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Protest gegen die Schließung des Altonaer Museums: Eine erste Demo ist für Samstag, den 25. September ab 12 Uhr (am Museum) geplant.

Hamburg / Altona. Das hat man davon, wenn man sich immer wieder vom Jungfernstieg aus dirigieren lässt. Mit der Schließung des seit 1863 bestehenden Altonaer Museums hat Hamburg der ehemaligen Stadt Altona nicht nur kräftig in die Suppe gespuckt, sondern städtische Urgefühle auf den Plan gerufen. Die angeblichen Einsparungen in Höhe von 3,445 Millionen Euro, die man sich pro Jahr schönrechnet, sind “vollkommen aus der Luft gegriffen”, sagte Museumsdirektor Prof. Hinrichsen. Vor dem Altonaer Museum steht der Kern der Aufregung in einem Satz: “Altonaer Museum bleibt – Schließung ist teurer”

Wie berichtet will sich der Hamburger Senat nach seinen jüngsten Ankündigungen das Altonaer Museum sparen. Wörtlich heißt es in der von Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) vorgelegten Sparbroschüre: “Die Stiftung Historische Museen in Hamburg wird sich künftig auf drei Standorte konzentrieren. Das Altonaer Museum wird als Teil der Zusammenführung der historischen Museen in 2011 geschlossen.” Davon unberührt bleiben sollen das Jenisch-Haus und das Rieck-Haus. “Die Sammlung soll erhalten bleiben”, heißt es auch weiter. Im Zuge des stattfindenden Reformprozesses soll ermittelt werden, an welchen Standorten die Altonaer Exponate gezeigt werden sollen. Ohne dafür weitere Angaben zu machen, beziffert der Senat das Einsparpotential durch die Schließung des Altonaer Museums auf 3,445 Millionen Euro.

Kalkulation passt vorne und hinten nicht

Man muss gewiss kein Finanzprofi sein, um nachvollziehen zu können, dass die Schließung eines solchen Standortes mit hunderttausenden Exponaten (640.000 insgesamt in der Stiftung) erhebliche Kosten verursacht. Sämtliche Mitarbeiter sind zudem unkündbar, arbeiten im öffentlichen Dienst. Personalkosten werden demnach nicht effektiv gespart und da die Stadt über die HGV ein eigenes Objekt anmietet, fallen auch hierfür keine effektiven Ausgaben im Haushalt an: Linke Tasche – Rechte Tasche.
Von dem angeblichen Sparvolumen in Höhe von 3,445 Millionen Euro sind allein 1 Millionen Euro direkte Mietkosten, während die Personalkosten für die 70 Mitarbeiter (ehrenamtliche 235) 1,1 Millionen Euro betragen. Unterm Strich ist mit der Schließung des Standortes in der Museumsstraße so gut wie nichts gespart. Museumsdirektor Hinrichsen spricht von einer “totalen Liquidierung” und sieht “wesentlich mehr Kosten als Einsparmöglichkeiten”.  Zusätzliche Kosten dürften für den Umzug und die Bewirtschaftung der Werke an anderen Standorten entstehen. Von “Sparen” kann also kaum die Rede sein, zumal die 3,445 Mio. Euro laut Angaben der Finanzbehörde auch “aufwachsend” und auf den gesamten Zeitraum bis 2014 gemeint sind. Unwahrscheinlich ist zudem, dass es überhaupt Interessenten für den Kauf oder die Anmietung des “Objektes” gibt, das in seiner Struktur für kaum etwas anderes als einen Museumsbetrieb geeignet ist. Überdies wurde das Objekt nach Informationen von altona.INFO bereits zweimal von der Stadt beliehen – auch dieser “Umstand” – der in der Privatwirtschaft einem Verbrechen gleicht – müsste vorher aus den Büchern beseitigt werden. Auf Anfrage von altona.INFO verneint die Finanzbehörde, dass es bereits Miet- oder Kauf-Interessenten für das Gebäude in der “Museumsstraße” (die nächstens Jahr einen neuen Namen bräuchte) gibt. Mindestens 3 Mio Euro müsste man ja erlösen, um allein die kürzliche Investition in den ebenso teuren Umbau der Eingangshalle zu kompensieren.

