Kontrastreich: Vatua l'olla (Barcelona) machte Stimmung - in Hintergrund das alte Frappant-Gebäude. Foto: erstepresse
Kontrastreich: Vatua l'olla (Barcelona) machte Stimmung - in Hintergrund das alte Frappant-Gebäude. Foto: erstepresse

Altona / Altona-Altstadt (erstepresse). „Stamp“ ist vorbei und der erste Eindruck von dem dreitägigen Spektakel in der (Neuen) Großen Bergstraße legt sich langsam. Die Mischung von Essen und Kunst brachte so manche Abwechslung in das Viertel, das einem massiven Aufwertungsdruck unterliegt. Während die Aktion von Besuchern überwiegend begrüßt wird, betrachten einige Anwohner „Stamp“ auch zwiegespalten.

Die ehemalige Spaßparade wurde in diesem Jahr erstmalig nicht während der Altonale und auch nicht im benachbarten Ottensen durchgeführt. Etwas zaghaft begann der erste Tag: Am frühen Freitag Abend war es zeitweilig leer, doch das änderte sich mit dem guten Wetter am Samstag und inbesondere den Sonntag nutzten viele als Gelegenheit für einen Ausflug zu „Stamp“ (Street Arts Melting Pot). Die altonale GmbH hatte die Veranstaltung aus dem eigenen Geschehen des Straßenfestes auf Wunsch mancher Organisatoren und Gesellschafter entkoppelt und dafür dieses eigenständige Format entwickelt.

„Performance Theatre, Buskers Ville, Stamp- Parade und Night Parade, HipHop Culture und Urban Art“ – das sind die Ausdrucks- und Veranstaltungsformate der Aktion gewesen, die nach Angaben des Veranstalters ein Wochenende Phantasie, Kreativität und Emotionen einen künstlerischen Ausdruck auf der Straße verleihen sollten. Zahlreiche Menschen versammelten sich und gaben nach Aufforderungen von Künstlern auch so manches „Hutgeld“. Neben der überwiegenden Begeisterung für die künstlerischen Darbietungen war festzustellen, dass im Gegensatz zur Altonale, keine Initiativenstände, Vereine, Organisationen oder öffentliche Informationsaktionen auf dem wochenendfüllenden Event zu sehen waren. Vor dem Hintergrund, dass gerade Altona-Altstadt das Viertel in Altona ist, das gegenwärtig die stärksten strukturellen Veränderungen durchmacht, war es ernüchternd, dass sich zu künstlerischen Darbietungen fast nur Essbuden und kleine Verkaufsstände gesellten.

STAMP in Altona-Altstadt ...

Ergebnis

Was bleibt, ist in jedem Fall ein abwechslungsreicher Eindruck in bunten Bildern. Weiterhin die Gewissheit für die Anwohnerinnen und Anwohner, dass ihr Viertel zunehmend im Mittelpunkt für solcherlei Events steht. Die Umgestaltung der Bergstraßen ist im vollen Lauf. Zuletzt eröffnete das Neue Forum Altona mit Geschäften, wie Edeka, Aldi oder DM. Neue Ketten und Einzelhandelsgeschäfte verdrängen manche Gewerbetreibende, die schlechte Geschäftsjahre hinter sich haben und steigende Gewerbemieten nicht mehr aufbringen können. Fragt man Anwohner, so wird der Einzug von Aktionen und neuen Geschäften überwiegend begrüßt – ausbleiben soll allerdings die Steigerung von Wohnungsmieten.

Diese Themen haben ihre gestaltende Bühne eigentlich im unweit entfernten Altonaer Rathaus, im Hamburger Senat, der Bürgerschaft oder so manchem Konferenzraum in schicken Bürokomplexen. „Stamp“ ist angetreten, um Straßen-„Kunst“ nach Altona-Altstadt zu bringen – und das wurde eindrucksvoll bewiesen. Stamp hat es am Wochenende vor allem auch geschafft mehr Besucherinnen und Besucher nach Altona-Altstadt zu locken. Ob diese Art von Kunst, wie so häufig betont, „für alle da ist“ (also auch für die Anwohner) sollte dennoch kritisch hinterfragt und nötigenfalls in das nachfolgende Format eingearbeitet werden. Noch ist nach Informationen von altona.INFO vollkommen unklar, ob und wie die nächste Parade durchgeführt werden kann.

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