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Altonaer Museum lädt zum “Solidaritätsfest” – bis Sonntag sollen 10.000 Unterschriften vorliegen

DSC_9600 Altona (erstepresse). Zwischenzeitlich hat sich eine Menge getan und die Berichterstattung kommt kaum hinterher. Bis auf die CDU haben sich nahezu alle Parteien aus Altona solidarisch für den Erhalt des Altonaer Museums ausgesprochen. Nach der ersten Demo am vergangenen Wochenende und einem laut-stillen Protest auf den Feierlichkeiten zum 700. Geburtstag von Ottensen, stehen für das Wochenende wieder neue Proteste an, u.a. eine Demo bei der Platzeinweihung (Flottbeker Markt und den Fernando-Lorenzen-Platz) zu der auch der Erste Bürgermeister Ahlhaus erwartet wird und das Solidaritätsfest des Altonaer Museums am Sonntag, dem 3. Oktober.

Das Netzwerk des Museums scheint gut zu funktionieren. Die Presse berichtete umfänglich (u.a. NDR, ZEIT, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung,  Welt, TAZ, Abendblatt, Stern) über die jüngsten Ereignisse. Museumsdirektor Torkild Hinrichsen bekräftigte anlässlich der 700-Jahr-Feier von Ottensen am vergangenen Mittwoch, den Protest intensivieren zu wollen, der – angefeuert von Initiativen, Stiftungen, Gewerkschaften, Parteien – nun längst eine Eigendynamik hat.

Altonaer Museum mit dem Hamburger Kinder- und Jugendkulturpreis ausgezeichnet - Politische Mehrheit in Altona für den Erhalt

Bei der diesjährigen Verleihung des Hamburger Kinder- und Jugendkulturpreises durch die Dr. E. A. Langner-Stiftung am 28.09. 2010 in der Bucerius Law School wurde der interaktiven Kinderabteilung im Altonaer Museum, dem KINDEROLYMP, der mit 2.000 Euro dotierte Anerkennungspreis verliehen. Die Zweite Bürgermeisterin, Christa Goetsch aus Ottensen, erklärte in ihrem Grußwort, wie sehr die „Wahrnehmung und Wertschätzung der Hamburger Kinder- und Jugendkultur durch innovative Projekte gestärkt worden ist“ und betonte die Bedeutung der „Nachhaltigkeit“ solcher Projekte.

Ihr Parteikollege Sven Kuhfuss (GAL Altona) hatte sich bereits vergangene Woche bedrückt über die Schließung des Altonaer Museum auf der Sitzung der Bezirksversammlung Altona geäußert. Nun legte er auch nach: „Die geplante Schließung des Altonaer Museums haben wir mit Unverständnis zur Kenntnis genommen. Es gibt keinen Ersatz für diese Kulturstätte, die zur Identitätsbildung aller Altonaerinnen und Altonaer beiträgt. Der im Jahr 2008 eingeleitete Erneuerungsprozess durch die Zusammenlegung der vier stadthistorischen Museen Hamburgs war richtig. Ich setzte mich dafür ein, dass ein Dialog zwischen dem Altonaer Museum, der Stiftung historischer Museen Hamburg und der Kulturbehörde in Gange kommt, um Alternativen zu prüfen.”

Die Bürgerschaftsabgeordneten Gabi Dobusch und Arno Münster (SPD) gehen aus dem Blickwinkel der Opposition weniger zimperlich mit der Entscheidung des Senats um. Unlängst starteten sie eine Kleine Anfrage an den Hamburger Senat, um auch die Hintergründe der angeblichen Einsparungen zu erfahren. Die SPD befürchtet insbesondere, dass das Gebäude des Altonaer Museum zu einem Spekulationsobjekt auf dem Immobilienmarkt verkommen könnte. So schreibt etwa Arno Münster “Die vom Senat beabsichtigte Schließung des Altonaer Museums ist nicht nur ein Angriff auf das kulturelle Herz Altonas, sie wirft auch brisante Fragen über die Zukunft des Gebäudes an einem der exponiertesten Standorte Altonas auf. Das Gebäude in der Museumstraße ist auf der Liste der erkannten Denkmäler eingetragen. Der gültige Bebauungsplan weißt das Grundstück als Gemeinbedarfsfläche aus. Angesichts der Einsparungsziele des Senates und der Entwicklung der Grundstückspreise in Altona und Ottensen besteht die Befürchtung, dass die Stadt Hamburg aufgrund der desolaten Haushaltslage nun versucht, nicht nur eine bedeutende kulturelle Einrichtung zu schließen, sondern auch das zentral gelegene Grundstück zu verwerten und einer für die Stadtentwicklung abträglichen Nutzung zuzuführen.”