Ein schwerwiegender juristischer Umstand wurde ebenfalls nicht bedacht. Neben den langfristigen Verträgen sind auch viele der 640.000 Objekte nach Informationen von altona.INFO von privaten Stiftern und ihren Erben für den ausschließlichen Zweck der Ausstellung im “Altonaer Museum” oder der Stiftung überlassen worden. In dem Augenblick, in dem die Werke nicht ausgestellt oder eben nicht speziell in dem angedachten Altonaer Museum gezeigt werden, greift die testamentarische Klausel des “Groben Undankes” mit der automatisch Rückübertragungsansprüche ausgelöst werden. Dies bestätigt auch Museumsdirektor Hinrichsen: “Jede Übereignung an das Haus, die von falschen Voraussetzungen ausging, wird anfechtbar.” Das Museum schätzt den Anteil der überlassenen Werke an der Gesamtausstellung auf etwa 20% der gesamten Exponate (ca. 130.000). Insbesondere in den letzten Jahrzehnten kam es zu Schenkungen.

Prof. Lisa Kosok, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Historische Museen Hamburg und Prof. Torklid Hinrichsen, Direktor des Altonaer Museums. Foto: Christian Kaiser
Prof. Lisa Kosok, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Historische Museen Hamburg und Prof. Torklid Hinrichsen, Direktor des Altonaer Museums. Foto: Christian Kaiser

Prof. Lisa Kosok, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Historische Museen Hamburg: „Mir blutet das Herz. Diese Entscheidung der Politik trifft die Stiftung mitten in einem strategischen Entwicklungs- und Modernisierungsprozess. Erstmalig wird in Deutschland ein großes Museum mit einer über hundert jährigen Tradition geschlossen. Ich frage mich, ob der Senat wirklich andere Alternativen geprüft hat als tatsächlich eine Kultureinrichtung zu schließen und damit ein weithin sichtbares Fanal auszusenden. Da hat Hamburg als Kulturmetropole auf ganzer Linie versagt. Die Chance, eine gute Lösung für die Historischen Museen Hamburgs zu erarbeiten, ist mit dieser Aktion vereitelt worden. Wir „ackern“ seit zwei Jahren unermüdlich an einem Stiftungsentwicklungsplan, der die Zukunft aller Häuser sichern soll. Für einen läppischen Beitrag zum Sparvolumen wird in Kauf genommen, dass faktisch wie symbolisch verheerender Flurschaden angerichtet wird und alle Bemühungen umsonst waren. Es wird nicht einfach sein, motivierten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die für ihr Haus einstehen, klar zu machen, dass man ihnen ihre Heimat nimmt. Natürlich ist gesichert, dass niemand auf die Straße gesetzt wird, aber die emotionalen Schäden sind beachtlich.“

Prof. Torkild Hinrichsen, Direktor des Altonaer Museums: „ Diese für uns überraschende Entscheidung trifft die Stiftung mitten in ihrem Entwicklungs- und Veränderungsprozess. Erstmalig wird in Hamburg ein städtisches Museum geschlossen. Wir bedauern diese Entscheidung nicht nur zutiefst, wir sind fassungslos ob soviel Unvernunft. Kulturpolitisch ist die Entscheidung ruinös. Verliert die Stadt Hamburg mit dem Altonaer Museum doch eine für die Stadt und Metropolregion Hamburg wichtige und traditionsreiche Kultureinrichtung, ferner ist es ein fatales Signal gegen einen Kulturstandort Hamburg und gegen die Kulturlandschaft in Deutschland, eine Blamage.“

Olaf Scholz, MdB, Landesvorsitzender der SPD: „Das Altonaer Museum hat eine lange Tradition und viele treue Besucher. Das kulturelle Erbe Altonas darf jetzt nicht einer Luftbuchung zum Opfer fallen. Ein ständiges Hin und Her ist keine solide Haushaltspolitik. Noch nicht mal vor einem Jahr wurde der Neubau des Eingangsbereiches mit 3 Millionen von der Stadt finanziert und nun sollen angeblich 3,4 Millionen durch die Schließung gespart werden. Es ist sehr zu bezweifeln, dass da kurz- und mittelfristig ein Spareffekt eintritt.“

Uwe Szczesny (CDU), Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung reagierte entsetzt auf die Schlagzeile und sagte noch vor der Verkündung: “Das wäre eine Katastrophe für Altona, zumal gerade Altona eine eigenständige Stadtgeschichte hat.” Dieses Stück Identität historisch zu beschneiden sei “mehr als unverantwortlich”.

