Die FHH verhandelt derzeit mit Interessenten für den Kauf. Foto: Christian Kaiser
Die FHH verhandelt derzeit mit Interessenten für den Kauf. Foto: Christian Kaiser

Hamburg / Altona (erstepresse). Nachdem die Reederei Rickmers vor einigen Monaten auf die Bebauung der Seefahrtschule verzichtete, war der Ball wieder beim Hamburger Senat. Zwischenzeitlich suchte das Finanzressort nach Interessenten, die sich nach Informationen von altona.INFO bereits zahlreich gemeldet haben.

Der Altonaer Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch (Die LINKE) stellt aktuell eine kleine Anfrage an den Senat, um einige Hintergründe zu einem möglichen Verkauf aufzuklären. Die Finanzbehörde dementiert derweil altona.INFO gegenüber, dass es bereits einen ausgemachten Käufer gäbe. “Die Gespräche laufen zur Zeit noch. Zu weiteren Inhalten können wir noch nichts melden”, sagt Pressesprecher Daniel Stricker. Das Verkaufsverfahren im Einzelnen funktioniert folgendermaßen: Zunächst entscheidet die Verwaltung im Rahmen der Verhandlungen über einen Vorschlag, der dann der „Kommission für Bodenordnung“ zur Entscheidung vorgelegt wird. Die Kommission ist besetzt mit Vertretern der Verwaltung, gewählten Bürgerschaftsabgeordneten und Vertretern des betroffenen Bezirkes und hat allein in Hamburg die Entscheidung über den Verkauf von Grundstücken in Besitz der Hansestadt zu treffen. In Ausnahmefällen wird die Entscheidung – wie kürzlich bei Operettenhaus – auch wieder der Hamburgischen Bürgerschaft überlassen.


Initiative fordert “Die Seefahrtsschule als öffentlicher Ort und Angelpunkt für kulturelles Geschehen”

Bereits vor dem Rückzieher von Rickmers gründete sich die Initiative “annaelbe”, die den Abriss der Seefahrtschule verhindern möchte und den Betrieb als anteiliges Kulturzentrum an der Rainvilleterasse in Ottensen fordert. Das als denkmalwürdig anerkannte Gebäude im Bauhausstil und der umliegende Park sollen – den Vorschlägen von “annaelbe” folgend – in seiner jetzigen Form erhalten bleiben. Auch in der Altonaer Politik deuteten letzte Äußerungen von CDU und SPD darauf hin, dass man sich eine Gemischtnutzung oder eine vollständige Nutzung zu Kulturzwecken vorstellen könnte. Zuletzt forderte Uwe Szensny (CDU) im Juni mit dem Hinweis auf “geänderte Bedürfnisse” eine Neuausschreibung des Verfahrens der Finanzbehörde.

Auszug aus der Kleinen Anfrage des Abgeordneten Norbert Hackbusch (Die LINKE, MdHB)

1.Wurde, nachdem sich die Reederei Rickmers von dem Bauvorhaben auf dem Gelände der Seefahrtschule an der Rainvilleterasse zurückgezogen hatte, das ursprüngliche Auslobungsverfahren weitergeführt? Wenn nein, warum nicht?Wenn ja,
a) mit welchem Wortlaut?
b) mit welchem Verfahren?
c) auf welcher Rechtsgrundlage?
d) mit welchem Ergebnis?
e) welche Stellen bzw. Gremien haben diese Entscheidung getroffen?

2.    Wurde, nachdem sich die Reederei Rickmers von dem Bauvorhaben auf dem Gelände der Seefahrtschule an der Rainvilleterasse zurückgezogen hatte, ein neues Auslobungsverfahren initiiert? Wenn nein, warum nicht?
Wenn ja,
a)    von welchen Stellen bzw. Gremien?
b)    mit welchem Wortlaut?
c)    mit welchem Verfahren?
d)    auf welcher Rechtsgrundlage?
e)    mit welchem Ergebnis?
f)    wurde dabei die Bezirksversammlung an der Erstellung des Ausschreibungstextes beteiligt? Wenn nein, warum nicht?

3. Wurden das Gebäude und das Gelände der Seefahrtschule zwischenzeitlich verkauft?
Wenn ja,
a) zu welchem Zeitpunkt?
b) ist es richtig, dass das Gebäude bzw. das Gelände an die FPC First Properties Company GmbH veräußert worden ist?
c) zu welchem Preis wurde das Gebäude/das Gelände verkauft?
d) wurde bei dem Verkauf das Höchstpreisverfahren oder das Bestgebotsverfahren zu Grunde gelegt?
e) ist der Erhalt des Gebäudes vorgesehen? Wenn ja, welches Nutzungskonzept liegt für das Gebäude vor?
f) ist der Abriss des Gebäudes vorgesehen? Wenn ja, welches Nutzungskonzept liegt für das Areal vor?
g) soll ein neuer Hochbaulicher Realisierungswettbewerb ausgeschrieben werden?  Wenn ja, durch wen und zu wann?
h) inwieweit ist der Erhalt des umgebenden öffentlichen Parks und der dazugehörigen Gebäude vorgesehen? Wenn ja, welches Nutzungskonzept liegt für den Park vor? Wenn nein, warum nicht?

4. Inwiefern folgt der Senat dem Vorschlag des Oberbaudirektors Jörn Walter, nachdem bei Bestgebotsverfahren zu 70 Prozent die Konzeption und zu 30 Prozent der Preis für die Vergabe Ausschlag gebend ist? Inwiefern wurde dies bei der Weiterführung des Auslobungsverfahrens berücksichtigt? Inwiefern wurde/wird dies bei einem neuen Auslobungsverfahren berücksichtigt?

5. Ist eine Beurteilung über die Denkmalschutzwürdigkeit der Seefahrtschule durch das Denkmalschutzamt abgeschlossen? Wenn ja, mit welchem Ergebnis?

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