Die FDP fragt sich derweil ob zwischen Hamburg und Altona eine “Jahrhundertfeindschaft” besteht. Zunächst sei das Altonaer Museum in eine Stiftung eingebracht worden, die ein musealer Gemischtwarenladen sei. Die einzige Verbindung sei eine Eigentümerschaft und die gemeinsame Aufgabe mit dem Geld, das zur Verfügung steht, auszukommen. “Ein gemeinsames Konzept, eine starke Vermarktung, ein überregionaler USP – alles Fehlanzeige. Der jetzt veröffentlichte Beschluss, das Museum für Altona und das Priorat Pinneberg zu schließen, konnte niemand mehr wirklich überraschen”, schreibt die FDP. Der Beschluss sei bereits vor Jahren eingeleitet worden.

Für Altona sei der Verlust des Museums auch ein Identitätsverlust, meint Martin Scharlach, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion Altona: „Museen in Hamburg zählen nur, wenn sich starke Persönlichkeiten dafür einsetzen. Mit der Entscheidung von Finanzsenator Peiner (CDU) der privaten Tamm-Stiftung mindestens 30 Mio. Euro und ein wertvolles Grundstück zu schenken, wurde deutlich welchen Stellenwert die öffentlichen Einrichtungen für diesen Senat und die Mehrheit in der Bürgerschaft haben. Erst kümmert man sich nicht und dann zieht man sich zurück.” Die FDP in Altona habe bereits vor 7 Jahren darauf hingewiesen, dass die Tamm-Stiftung die öffentlichen Museen “kannibalisieren” wird. “Die FDP will mit den demokratischen, bürgerlichen Kräften für einen Erhalt des Altonaer Museums kämpfen. Hamburg muss lernen, dass die Bürger in Bezirken und Stadtteilen leben und dort ihre Identität suchen”, sagt Scharlach.

Die Ottenser Kämpfer von gestern wollten auch heute kämpfen – Initiative gegründet

Es hat keine Woche nach der Verkündung des Sparbeschlusses gedauert, da gründete sich unter Leitung der Ottenser/innen Dr. Elisabeth von Dücker, Peter Schwanewilms, sowie Aram Ockert die Bürgerinitiative “Altonaer Museum Bleibt!”, die unabhängig vom Museum operiert und sich jetzt jeden Donnerstag ab 19.00 Uhr in den Räumen des Stadtteilarchivs Ottensen in der Zeißstraße 28 trifft. Elisabeth von Dücker feierte bereits 1982 Erfolge durch eine maßgeblich von ihr geprägte Ottensen-Ausstellung in dem Altonaer Museum, das selbst auch geographisch in dem Stadtteil liegt. Über 70.000 Besucher hatte die Ausstellung seinerzeit angelockt, die das Identitäts-und Geschichtsbewusstsein vieler Menschen in Altona dadurch schärfte. Die Initiative hat sich auch bereits einen Rechtsbeistand gesucht.

“Soll nun das traditionsreiche Altonaer Museum, eins der größten Museen für die Kunst- und Kulturgeschichte des norddeutschen Raumes an einem unpatriotischen Senat scheitern, der vorgibt den Haushalt zu konsolidieren, indem er verhindert, dass dieses Museum seinen 150 jährigen Geburtstag in 2013 feiern kann?”, fragt sich die Initiative, die – wie auch das Altonaer Museum – seit Tagen Unterschriften für den Erhalt sammelt (nach Informationen von altona.INFO liegen fast 10.000 Unterschriften vor).