Norbert Hackbusch (Die LINKE), stellvertretender Vorsitzender und kulturpolitischer Sprecher , erklärt: „Der Kulturbereich ist besonders hart getroffen: Der Etat der Behörde sinkt von 305 Mio. 2011 auf 265 Mio. 2012. Die Schließung des Altonaer Museums, die Kürzungen bei Bücherhallen und Schauspielhaus sind der vorläufige Gipfel des kulturellen Kahlschlags von Schwarz-Grün. Die Schließung des Altonaer Museums ist ein Angriff auf die kulturelle Identität Altonas – die Verwirklichung des Groß-Hamburg-Gesetzes von 1937. Altona wird sich gegen die Zerstörung seines kulturellen Gedächtnisses wehren.“

Gesche Böhlich (GAL), Fraktionsvorsitzende in der Bezirksversammlung: “Ich bedaure die Schließung des Altonaer Museums zutiefst. Die Kulturstätte hat zur Identitätsbildung aller Altonaerinnen und Altonaer beigetragen. Aber die Bestände sind gesichert, es wird nicht zu Entlassungen kommen und auch die beiden Außenstellen, Jenisch Haus und Rieck Haus, bleiben uns erhalten.”

Nachtrag: Bezirksversammlung Altona zum Altonaer Museum auf der Sitzung am 23. September.

Weitere Infos, Erste Demo

Eigentlich ist es vollkommen egal, wen man hierzulande in Altona fragt. Viele Altonaerinnen und Altonaer treten für eine breite Solidarisierung für die kulturelle Identität von Altona ein. Doch noch brauchen die Altonaer Zeit, um aus der Narkose des operativen Eingriffs zu erwachen. Eine spontane erste Demo für Samstag, den 25. September ist ab 12 Uhr bereits “in Anmeldung”. Treffpunkt das Museum. Ob wirklich eine Heilung des amputierten Patienten einsetzt ist dennoch mehr als ungewiss. Während manche schon die Dänen zur Hilfe rufen und vorschlagen den ganzen Bezirk wieder zurück an Dänemark zu verkaufen, malen die anderen bereits ihre “Recht auf Altona”-Plakate. Altona ist für sich genommen eben nicht nur ein Bezirk, sondern eine Stadt, die tatsächlich ein eigenes kulturelles Erbe hat. Nebenbei trägt der Bezirk Altona mit einem weit überproportionalen Anteil zu dem Steueraufkommen für Gesamt-Hamburg bei, wie aus der zuletzt erhobenen Lohn- und Einkommenssteuerstatistik vom Statistikamt Nord (2004) hervorgeht. Das dürfte an den Finanzakrobaten nicht wirklich spurlos vorbeigegangen sein. Stoppen können die Pläne indes die Bürgerinnen und Bürger von ihrer Seite aus vermutlich nur durch ein Volksbegehren. Beim Zustandekommen eines Begehrens mit knapp 10.000 Unterschriften wäre die Verwaltung zunächst gelähmt.

Nachtrag: Das Altonaer Museum hat eine Unterschriftenaktion gestartet (PDF). Auf Facebook gibt es ein Unterstützerblog.

