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Elbtreppe: 10.250 Unterschriften abgegeben – Hajduk stellt SAGA-Pläne am 19. Oktober vor

elbtreppe_sos Die Initiative “Rettet die Elbtreppe” hat beim Bezirksamt Altona knapp 10.250 Unterschriften für den Erhalt des Heuburg-Ensembles abgegeben und verstärkt damit den öffentlichen Druck auf SAGA, Denkmalschutzamt, Senat und Bezirk. Es handelt sich nicht um ein Volksbegehren, sondern um ein Bürgerbegehren auf Bezirksebene, das nun nach der für Ende Oktober erwarteten Auszählung zunächst von der Bezirksversammlung Altona beraten werden muss. Frühestens ab Februar 2011 kann mit der Durchführung des Begehrens gerechnet werden – in der Zwischenzeit könnte verhandelt werden.

“Die Unterschriften werden jetzt beim Bezirksamt gezählt”, berichtet Pressesprecherin Kerstin Godenschwege. Sind knapp 5.700 valide Unterschriften aus dem Bezirk Altona dabei, kommt der Bürgerentscheid zustande.  Binnen einer Frist von zwei Monaten muss die Bezirksversammlung dann entscheiden, ob sie dem Begehren betritt oder ob sie einen Gegenentwurf zu der Forderung der Initiative formulieren möchte. Die Durchführung des Begehrens allein, würde knapp 180.000 EUR plus Verwaltungsaufwand kosten. Der Abriss der Häuser ist damit vorerst vom Tisch, zumal die Verwaltung durch den ausgelösten Suspensiveffekt keinem Abriss- oder Bauantrag zustimmen dürfte.


10.250 Unterschriften in sechs Wochen

Ob sich Volkes Wille über Unterschriften ausdrückt oder am Ende alle vier-fünf Jahre durch ein Kreuzchen an der richtigen Stelle, darüber sind sich Beobachter uneins. Es gibt einfach zu viele Themen, die nicht oder nicht eindeutig im Wahlprogramm der Parteien stehen und Bürgerinnen und Bürger wollen zwischenzeitlich weiter mitbestimmen. Das macht Politik nicht leichter, aber transparent. Fest steht, binnen sechs Wochen 10.000 Unterschriften sammeln, macht Eindruck und offensichtlich sind viele Menschen in Altona davon überzeugt, dass das Gebäudeensemble unter Denkmalschutz gestellt werden sollte. “Eine klare Absage an die Pläne der SAGA, das historische Häuserensemble Elbtreppe zu zerstören”, kommentiert Karsten Schnoor, Sprecher der Initiative das Ergebnis. Er erhebt schwere Vorwürfe an die SAGA und macht auch Bausenatorin Hajduk als Aufsichtsratsvorsitzende der SAGA mitverantwortlich für den “Leerstand und gezielten Verfall der Elbtreppenhäuser”. Besonders große Sorgen macht sich Schnoor um die alte “Zwiebel”. Drei Wasserrohrbrüche, die von der SAGA nicht Instand gesetzt worden seien und aufgerissene Fußböden zeichnen das Bild der Verwüstung (siehe Bildergalerie).  “Da war gezielte, mutwillige Verwüstung der alten Zwiebel und der beiden Wohnungen”, sagt Schnoor.

Die SAGA selbst verweist auf eine am 19. Oktober stattfindende Anhörung im Kollegiensaal (19.30 Uhr). Pläne zur Bebauung sollen u.a. von der Bausenatorin Hajduk (GAL) selbst vorgestellt werden. Der Vorstand der GAL Altona hatte in einem Beschluss die verheerenden Vorwürfe gegen die SAGA bestätigt, was aber offensichtlich nicht bis in die BSU bzw. bis zum GAL-Mitglied Hajduk vorgedrungen war. Der Beschluss der GAL-Altona lautet wie folgt:

Der Kreisvorstand der GAL-Altona erklärt zur Diskussion über die Elbtreppen-Häuser: Wir teilen die Auffassung vieler Altonaerinnen und Altonaer, dass die Elbtreppen-Häuser ein historisch gewachsenes Stück Altona sind, die zu erhalten sind. Wir teilen den Ärger darüber, dass die früheren und derzeitigen Eigentümer die Gebäude haben verfallen lassen, so dass der derzeitige Zustand der Gebäude so schlecht ist, dass eine wirtschaftlich tragbare Sanierung für den Eigentümer nicht mehr möglich erscheint. Ebenso bedauern wir, dass das Denkmalschutzamt nicht die Auffassung über die historische Bedeutung der Gebäude teilt und diese nicht komplett unter Denkmalschutz stellt. Insofern ist das wünschenswerte Ziel der Erhalt der Gebäude und gleichzeitig der Erhalt kostengünstigen Wohnraumes für die derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohner. An dieser Stelle Wohntürme zu planen, wie sie kürzlich öffentlich wurden, geht völlig an den Belangen und Vorstellungen der Menschen in Altona vorbei und ist inakzeptabel. Wenn die Gebäude nicht oder nur teilweise erhalten werden können, ist allenfalls Ersatzbau vorstellbar, der sich in die bestehende Struktur einpasst.