Solidaritätsfest am Tag der Deutschen Einheit / 3. Oktober

Das Altonaer Museum lädt für kommenden Sonntag zum “Solidaritätsfest” und Tag der offenen Tür mit einem bunten und politischen Rahmenprogramm mit Führungen, Podiumsdiskussion, Theater, Musik & Zirkus, Button- und Museumsladenverkauf zugunsten der Aktion: „WIR SIND DAS ALTONAER MUSEUM“

Solidaritätsaktionen im Foyer:

Button- und Museumsladenverkauf zugunsten der Aktion „Wir sind das Altonaer Museum“, Unterschriftenaktion Aktion „Gesicht zeigen“: Fotografieren Sie sich als Aktivist/in mit dem Schild „Wir sind das Altonaer Museum“
Flaschenpostaufruf: Kinder schreiben uns eine Flaschenpost, in der erzählt oder gemalt wird, warum das Altonaer Museum bleiben soll. Aufführungen mit dem Schulcircus PampelMuse e.V. vom Margaretha-Rothe-Gymnasium

Veranstaltungen im Forum / Galionsfigurensaal
12 Uhr Podiumsdiskussion „Sparzwang und Kultur-Harakiri – wohin führt die Hamburger Kulturpolitik“ Es diskutieren: Lisa Kosok (Stiftung Historische Museen Hamburg), Olaf Scholz (Landesvorsitzender der SPD in Hamburg), Wolfgang Rose (Landesbezirksleiter der Gewerkschaft ver.di), Hermann Hipp (Kunstgeschichtliches Seminar der Uni Hamburg), Sven Kuhfuss (stellv. Vorsitzender Bezirksversammlung Altona, Sprecher Kultur & Bildung GAL-Fraktion), Vertreter des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, Vertreter der Gängeviertel-Initiative

14 Uhr und 15 Uhr Improvisationstheater Impromptu
16 Uhr Vorführung mit Cinegraph: Lotte-Reiniger-Filme
16.30 Uhr Il Viaggio. Folklore-Jazz
17 Uhr Axel Pätz und der Motte-Chor
18 Uhr Tuten un Blasen

Führungen
ab 10.30 Uhr bis 17 Uhr Führungen zu den Schätzen des Museums: Gemäldemagazin, Keramikmagazin, Kompaktmagazin, Möbelmagazin, Schifffahrtsmagazin, Textilsammlung, Bibliothek, Archiv, Postkartenarchiv
ab 10.30 Uhr bis 17 Uhr Führungen in den Ausstellungsbereichen des Altonaer Museums: ALLES IM FLUSS, Bauernstuben, Elastolin-Figuren, Optische Wunderkammer
11 Uhr Altonaer Geschichte am Beispiel der Fayence-Manufaktur Mewe
11 Uhr Höhepunkte des Altonaer Museums
11 Uhr Familienführung: Stadt-Land-Fluss – Wie Kinder früher lebten
11.30 Uhr Familienführung: Expedition Wasserwelten
12.30 Uhr Familienführung: Stadt-Land-Fluss – Wie Kinder früher lebten
13 Uhr Höhepunkte des Altonaer Museums
13.30 Uhr Familienführung: Stadt-Land-Fluss – Wie Kinder früher lebten
14 Uhr Höhepunkte des Altonaer Museums
14 Uhr Hamburgs maritime Schätze
14 Uhr Familienführung: Mit Käpt’n Rotbarts Schiffsjunge
14.30 Uhr Verschaukelt: Vision eines Ausstellungsprojekts
15 Uhr Höhepunkte des Altonaer Museums
15 Uhr Familienführung: Mit Käpt’n Rotbarts Schiffsjunge auf Schatzsuche
15.30 Uhr Führung in Gebärdensprache zu den Highlights des Museums
15.30 Uhr Verschaukelt: Vision eines Ausstellungsprojekts
16 Uhr Altonaer Geschichte am Beispiel der Fayence-Manufaktur Mewe
16 Uhr Höhepunkte des Altonaer Museums
16 Uhr Hamburgs maritime Schätze
16 Uhr Familienführung: Mit Käpt’n Rotbarts Schiffsjunge auf Schatzsuche

Angebote für Kinder

10-17 Uhr Drucken von Schmuck für das Kinderzimmer
10-17 Uhr Flaschenpost ans Rathaus
14-16 Uhr Franziska Biermann: Herr Fuchs mag Bücher UND das Kinderbuchhaus!