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30 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Natürlich kann sich niemand über die Schließung eines Museums freuen. Es ist aber leider unumgänglich, dass wir endlich weniger Schulden machen (was ja mit sparen nichts zu tun hat). Und eigentlich greift der sogenannte „Spar-Haushalt“ noch viel zu kurz.
    Das Altonaer Museum halte ich für einen geeigneten Spar-Gegenstand. Die „integrative Leistung“ des Museums ist nun wirklich begrenzt, die Besucherzahlen sind vergleichsweise gering. Endlich wird mal nicht nur an Sozialprojekten gespart, sondern auch mal an jenen Projekten, die mehrheitlich jene Menschen mit einer höheren Schuldbildung besuchen. Und an solchen Angeboten herrscht nun wahrlich kein Mangel in dieser Stadt.
    Argumente wie: „Personalkosten lassen sich nicht einsparen, weil alle festangestellt sind“, sind schlimmste Besitzstands-Wahrung. Denn mit diesem Argument ließen sich alle Einsparungen im öffentlichen Bereich torpedieren. Als begründe der bestehende Personalstock ein ewig währendes „weiter so“! Warum sollen Mitarbeiter im öffentlichen Dienst eigentlich unkündbar sein? Sie sind doch keine Beamte und die Schließung eines ganzen Zweiges reicht für eine betriebsbedingte Kündigung, auch seitens der Stadt.
    Was ich wirklich bedaure, ist die sehr einseitige Berichterstattung von altona.info. Ihr bemüht Euch nicht mal um Ausgewogenheit, sondern schreibt einen langen, feuilletonistischen Kommentar. Das kann man natürlich machen – aber die Kennzeichnung als „Kommentar“ gehört zur journalistischen Grundstock.

    • Danke für die Kritik an der Berichterstattung und auch Ihre Meinung. Es handelt sich um den bereits dritten Bericht in Folge der gesamten Berichterstattung zu diesem bedeutungsvollen „Ereignis“ (in einer Woche) rund um das Altonaer Museum. Die Sprachwahl ist mit Sicherheit plastisch, jedoch handelt es sich noch lange nicht um einen „Kommentar“. Dieser wäre tatsächlich auch entsprechend gekennzeichnet.

      • Nur ein paar Zitate aus dem Artikel, die nach meinem Gespür für Meinung ein etwas anderes Bild ergeben:
        „Das hat man davon, wenn man sich immer wieder vom Jungfernstieg aus dirigieren lässt.“
        „Von “Sparen” kann also kaum die Rede sein.“
        „Unterm Strich ist mit der Schließung des Standortes in der Museumsstraße so gut wie nichts gespart.“ („Nichts“ bedeutet nach der Logik des Artikels immerhin 1 Mio. Euro)
        „Eigentlich ist es vollkommen egal, wen man hierzulande in Altona fragt. Viele Altonaerinnen und Altonaer treten für eine breite Solidarisierung für die kulturelle Identität von Altona ein.“

        • Lieber Herr Munz,

          sie stört die „einseitige Berichterstattung“ von altona.info? Ich dagegen begrüße sie sehr, denn sie bezieht Stellung, zeigt Courage und schreibt keine vorauseilenden Nachrufe wie bereits ein großes Hamburger Printmedium.

          Das Altonaer Museum halten Sie also für einen geeigneten „Spar-Gegenstand“? Lassen Sie mich raten und ein wenig polemisch werden: Weder wohnen Sie in Altona noch haben Sie eine Familie, mit der Sie z.B. an verregneten Sonntagen wie diesem als Mensch „mit einer höheren Schulbildung“ (sorry, so lesen Sie sich auch an), aber wenig Geld, einen schönen Ausflug in die hanseatische Kulturgeschichte machen können. Das machen nämlich mehr Altonaer Familien als Sie denken. Und es ist allemal besser, als vor der Glotze abzuhängen oder Playstation zu daddeln.

          Die Schließung des „Gegenstands“ Altonaer Museums wäre ein intransparenter, unhanseatischer Akt, der das Ansehen unserer Stadt nicht nur kulturell bundesweit schädigen würde. Da spielen rückläufige Besucherzahlen und ihr skurriler Drang, den „Bildungsbürgern“ mal – mit Verlaub – den Finger zu zeigen, wahrlich keine Rolle.

          Mein Fazit: Ich habe bis jetzt als Bürger Altonas noch von keinem Befürworter der drohenden Schließung – auch von Ihnen nicht – „echte“ Argumente dafür gehört. Nur Nebelkerzen!

