Hamburg. Die Produktionsschulen der Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern werden zukünftig länderübergreifend zusammen arbeiten. Dazu unterzeichneten der Hamburger Bildungssenator Dietrich Wersich und seine Amtskollegen Sozialministerin Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) sowie Arbeits- und Sozialminister Dr. Heiner Garg (Schleswig-Holstein) ein gemeinsames Eckpunktepapier. Inhalt der Kooperationsvereinbarung ist im Wesentlichen die systematische Weiterentwicklung der Produktionsschulen, aber auch die Abstimmung über gemeinsame Strategien zur dauerhaften Finanzierung und Etablierung dieser.

„Der Übergang von Schule zum Beruf muss auch für Jugendliche ohne Schulabschluss besser werden. Die heutige Unterzeichnung ist Ausdruck der guten Kooperation unserer drei Nordländer auch in Bezug auf die Produktionsschulen. Wir wollen voneinander lernen, die fachliche Zusammenarbeit systematisch weiterentwickeln und gemeinsame Grundsätze und Qualitäts- standards für die Arbeit der Produktionsschulen entwickeln“, sagt Bildungssenator Dietrich Wersich. Sozialministerin Manuela Schwesig: „Die drei Nord-Länder haben die Bedeutung der Produktionsschulen nach dänischem Vorbild erkannt und die Erfolge sprechen für sich. Allein in Mecklenburg-Vorpommern hat jeder zweite Besucher einer Produktionsschule anschließend den Weg in eine Ausbildung und den Arbeitsmarkt geschafft. Dass wir künftig gemeinsam über die Entwicklung unserer Produktionsschulen beraten wollen, ist zum einen ein Beleg dafür, dass wir diese Qualifizierungsform gemeinsam stärken und zukunftsfest machen wollen. Zum anderen wissen wir, dass wir angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels keinen Jugendlichen aufgeben können. Die Produktionsschulen helfen uns dabei.“

Die Produktionsschulen sind ein berufsvorbereitendes und -qualifizierendes alternatives Angebot zu der Ausbildungsvorbereitung an den beruflichen Schulen. Sie richten sich u.a. an Schulabbrecher, die an Produktionsabläufe herangeführt und wieder Freude am Lernen bekommen und so auf eine Ausbildung vorbereitet werden. Dabei verfolgen sie ein pädagogisches Konzept, das sich deutlich von denen des herkömmlichen Schulwesens unterscheidet: Die Jugendlichen stellen Waren her bzw. Dienstleistungen bereit und bieten diese auf dem Markt zu regulären Preisen an. Sie arbeiten und lernen dabei ganz praktisch im Produktionsprozess, durch reale Aufträge bzw. Produkte und Dienstleistungen sowie durch die Urteile von Kunden. Dadurch sollen sich ihre fachlichen, methodischen, sozialen und personalen Kompetenzen entwickeln. Die Produktionsschule soll ihnen Erfolgserlebnisse vermitteln, um diese zu stabilisieren und zu motivieren.

In Hamburg wurden, im Gegensatz zu anderen Bundesländern, Produktionsschulen seit dem 24. Juni 2009 durch einen Beschluss der Bürgerschaft eingerichtet und werden aus dem Bildungshaushalt finanziert. Aktuell verteilen sich 374 Plätze auf acht Produktionsschulen in den sieben Bezirken. Die erste (PSA) wurde 1999 in Altona gegründet. Zehn Jahre später folgten im September 2009 Billstedt-Horn, Barmbek, Steilshoop und Bergedorf-Zentrum. Mit der zweiten Ausbaustufe nahmen im September 2010 die Produktionsschulen Eimsbüttel, Harburg und Wilhelmsburg ihren Betrieb auf. Sie sind keine Schulen im Sinne des Hamburger Schulgesetzes, sondern Einrichtungen, die von Bildungsträgern in freier Trägerschaft betrieben werden. Gleichzeitig bilden sie einen Baustein der Hamburger Bildungsreform im Übergangssystem Schule – Beruf.

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