am 03. Oktober ab 10 Uhr im Altonaer Museum
mit Führungen, Podiumsdiskussion, Theater, Musik & Zirkus,
Button- und Museumsladenverkauf zugunsten der Aktion:
„WIR SIND DAS ALTONAER MUSEUM“

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=23714

geschrieben von am 01 Okt 2010. abgelegt unter AltonaerMuseum, Aus Stadtteilen, Dossier & Archiv, Gesellschaft, Hamburg, Kultur, Meldungen, News & Meldungen, Sparsaison. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

4 Kommentare / Leserbriefe / Fragen für “Altonaer Museum lädt zum “Solidaritätsfest” – bis Sonntag sollen 10.000 Unterschriften vorliegen”

  1. Mario A

    Und was ist nun mit dem Bahnhof Altona , der Bebaut und deren Fernverkehrsverbindungen weg gerissen werden soll ?
    Ich Lebe mein Leben lang in Altona/Ottensen und ich habe schon erlebt , wie der Alte (sehr schöne) Bahnhof Altona weg gerissen wurde .
    Hier wird doch wieder reine Grundstücksspekulation betrieben . Und der Bahnhof wird immer voller , in jeder Art des Verkehres . Fernverkehr und Nahverkehr . Und es würde nicht nur etwas fehlen , ohne Bahnhof . Der gehört einfach hierher , oder ?
    Ich denke , wie in Stuttgart (21) werden die Leute erst Wach , wenn die Bagger die Gleise weg reißen .

    Wie führt man eigentlich ein Bürgerbegehren durch ??

    Ego

  2. Hugo

    Seltsame “Neuigkeiten” tun sich auf, wenn es darum geht, sich in einem guten Licht für die nächsten Wahlen zu positionieren.
    zur Auffrischung des FDP + GAL Gedächtnisses:
    ” Der in demselben Jahr gebildete neue Senat, der sich auf eine Rechtskoalition der CDU mit der Schill-Partei und der FDP stützte, setzte die Bemühungen um Tamms Sammlung verstärkt fort. 2003 gab Bürgermeister Ole von Beust bekannt, dass der inzwischen gegründeten Peter Tamm Sen. Stiftung der älteste Hamburger Kaispeicher am Rand der HafenCity kostenlos für 99 Jahre überlassen und im Kulturetat für die Herrichtung des Museums 30 Millionen Euro bereitgestellt werden sollten. Parteiübergreifend war man sich einig, dass sich Hamburg die als »einzigartig« gepriesene Sammlung als neuen touristischen Anziehungspunkt sichern sollte – welches Geschichtsbild dort vermittelt werden würde, schien irrelevant. Die Hamburger Bürgerschaft stimmte der Planung im Februar 2004 ohne Gegenstimmen bei Enthaltung der GAL-Fraktion zu, und im Juni 2004 wurden die Verträge zwischen Tamm und der Stadt Hamburg unterzeichnet. Wenige Tage später wurde bereits die erste Rate von 15 Mio. Euro an die Tamm-Stiftung überwiesen. Ein Museumskonzept, das diesen Namen verdient hätte, lag bis dahin nicht vor.” zitiert aus: http://www.wissenschaft-und-frieden.de/seite.php?artikelID=1506
    die Diskussionen um das Tamm Museum wurde u.a. in Gang gebracht von: http://www.tamm-tamm.info/chronik/
    dort: ” Februar 2004: “Der Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe, Prof. Dr. Wilhelm Hornbostel, wirft die Frage auf, ob das Tamm-Museum nicht zur „Kannibalisierung“ der Hamburger Museumslandschaft beiträgt.”

  3. Starfishly

    Die FDP hat es doch eigentlich schon gut formuliert. Zitat: “Die FDP fragt sich derweil ob zwischen Hamburg und Altona eine “Jahrhundertfeindschaft” besteht. Zunächst sei das Altonaer Museum in eine Stiftung eingebracht worden, die ein musealer Gemischtwarenladen sei.”

    Betrachtet man die Geschichte Ottensens, so wird einem schnell gewahr, dass dieses Dorf schon immer ein “Gemischtwarenladen” war – und hoffentlich auch bleibt. Genau das ist das Alleinstellungsmerkmal unseres Museums. Und genau das ist auch der Grund weshalb es bleiben muss!

    Solchen Scharfblick hätte ich von der FDP gar nicht erwartet… ;o)

    Starfishly

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