        • Hallo Herr Munz,

          vorausschicken möchte ich, dass wir hier lokaljournalistische Arbeit für Altona machen. Das hat am Rande mit Hamburg zu tun.

          a) Einleitend wird deshalb deutlich herausgestellt, dass diese Entscheidung auf der politischen Ebene des Hamburger Senats und keinesfalls in Gremien aus dem Bezirk Altona getroffen wurde.

          b) ‚Vom Sparen kann „kaum“ die Rede sein‘ ist nach allen Recherchen sachlich richtig. Nach Info der Finanzbehörde ist die veranschlagte Summe über einen vierjährigen Zeitraum zu betrachten. In ihrer Aufsummierung haben Sie zudem die Einnahmen vergessen, die es jährlich gibt. Eine zweimalige Auskunftsanfrage in der Kulturbehörde nach einer dezidierten Kostenkalkulatiion für die Jahre 2011-2014 hatte keinen Erfolg. Es liegt auch aus anderen Erkenntnissen (Protokolle aus der Bürgerschaft) der Schluss äußerst nah, dass es keine gründlichen Kalkulationen und Vorbereitung dazu gab/gibt (von Maßstäben kaufmännischer Planungen ganz zu schweigen).

          c) Es gibt in Altona tatsächlich eine eigentständige „kulturelle Idendität“, für die die hier Aufgewachsenen und viele der hier lange Lebenden eintreten. Das hat sehr viel mit Geschichte, u.a. dem Umstand zu tun, dass Altona eine vollkommen eigenständige Stadtgeschichte hat und auch aus historischer Sicht noch nicht wirklich lange zu Hamburg gehört. Dafür gibt es etliche Quellen und weitere Erkenntnisse dafür ziehen wir aus hunderten Gesprächen hier vor Ort.

          Unter diesen Maßstäben halte ich die von Ihnen kritisierten Punkte und auch den gesamten Bericht für sachlich richtig. Es handelt sich nicht um einen Kommentar.

  2. Liebe Altona.info-Redaktion,
    danke erst einmal für die tolle journalistische Arbeit zum Thema! Nirgendwo sonst konnte ich bisher so viele neue Aspekte dazu lesen. Weiter so! Eine Bitte: Die von euch angesprochene erste Demo gegen die Schließung des Altonaer Museums am Samstag, den 25. September ab 12 Uhr vor dem Museum solltet ihr noch deutlicher auf eurer Homepage heraus stellen. Sie wird sehr leicht übersehen.

  3. Richtig so!

    Wozu braucht Hamburg 4 Stadthistorische Museen?
    Das Altonaer ist das schwächste und hatte jahrelang genug Möglichkeiten sich neu und ansprechend zu positionieren.

    Das ist nicht erkennbar geschehen!

    90% des Inventars sind im Museum f.hamb. Geschichte genausogut aufgehoben.

    Das wirklich gute am Altonaer Museum sind seine Außenstellen, wie zB. unser Jenischhaus, die aber ja auch erhalten bleiben sollen. Ansonsten sehe ich kaum Altona-Bezug und halte das Haus für entbehrlich.

    Die Aufregung der Politik, isb. eines Herrn Sceszny von der CDU sind nichts weiter als populistische St.Florians-Äußerungen.

      • @Dirk,

        ja, gern.

        Dieses ewige Besitzstandsdenken geht einem langsam auf die Nerven.

        das Problem ist sozial-kulturellen Bereich ist doch, dass zu viele Träger und Institutionen arbeiten. Hier geht es, habe ich manchmal das Gefühl, nicht darum praktisch etwas für Betrioffene/die Kultur zu tun, sondern sich selber Pöstchen zu schaffen-und wenn mal ausgemistet wird, ist das Geheul groß.

        „Altona wird eine kulturelle Identität genommen“.

        Das ich nicht lache, es geht wohl eher darum zweit-und drittklassigen „Künstlern“ und eine Museumsverwaltung durchzufüttern. Wenn es rein um die Sache ginge, wären 2 gute Hamburger Stadtmuseen besser als 4 mittelmäßige. Stichwort Stärkung durch Konzentration.

