Hamburg / Altona. Inzwischen liegen in Altona über 160 mit Messing beschlagene „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern – im Bürgersteig vor ihren ehemaligen Wohnhäusern. Die Ausstellung geht den biographischen Spuren von 22 Altonaern und Altonaerinnen nach, die unter nationalsozialistischer Herrschaft ermordet wurden oder ums Leben kamen und ihren Angehörigen, die entkommen konnten.

Zeitzeugen, Freunde und Familienmitglieder berichteten und stellten für die Ausstellung Fotos und persönliche Briefe zur Verfügung. Archive öffneten den nationalsozialistischen Aktenbestand und die Dossiers der Wiedergutmachungsverfahren.

Es ging um Leben und Tod in Altona zwischen 1933 und 1945. Gegner des Regimes bangten vor dem Sondergericht um ihr Leben. Jüdische Verfolgte versuchten bis zuletzt zu fliehen oder wenigstens die Kinder ins Ausland zu retten. Manche wählten den Suizid als letzten Ausweg vor der Deportation.Viele Altonaer und Altonaerinnen kamen gewaltsam ums Leben. So Margarethe Mrosek aus Nienstedten, die im KZ Neuengamme hingerichtet wurde; sie war jüdischer Herkunft und bekannt mit Mitgliedern des Widerstandskreises der „Weißen Rose“. Dass er russischen Zwangsarbeiterinnen in den Altonaer Firmenlagern half, wurde dem Arzt Dr. Hermann da Fonseca-Wollheim vom Bahrenfelder Marktplatz zum Verhängnis. Er starb im Konzentrationslager Buchenwald. Ein Altonaer Rentner recherchierte die Geschichte der jüdischen Nachbarsjungen, mit denen er in der Palmaille spielte: Lutz Lichtheim konnte nach England entkommen, sein Bruder Walter Lichtheim wurde mit seiner Mutter und Tante deportiert und ermordet.

Alfred Beckmann aus Altona-Altstadt, denunziert und verfolgt wegen seiner Homosexualität, wurde als „Geisteskranker“ in einer Anstalt getötet.Willi Honig aus Altona-Nord bereitete sich in einer „Kibbuz“-Gemeinschaft in Rissen für ein Siedlerleben in Palästina vor, bekam jedoch kein Einreisezertifikat und wurde 1941mit seinen Eltern ins Getto Minsk transportiert. Dr. Günther Brann, Arzt in der Museumsstraße, wurde in Auschwitz von einem Wachmann erschossen, weil er sich weigerte, seine Brille abzugeben; seine Frau Lilli Brann wurde ebenfalls ermordet. Auch Betty Levi aus der Klopstockstraße musste den Weg ins Vernichtungslager Auschwitz antreten, ihre vier Kinder hatten rechtzeitig fliehen können.

Ihre und weitere Lebensgeschichten sind nachzulesen in dem von Birgit Gewehr verfassten und der Landeszentrale für Politische Bildung herausgegebenen Buch „Stolpersteine in Altona. Eine Biographische Spurensuche“. Die Ausstellung „Auf Leben und Tod“ wurde nun um einige Biographien erweitert und ist im November 2010 noch einmal im Altonaer Rathaus zu sehen.

01.11. – 25.11.2010
Altonaer Altona, Platz der Republik 1, 22765 Hamburg
Öffnungszeiten:  Montag bis Donnerstag: 08.00 – 18.00 Uhr, Freitag 08.00 – 16.00 Uhr

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