Altonaer Museum bleibt: Stuth soll gehen, Volksbegehren kommen – Kommentare

Hamburg / Altona. Die Freude auf Seiten der Koalitionsfraktionen ist groß, während die Opposition  warnt und die Initiative “Altonaer Museum bleibt” weiterhin plant, ein Volksentscheid zur Überarbeitung des Museumsstiftungsgesetzes durchzuführen. Obwohl Bürgermeister Ahlhaus betonte, dass damit die Schließung vom Tisch sei, wurde der Stiftung unterm Strich das selbe Zugeständnis abgerungen, wie vorher. Es darf trotzdem zunächst gefeiert werden, denn der Protest vieler Bürgerinnen und Bürger war erfolgreich. Weitere Themen und Kommentare – Rücktrittsforderung  – Arbeit am Museumskonzept.

Die Kulturmetropole Hamburg hatte in den jüngsten Tagen im heimischen Stadion ordentlich was vor das Schienbein bekommen. Ruppig ging es zu, denn niemand hatte Geschenke zu dem Freundschaftsspiel mitgebracht. Selbst der Wimpel wollte zur Begrüßung nicht mal getauscht werden und so gingen nicht nur die Mannschaften aufeinander los, sondern sogar ihre Trainer. Nach einem Foul in der ersten Minute gelang es der Altonaer Mannschaft mit Unterstützung zahlreicher Fans, das Spiel für sich zu gewinnen. Der Endstand: 1:2 für die Gäste aus Altona (Dank der enormen Kraftanstrengung und Laufleistung der Spieler). Es gilt, die für Ende April angesetzte Rückrunde abzuwarten, während Forderungen nach einem Trainerwechsel bei der Hamburger Mannschaft zur Zeit die Runde machen.


Initiative “Altonaer Museum bleibt” will Änderung des Museumsstiftungsgesetzes

”Sekt oder Selters?” fragt sich die Initiative “Altonaer Museum bleibt!”, die nun auf die sichere Karte setzen möchte und plant mit einem Volksentscheid das Museumsstiftungsgesetz zu überarbeiten. Am 1. November werden interessierte Bürgerinnen und Bürger zu dem “Großen Volksratschlag” ab 19.00 Uhr ins Altonaer Theater geladen. Für die Initiatoren des Begehrens steht fest, es darf zunächst gefeiert werden. “Den Worten müssen jetzt entsprechende Taten folgen” ist die Forderung an die Öffentlichkeit. Der Garant des Erfolges lang in der Bereitschaft der Bürger, sich für die Kultur in dieser Stadt zu engagieren, stellen Aram Ockert, Elisabeth von Dücker und Peter Schwanewilms fest. Und man ist sich sicher: Hieran hat sich und wird sich auch für die Zukunft nichts ändern. Sie sehen den “grundsätzlichen Fehler in der bisherigen Stiftungskonstruktion”, die, wie von dem Anwalt Dr. Strate festgestellt, keine ist, die nach deutschem Stiftungsrecht ohne ein eigenes Vermögen auf Dauer existieren kann. Weiterhin möchte man sich dafür einsetzen, dass Kultursenator Stuth “nicht länger den Elefanten im Kulturporzelanladen dieser Stadt spielen darf”, so die Initiative. Die gestrige Bürgerschaftssitzung hätte offenbart, “dass ihm jegliche Fähigkeiten fehlen, Hamburgische Kulturpolitik zu gestalten. Der Bürgermeister hat diese Krise mit dem vorgelegten Ergebnis des Kulturgipfels vorerst gut gemeistert, dafür gebührt ihm unser Respekt. Mit der Weiterbeschäftigung des jetzigen Kultursenators, wird hinter dieses Ergebnis allerdings ein großes Fragezeichen gesetzt. Das muss weg”, heißt es abschließend.

