Rote Flora – PR um und für jeden Preis?

Die "Rote Flora" im Altonaer Stadtteil Sternschanze wurde 1989 besetzt. Foto: erstepresse

Die "Rote Flora" im Altonaer Stadtteil Sternschanze wurde 1989 besetzt. Foto: erstepresse


Altona / Sternschanze (erstepresse). Es ist schon bemerkenswert, was derzeit ein einzelner Eigentümer einer von Außen sichtlich heruntergekommenen Immobilie in Bewegung setzt, um seine “Marke” und den Preis zu bewerben. Was bezweckt der Eigentümer mit kreativen Vorschlägen wie dem “Umfrage-Container” und seiner Lobeshymne auf den ach so hohen Markenwert? Nicht zufällig findet die Diskussion auch gerade jetzt vor dem “Schanzenfest” statt.

Wer über “Markenrechte” spricht – gar irgendwelche Parfums, Textilien und dergleichen in dem Kontext in Aussicht stellt, der sollte auch gewiss einen Eintrag in der Datenbank des Patent- und Markenamtes nachweisen können. Eine kurze Recherche beim DPMA-Register ergab “0 Treffer” bei dem Begriff, der auch kaum eine Chance hätte als Wortbegriff, als sogenannte Wortmarke eine Registrierung zu erhalten. Dies gilt nun mal als Regel für die meisten Begriffe und Kombinationen von Wörtern aus dem Duden. Solange ist die “Rote Flora” also allenfalls ein Begriff mit einem großen regionalen Bekanntheitsgrad, der durch Medienberichte nun nochmal bestätigt wird.

Anders sieht es mit dem Wert des Grundstückes bzw. der Bausubstanz des Objektes, das 1989 besetzt wurde, aus. Während der Substanzwert sich vor allem auf eine erhaltenswerte Bemalung stützt, könnte unter Umständen das Grundstück des ehemaligen Flora-Theaters, das mal ein Musicalhaus werden sollte, etwas dran sein. Kretschmer hatte vor einem Jahrzehnt das Gebäude für 185.000 EUR gekauft – in politischen Kreisen spricht man von 1,2 Mio EUR heute. Der sogenannte Bodenrichtwert pro m² Geschossfläche für “Läden im Erdgeschoss” in der Sternschanze lag laut dem aktuellen “Immobilienmarktbericht Hamburg 2010″ der sich auf Werte aus dem Jahr 2009 stützt, bei 300-405 EUR/m² während er für “Lager und Produktion” bei 189 EUR/m² und für “Bürogrundstücke” bei 224 -238 EUR/m² im Jahr 2009 lag. Je nachdem zu welcher Nutzung es kommen könnte, fällt eine Kalkulation demnach höchst unterschiedlich aus.

“Ich glaube, das ist Preistreiberei”, kritisiert Mark Classen (SPD) die Strategie des Eigentümers. Seiner Ansicht nach nutze Kretschmer die sensible Diskussion und teilweise Angst rund um das Schanzenfest aus. Classen verweist dabei auch auf den gültigen Baustufenplan, der für das Grundstück nach wie vor “Für besondere Zwecke vorbehalten (Theater)” vorsieht. (BS Altona-Altstadt 1. Änderung, PDF). Ohne eine Nutzungsänderung durch die Politik fällt es natürlich schwer einen Preis auszumachen, da es für solche Sondernutzungen kaum marktbewertende Mechanismen gäbe. Die “Kommission für Bodenordnung” bekäme nach Ende der Verhandlungen eine Empfehlung von der Politik und müsse dann entscheiden.

Der Eigentümer halt derweil jeden unternehmerischen Grund, möglichst viele Nutzungen anzuregen und dafür die Öffentlichkeit zu nutzen. Mit einer “Zukunftswerkstatt” frei nach dem Motto “wünscht euch was” möchte Eigentümer Klausmartin Kretschmer die Anwohner selbst mitentscheiden lassen. Im Gespräch mit dem NDR warf Kretschmer der Politik das Versäumnis vor, einen “Prozess” über die Verwendung der Roten Flora nicht bereits angestoßen zu haben. Diese selbst sucht aus den beschriebenen Gründen allerdings keine öffentliche, eher preistreibende Diskussion. Es sei schon relativ kühn zu behaupten, dass die Stadt – obwohl sie kein Eigentümer ist – es versäumt habe, etwas aus der Roten Flora zu machen, sagte der Sprecher der Finanzbehörde Daniel Stricker gegenüber dem NDR. Die Stadt sei zudem äußerst kritisch bei der Frage, ob man Kretschmer sein 10jähriges Nichtstun auch noch durch einen Rückkauf der Flora vergolden solle, so Stricker.

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=21741

geschrieben von bei Aug 2 2010. abgelegt unter Allgemeines, Aus Stadtteilen, Meldungen, News & Meldungen, Politik, Politik Wirtschaft Gesellschaft, Sternschanze, Verwaltung. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

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