        Argument: Und kein Museum außerhalb der City:

        Was ist so schlimm daran 2,3 KM Luftline zum Museum für hbg. Geschichte zu fahren?

        Das Sparpaket ist nach einigen Korrekturen doch halbwegs ausgewogen. Nur den PR-Gag „Umwelthauptstadt 2010“ sollte man sich sparen.

        • Das Tamm-Museum bekam 30 Mill. vom Hamburger Senat geschenkt, für ein „drittklassiges“ Angebot. Die meisten „Träger und Institutionen“ im „sozial-kulturellen Bereich“ arbeiten mit Ehrenamtlichen und/oder 1€-Jobbern. „Ausgemistet“ liest sich ja ganz streng, das erinnert doch sehr an Horakova/Schill/CDU.
          Das „Besitzstandsdenken“ sollten Sie den Hamburger Millionären mal vorwerfen, mit der Wiedereinführung der Vermögenssteuer und einem Prozent mehr Einkommenssteuer wären viele Sparmaßnahmen an sinnvoller Stelle möglich.

          • Wir werden nicht weiter kommen, wenn wir immer nur auf die anderen, in diesem Fall die Milionäre zeigen. Sie haben ja recht, dass das Geschenk an Tamm damals ein Fehler war und dass man an der Einkommensteuer schrauben könnte.
            Das ändert aber nichts daran, dass die Schließung des Altonaer Museums eine sinnvolle Sparmaßnahme ist, erst recht wenn man die langzeitige Auswirkung betrachtet.

            • Wie meinen Sie das mit den „langzeitigen Auswirkungen“? Wie sehen die Ihrer Meinung nach aus? „Event- und Shoppingparadies Museumsstraße eröffnet“ ?

  4. Sparen muss sein. Aber vor Kurzem wurde das Museum aufwendig renoviert und jetzt geschlossen… Es ist jedem klar, wo das Geld hinfliesst.

    Man muss kein Fachmann sein, um zu erkennen, wie kurzsichtig da geplant wurde und ob überhaupt geplant wurde.

    Die Elbphilharmonie wird so unverschämt teuer werden. Dagegen verblasst die Staattsoper mit seinen 50 Mio. Jahresetat. ich kann nur hoffen, dass die Rechnung der Politiker aufgeht, und die EP das Geld wieder in die Kassen (u.a für die Kultur zurückspült) ansonsten haben wir in HH ein echtes Problem durch Fehlplanung.

  5. Ich finde es unfassbar. Als Mitglied des Ausschusses für Kultur und Bildung in Altona (GAL) bin ich sauer. Da reden wir seit Jahren über andere Möglichkeiten. Das Museum selbst hat so gute Pläne entwickelt. Ein Café sollte eröffnet werden, der kürzliche Umbau … Das kann nicht sein! Vor allem wenn man sieht, das die Einsparungen kaum etwas bringen.
    So ein Gebäude in der Lage ist trotz der Kosten sehr attraktiv. Es könnte auch nur von einem sehr großen Investor übernommen werden. Wenn da mal nicht ganz andere Interessen dahinter stehen, die erst nach der Empörungswelle erkennbar werden. Als Interessent würde ich mich zur Zeit auch erst einmal bedeckt halten.

      • Das ist doch nun auch komplett unsachlich. Ich finde, der Sparplan hat ganz klar grüne Züge, es geht mit so viel weiter: den Geschichtswerkstätten etc. pp. Immer gleich alle abwatschen ist auch nicht sehr konstruktiv. Und die Schulden stammen aus Zeiten, in denen die Grünen noch gar nicht an der Macht waren. Es ist umso erstaunlicher, daß schwarz-grün nun so entschlossen zupackt. Ganz ehrlich: die haben ganz viel zu verlieren. Ich wähle jetzt nur noch Parteien, die mir die Wahrheit sagen und Sparen!