SPD teilt vorsichtigen Optimismus, verlangt aber belastbare und verbindliche Aussagen des Senats

Zurückhaltend hat die SPD-Bürgerschaftsfraktion auf die Ergebnisse des so genannten Kulturgipfels am späten Mittwoch reagiert. “Wir teilen die Hoffnung, die jetzt aus der Kultur geäußert wird: dass die schlimmsten Kürzungspläne des Senats vorerst nicht weiter verfolgt werden. Aber unsere Erfahrungen mit dem Senat sagen auch, dass es für eine Entwarnung zu früh ist”, sagte Fraktionsvize Dorothee Stapelfeldt am Donnerstag. Die Altonaer SPD-Abgeordnete Gabi Dobusch zeigte sich insbesondere erfreut darüber, dass “die Proteste gegen die Schließung des Altonaer Museums Wirkung erzielt haben”.

Gleichzeitig erhebt die SPD schwere Vorwürfe gegen Kultursenator Reinhard Stuth (CDU). “Der Kultursenator ist bis auf die Knochen blamiert. Er hat Hamburgs Kultur in den vergangenen Wochen schwer geschadet. Diesen Mann wird in der Hamburger Kulturszene niemand mehr ernst nehmen”, sagte Stapelfeldt. Sie forderte den Senat erneut auf, sein Verhältnis zur Kultur in Hamburg zu klären.

Auch Dobusch fordert den Senat auf, jetzt Fakten auf den Tisch zu legen. “Wir wollen wissen, wie das Altonaer Museum zukünftig aussehen und welches Angebot es bieten soll”, sagt Dobusch mit Hinweis auf die vermeintliche Bestandsgarantie des Senats. Sie kritisiert dessen Umgang mit dem Museum: “Zuerst hieß es, das Budget sei auskömmlich, das Museum solle sich auf Ausstellungen aus dem Bestand heraus beschränken. Dann hat der Senat den Vorwurf erhoben, die niedrigen Besucherzahlen seien auf fehlende spektakuläre Ausstellungen zurückzuführen. Das ist zutiefst unfair”, sagte Dobusch, die eine Entwarnung angesichts des weiter gültigen Sparvolumens für die Stiftung in Höhe von 3,445 Millionen Euro für “zu früh” hält.

Es bleibe jetzt abzuwarten, ob das von der Stiftung Historische Museen zu erbringende Sparvolumen von 3,5 Millionen Euro doch noch der Mühlstein wird, der das Altonaer Museum oder gar die gesamte Stiftung in die Tiefe zieht. herausstellen, der den schleichenden Tod der gesamten Stiftung nach sich zieht. Noch ist es für eine Entwarnung zu früh”, unterstrich Dobusch.

Anlässlich des Kulturgipfels erklärt Olaf Scholz (SPD, MdB): „Der Senat hat endlich erkannt, dass der Kultursenator mit seinen unklugen Sparbeschlüssen großen Schaden angerichtet hat. Das ist dem großen Engagement der Bürgerinnen und Bürger zu verdanken. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass das Altonaer Museum gesichert wird und wir es nicht mit einer schwarz-grünen Hinhaltestrategie zu tun haben.“

Marcus Weinberg (CDU, MdB) und Robert Heinemann (CDU, MdHB) begrüßen Ergebnis

”Wie CDU und GAL gestern in der Bürgerschaft gefordert haben, wird es jetzt zunächst keine Schließung des Altonaer Museums geben. Die zahlreichen Gespräche in den letzten Wochen waren damit erfolgreich. Ich danke dem Ersten Bürgermeister, dass jetzt Zeit gewonnen wurde, um neue Konzepte zu erarbeiten. Ziel muss es sein, am Ende Dank kreativer Ideen trotz notwendiger Einsparungen eine bessere und attraktivere Museums- und Kulturlandschaft zu haben – auch in Altona”, sagt der Bürgerschaftsabgeordnete Robert Heinemann.

