Der neue Kultursentor macht sich auf, von amtswegen erhaltenswerte Altonaer Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Hier kündigt er die Unterschutzstellung des Hundertwassercafés Ottensen an. V.L. Uwe Szczesny, Reinhard Stuth, Andreas Grutzeck (alle CDU).
Der neue Kultursentor macht sich auf, von amtswegen erhaltenswerte Altonaer Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Hier kündigt er die Unterschutzstellung des Hundertwassercafés Ottensen an. V.L. Uwe Szczesny, Reinhard Stuth, Andreas Grutzeck (alle CDU).

Hamburg / Altona (erstepresse). Eine frohe Botschaft für die engagierten Retter des Hundertwassercafés in der Behringstraße hielt das Wochenende parat. Der neue Kultursenator Reinhard Stuth (CDU) möchte das zur Zeit leerstehende Gebäude in Besitz der Bonner Wohnbau GmbH unter Schutz stellen lassen. Nun läuft die Zeit – das Verfahren müsste schnell abgeschlossen werden, da ein Bauvorbescheid bereits vorliegt. Es ist weiterhin auch unklar, ob nun tatsächlich ein Abriss verhindert werden kann, zumal das geforderte Gutachten auch noch nicht fertiggestellt wurde.

Bei einem Vor-Ort-Termin sagte der erst kürzlich gewählte Kultursenator: „Hamburg hat in den letzten Jahrhunderten immer wieder den Fehler gemacht, historisch oder künstlerisch wichtige Gebäude abzureißen. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, hier etwas gegenzusteuern. Deshalb habe ich nach erneuter Prüfung in meiner Behörde entschieden, das Unterschutzstellungsverfahren für das Hundertwasser-Café einzuleiten. Das Gebäude ist künstlerisch in jedem Fall erhaltenswert und ja deshalb auch so vielen Menschen ans Herz gewachsen. Ich möchte ausdrücklich der Bezirksversammlung Altona und den vielen Altonaer Bürgerinnen und Bürgern danken, die mit ihrem Engagement dafür gesorgt haben, dass das Thema nicht in Vergessenheit gerät“, so Stuth.

Der Vorsitzende der Bezirksversammlung Altona, Andreas  Grutzeck, war mit seinem Parteikollegen Szczesny ebenfalls vor Ort: „Ich freue mich mit der Bezirksversammlung und den Altonaerinnen und Altonaern, dass wir mit dieser Entscheidung des Kultursenators dem Erhalt des Hundertwasser-Cafés einen großen Schritt näher gekommen sind. Ich bin sicher, dass das denkmalgeschützte Café für die geplante neue Wohnbebauung auf dem hinteren Grundstücksteil  eine echte Bereicherung sein wird. „Wohnen im Hundertwasserquartier“ könnte so ein echtes Markenzeichen für Ottensen werden.“


SPD-Opposition bleibt weiter skeptisch

Auch die Bezirksversammlungs-Mitglieder Wolfang Kaeser (SPD) und Gesche Böhlich (GAL) hatten sich in der Vergangenheit stark für den Erhalt des Hundertwassercafés eingesetzt. “Ich bin insofern begeistert, als dass sich unser Antrag nun offensichtlich durchgesetzt hat”, sagt Kaeser (SPD). Gleichzeitig stünde noch das bereits beauftragte Gutachten aus, nach dem sich auch der Eigentümer ausrichten möchte. Zuletzt zweifelte Geschäftsführer Klaus die Standfestigkeit des Gebäudes an, was nun ein Untersuchungsgegenstand des Gutachtens ist, das laut Bezirksamt spätestens im Oktober erwartet wird. “Obwohl ich in Hamburg schon viel erlebt habe, glaube ich, dass Herr Klaus gut beraten wäre, nun entsprechende Planungen vorzulegen”, sagt Kaeser.  Auch im gerade verlängerten Bauvorbescheid sei von einem Erhalt die Rede und auch innerhalb des Bebauungsplanverfahrens zum Plangebiet Ottensen 60 soll nach Informationen von altona.INFO ein Erhaltensgebot einfließen.


Bürgerbegehren läuft weiter – Denkmalschutz in Altona soll vorangetrieben werden

Parallel läuft das Bürgerbegehren zum Erhalt des Cafés weiter, das bereits die erste Stufe hinter sich hat und damit bereits den sogenannten Suspensiveffekt bei den zuständigen Ämtern ausgelöst hat. Obwohl nach Informationen von altona.INFO davon auszugehen ist, dass die Bezirksversammlung dem Begehren beitreten würde, um damit weitere öffentliche Kosten zu vermeiden, ist das Sammeln von Unterschriften weiter notwendig, um auch den Denkmalschutz zu bestätigen. Frank Pieter Hesse, Denkmalpfleger der Freien und Hansestadt Hamburg, erklärte erst kürzlich in einem Gespräch mit altona.INFO, “dem Café fehlt die geschichtliche Dimension“. Mindestens der Abstand einer Generation (25-30 Jahre) löse in der Regel einen Denkmalschutz aus.
Der Denkmalschutz müsse jetzt schnell kommen, darin sind sich die Parteien einig. Die Kehrseite der Medaille ist, dass sehr wahrscheinlich wirtschaftliche Gründe  – auch dies ist ein Untersuchungsgegenstand des Gutachtens – zu höheren Mietpreisen oder im schlimmsten Fall, zu keinen Handlungen des Investors führt. Was durch Nicht-Handeln entsteht, ist bereits an dem Gebäude in der Behringstraße zu sehen, das seit Sommer 2009 vernagelt ist und bereits einen harten Winter ohne Heizuung hinter sich hat.

Nach Informationen von altona.INFO kündigte Senator Stuth auch an, dass er sich “in diesem Sinne in der kommenden Zeit auch um weitere Gebäude in Altona kümmern” werde. Sind damit die Rainvilleterassen gemeint oder die Elbtreppenhäuser? Einen offensichtlichen Dissens zwischen dem Kultursenator und dem Hamburger Denkmalspfleger könnte bereits beseitigt werden: Frank Pieter Hesse würde nach Informationen von altona.INFO sehr wohl die alte Seefahrtschule unter Schutz stellen wollen, dürfe dies jedoch durch Anweisung von oben nicht  (hört man aus Kreisen der Altonaer Politik). Die Unterschutzstellung des Filetstücks “Seefahrtschule” (hier auch eine Bildergalerie) ist zur Zeit ein brandheißes Thema – wie auch – die Rettung des Heuburg-Ensembles, das in seiner geschichtlichen Dimension bereits mehrfach vom Stadtteilarchiv Ottensen bestätigt wurde.

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