        • Die Schliessung des Altonaer Museums ist also „(k)ein ganz klarer grüner Zug“ oder war das nur unsere liebe CDU, lieber Dirk (du scheinst ja Insider zu sein)?
          Und an dich und deinen Freund Simon gerichtet: Das Altonaer Museum ist also das „schwächste“ und muss deswegen sterben? Schön, dass CDU- und grüne Politiker Hamburger Kultur nur noch aus betriebswirtschaftlicher Sicht sehen. Dafür haben wir sie (nicht) gewählt, oder? (nur für den Notfall: Ironie).
          Glaub mir, wie ich denken sehr viele Altonaer:

          Es reicht! Das Altonaer Museum darf nicht sterben!

          Wir sehen uns morgen am Samstag um 12:00 Uhr vor dem Altonaer Museum zur ersten von vielen Demonstrationen, zu der auch viele Grüne und CDU-Wähler kommen werden. Da kannst du wetten.

  6. Liebe Leute,

    wo sollen wir denn anfangen zu sparen? Wann sollen wir anfangen, nicht mehr auf Kosten der nächsten Generationen und für die Zinsenberge zu arbeiten?

    Ich finde das Sparpaket super. Natürlich ist es schade um das Altonaer Museum, aber es hatte von den Regionalmuseen die schlechtesten Besucherzahlen, die Sammlungen bleiben erhalten, keine Entlassungen. Irgendwo muss es anfangen! Und wer war denn in den letzten Jahren dort?

    Klar, erst drei Millionen in den Eingang investieren und nun Schluß – idiotisch. Klar, 14 Jahre noch Miete zahlen – undurchsichtig. Klar, Scheiß Prestigeobjekt Elbphilharmonie.

    Aber nun haben wir ein Sparpaket, das sich endlich traut, das nicht entlässt, das bei Beamten anfängt und Kitas erhält. Können wir als Bürgerinnen und Bürger nicht jetzt auch mal konstruktiv sein und nicht immer nur dagegen. Es ist das Geld unserer Kinder!

  7. Da reden nun alle schön über Integration, wohin sollen aber nun alle die Neu-Hamburger integriert werden, wenn man den Integrationspunkt der eigenen Geschichte so gering schätzt?

    Das war ja wohl noch nicht das letzte Wort, und es wird Zeit für einen anderen Senat, der die richtigen Schwerpunkte setzt. Besser jetzt als später.

  8. Da bekommt das Museum erst einen schönen, neuen und einladenden Eingang und nun soll es geschlossen werden. Denkt hier eigentlich jemand auch nur bis morgen? Mit Sparen ist noch keine Zukunft gestaltet worden. Kluges Investieren in Vielfalt ist gefordert – vor lauter Elbphilharmonie gerät der Rest aus dem Blick.
    Kultur muss aber auch alternative Finanzierungsstrategien suchen. Der Bundesrechnungshof hat einmal nachgewiesen, daß es es für Museen klüger ist Fundraising zu betreiben und Kulturinterssierte langfristig zu begeistern.
    Aber wenn das Wasser bis zum Hals steht ist es für Strategien häufig zu spät … aber resignieren geht auch nicht!

  9. So ungerne ich das sage, aber ist ein Volksbegehren in dieser Angelegenheit überhaupt zulässig?
    Gemäß §1 des „Hamburgisches Gesetz über Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid“ können „*Haushaltsangelegenheiten*, Abgaben, Tarife
    der öffentlichen Unternehmen sowie Dienst- und Versorgungsbezüge (…) nicht Gegenstand von Volksinitiative und Volksbegehren sein.“

    • Hm, es ist ja ganz erfreulich, dass endlich mal Position bezogen wird.
      Aber war das alles nicht voraussehbar?
      Plötzlich Altoner-Pariotismus?

      Wo sind denn die Steuergelder? Wir sind die reichste Stadt! Mehr Millionäre als anderswo.
      Ich hätte da wirklich gerne eine Antwort drauf.

      Allein der Gedanke, dass dieses Museum für eine Prestige-Event-Opera geopfert werden soll – unfassbar!

      Es gibt zwei wunderbare Filme auf Youtube von Demokratiefan,
      (http://www.youtube.com/user/Demokratiefan), die das hervorragend veranschaulichen.

      Seht Euch die mal an.
      Sabine

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