Der Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg stellt einen Vier-Punkte-Plan für das Altonaer Museum auf und fordert “konkrete Schritte zur nachhaltigen Sicherung”. Angesichts der “Grundsatzentscheidung, das Altonaer Museum nicht zu schließen”, fühlt sich Weinberg in seinen Reformvorschlägen bestärkt. „Ich freue mich sehr darüber, dass der Senat seine Entscheidung, ein derart bedeutsames Museum zu schließen, überdacht hat. Jetzt kommt es darauf an, konkret zu werden und das Altonaer Museum derart umzugestalten, dass es sich sowohl aus ökonomischer Sicht rechnet sowie dem Anspruch einer modernen und hochwertigen Kultur- und Bildungseinrichtung nachkommt”, so Weinberg. “Ich hatte Kultursenator Reinhard Stuth bereits vor zwei Wochen in einem Brief zur Zukunft des Altonaer Museums angeschrieben: Erstens muss das Museum bei verändertem Konzept und angepasster Finanzstrategie am Standort bleiben. Zweitens sind durch Vermietung von Räumen oder auch Zusammenarbeit mit schulischen Einrichtungen finanzielle Erträge zu erwirtschaften. Drittens darf die Stiftung das Museum nun nicht alleine lassen, sondern sich solidarisch erweisen und einen finanziellen Beitrag erbringen. Und viertens wäre die Privatinitiative der vergangenen Tage zum Erhalt des Museums so aufzufangen, dass ein dauerhaftes Sponsoring und ein starker Förderverein dem Altonaer Museum finanziell den Rücken stärkt.”, so der CDU-Bundestagsabgeordnete.  Der Ball läge jetzt im Spielfeld des Altonaer Museums und seiner Unterstützer. “Sie müssen beweisen, dass die Entscheidung richtig war. Denn am Ende wird mit den Füssen, sprich Besucherzahlen, abgestimmt“, sagt Weinberg.

Sven Kuhfuss (GAL): „Erfolg auf ganzer Linie – das Altonaer Museum ist gerettet“

“Die GAL Altona hatte sich sehr früh gegen eine Schließung des Altonaer Museums ausgesprochen, für einen Dialog zwischen der Stiftung und der Kulturbehörde engagiert”, so  die Mitteilung. Der Antrag von CDU und GAL aus Altona, der anlässlich der heute stattfindenden Sitzung der Bezirksversammlung eingebracht werden sollte, wäre in weiten Zügen von den Bürgerschaftsfraktionen übernommen worden.

“Wir begrüßen außerordentlich die Entscheidung, das Altonaer Museum nicht zu schließen. Es ist ein Erfolg der engagierten Museumsmitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie der vielen Bürgerinnen und Bürger, die sich für den Erhalt eingesetzt haben. Und es ist ein Erfolg unserer schwarz-grünen Zusammenarbeit im Bezirk Altona. Wir haben gezeigt, dass wir uns – mit Beharrlichkeit und Sachverstand – auch gegen Senatsentscheidungen durchsetzen können. Wir begleiten die Neuausrichtung der Stiftung historische Museen Hamburg gern mit, um das Altonaer Museum fit und attraktiv für das 21. Jahrhundert zu machen“, sagt Sven Kuhfuss, kulturpolitischer Sprecher der GAL in der Bezirksversammlung Altona.

Die Debatte lief in der Sitzung der Bezirksversammlung Altona am 28.10. weiter:

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=24446

geschrieben von bei Okt 28 2010. abgelegt unter AltonaerMuseum, Dossier & Archiv, Gesellschaft, Hamburg, Kultur, Meldungen, News & Meldungen, Politik, Politik Wirtschaft Gesellschaft, Sparsaison. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

1 Reaktion für “Altonaer Museum bleibt: Stuth soll gehen, Volksbegehren kommen – Kommentare”

  1. Simon

    Es ist ein Erfolg des St. Florians-Prinzips, des Lokalpopulismus und des kulturgewordenen Mittelmaßes(freundlich gesprochen). Ist das ein Erfolg? Nein! Wozu braucht HH so viele Stadthistorische Museen? Mir wären 1,2,3 Klasse-Häuser lieber als ein-punktuell modifizietes “Weiter so”. Dies schreibt ein Museums-, Kultur- und Altona-Liebhaber.

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