2100m² Bruttogeschossfläche mehr oder weniger

Nach Informationen von altona.INFO geht es bei planungsrechtlichen Betrachtung um nicht weniger als 2100m² Bruttogeschossfläche (BGF), die durch eine Unterschutzstellung und in Folge ohne Neubau der SAGA verlustig gehen könnten. Der Marktwert für diese Differenzfläche beläuft sich auf etwa drei Millionen Euro. Für einen Abkauf inklusive denkmalgerechter Sanierung hatten die Anwohner einst ein Genossenschaftsmodell in Zusammenarbeit mit der Lawaetz-Stiftung erarbeitet. Ein gerichtlich anerkannter Bodengutachter hatte den Preis bestimmt, jedoch brach die Diskussion aufgrund der erheblichen Preisvorstellungen und Differenzen (etwa 3 Mio Euro) ab. “Dieser Vorschlag ist noch nicht ganz vom Tisch”, sagt Mark Classen (SPD). Er sieht auch Verhandlungspotential mit der SAGA im Zusammenhang mit möglichen Bebauungen auf der benachbarten Fläche.

Das Kind sei zwar schon längst in den Brunnen gefallen, doch noch könnte es nach Auffassung der Initiative mit einigen Blessuren gerettet werden. Bald steht den unbeheizten und nassen Gebäuden ein vermutlich harter Winter bevor. Der weitere Verfall der Substanz könnte auch durch eine schnelle Unterschutzstellung gestoppt werden. Damit wäre zwar noch lange keine Sanierung erfolgt, jedoch zwingt das Denkmalschutzrecht einen Eigentümer auch den “denkmalgerechten Zustand” herzustellen. Erst kürzlich hatte Kultursenator Reinhard Stuth (CDU) das Unterschutzstellungsverfahren für das Hundertwassercafé in Ottensen eingeleitet. Das Stadtteilarchiv Ottensen e.V. hatte daraufhin den Senator aufgefordert, für das Heuburgensemble (und auch die Seefahrtsschule) im gleichen Sinne tätig zu werden.

Der Brief der Geschichtswerkstätte vom 20. September mag zwar in der Kulturbehörde angekommen sein, doch ob der Senator in der Angelegenheit bereits selbst tätig geworden ist, konnte bislang auch niemand aus der Kulturbehörde beantworten. Stuth hat mit der durch seine Behörde veranlasste Schließung des Altonaer Museums und Kürzungs- und Umstrukturierungmaßnahmen intern eine Menge neuer Beschäftigungen. Eine weitere Aufregung dürfte hinzukommen, denn nach jüngsten Informationen von altona.INFO aus dem Lager der Regierungsfraktion sollen im Denkmalschutzamt mehr als ein Duzend Stellen gestrichen werden.

Termin: Diskussion und Information über die SAGA-Pläne / Entwürfe am 19.10.2010, ab 19.30 Uhr im Kollegiensaal (Altonaer Rathaus).

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=23752

geschrieben von am 04 Okt 2010. abgelegt unter Allgemeines, Aus Stadtteilen, Dossier & Archiv, Elbtreppe, Meldungen, Ottensen, Politik Wirtschaft Gesellschaft, Wohnungsbau Hamburg. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

2 Kommentare / Leserbriefe / Fragen für “Elbtreppe: 10.250 Unterschriften abgegeben – Hajduk stellt SAGA-Pläne am 19. Oktober vor”

  1. Franco Verde

    Also über den GAL Vorstandsbeschluss kann ich nur lachen: Alles irgendwie gut finden, keine Verantwortung in der Bezirksversammlung übernehmen und am Ende dass Hintertürchen zum Abriss aufmachen (“Wenn die Gebäude nicht oder nur teilweise erhalten werden können, ist allenfalls Ersatzbau vorstellbar, der sich in die bestehende Struktur einpasst.”). Die Krokodilstränen kann sich der GAL-Kreisvorstand sparen, wenn er nicht mal die eigene Bezirksfraktion zum Handeln auffordert.

  2. Hein Mück

    die Elbtreppe muss erhalten werden! Die SAGA handelt unverantwortlich und nicht im Sinne ihrer Mieter. Handeln Sie endlich Frau Hayduk!

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