    Beispiel Ottensen, Verkauf und Auslösung der öffentlich geförderten Wohnhäuser Holstentwiete 23 bis 39 jetzt Aufstockung Penthäuser….Ablauf und Vollzug entspricht dem Absatz über “schwarze Schafe”. Die betroffenen Menschen fühlen sich verraten und verkauft. Ich glaube, das ist vielen im Bezirksamt noch nicht klar. Unsere Kinder, die hier aufgewachsen sind, müssen wegziehen…Blankenesierung.
    Es ist traurig.

    • Christian Trede

      Sehr geehrter “Familienvater”,
      in der Holstentwiete gibt es noch keine Soziale Erhaltensverordnung. Mit Ottensen ist das Osterkirchenviertel gemeint, wofür derzeit die Prüfung zur Einrichtung einer solchen Verordnung läuft. Die GAL -Altona wird sich im Rahmen der Koalitionsverhandlungen dafür einsetzen, dass auch die übrigen Teile von Ottensen und auch Bahrenfeld geprüft werden. Mit diesem Instrument wird die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen erheblich erschwert bzw. kann versagt werden.
      Mit freundlichen Grüßen
      Christian Trede, MdBV-Altona

  2. robbitop

    In Ottensen und St.Pauli ist der Prozess bald abgeschlossen, da gibts dann
    nichts mehr das man schützen könnte, ausser die neue Struktur mit besserverdienenden festzuschreiben, also ein Yuppieschutzgebiet.

    So wird wie immmer für viel Geld geprüft um das offensichtliche herauszufinden, dazu reicht nämlich ein Blick in die einschlägigen Immobilienportale und den Mietenspiegel.

    So kann man schön Zeit schinden, Frau Hajduk findet Ottensens Entwicklung voll Spitze und der neue Wohnungsbeauftragte meinte kürzlich “Aufwertung finden wir alle gut”….damit dürfte der Klüngel aus Stadtmarketing, Immobilenentwicklern und SAGA gemeint sein, nicht etwa der Normalbewohner stadtnaher Quartiere

  3. Heiner Metzger

    Warum wird eine “soziale Erhaltungsverordnung” nicht auch für Altona-Altstadt geprüft ?

    Liegt es an dem Erneuerungskonzeptes des Bezirksamts Altona für Altona-Altstadt ?

    Auf Anfrage des Sanierungsbeirats Altona-Altstadt S5 Große Bergstraße/Nobistor erklärte das Bezirksamt Altona im April 2010: “dass der Einsatz des Instruments der Sozialen Erhaltensverordnung im Sanierungsgebiet nicht möglich ist, da diese den Zielen des Erneuerungskonzeptes entgegenstehen würde.”
    Vielmehr soll bei der Errichtung neuer Wohnungen auch Wohnraum für Haushalte mit mittlerem bis höherem Einkommen gebaut werden. Zudem ist es Sanierungsziel, größere Wohnungen zu errichten.

    Grüße
    von
    Heiner Metzger

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