Altona / Ottensen. Ludo und Anna zofften sich zur Premiere am 25. Januar im Theater in der Basilika bis zum Verlust sämtlicher Nachvollziehbarkeit. Das auf dem Film basierende Theaterstück „Zweiohrküken“ sorgte für einiges Gelächter im Publikum. Intrigen, Eifersucht, grenzenloses aneinander-vorbei-Gerede bis hin zu ernsthafter Trauer zeichneten den Abend und die Kleinigkeiten, wegen denen es ständig Ärger gab, erzeugten beim Zuschauer den Drang, aufzustehen und den Protagonisten gehörig eine zu knallen.

Schon in den ersten zwei Minuten wird klar, wer hier die Hosen an hat. Während der faule Ludo noch gemütlich in Sex-Träumen schwelgt, bölkt Anna vom Klo was das Zeug hält. Als er dann endlich wach wird, kommt der zentrale Problem-Bausatz ins Spiel: Der Mann nimmt die Frau für selbstverständlich und lässt so ziemlich alles schleifen, was „zeitlich verschoben“ werden kann. Die Frau hingegen zetert den lieben langen Tag über genau das, was wiederum dazu führt, dass dieser noch mehr abblockt. Der Teufelskreis ist also geschaffen. Und als ob das noch nicht genug wäre, tauchen noch die beiden Ex-Stecher der Streithähne auf und sorgen für wenig Besinnlichkeit und Ruhe in trauter Dreisamkeit.

Wer den Film schon gesehen hat und sich das Theater noch dazu anguckt, weiß worauf es ankommt: Till Schweigers nasales Genörgel der Verständnislosigkeit,  Nora Tschirners fusselig-wirre Hysterie, Ken Duken der mit seiner schleimigen Art jeden Zuschauer zur Weißglut treibt und  Matthias Schweighöfers grandiose Technik,  Frauen NICHT aufzureißen.

Tobias Grabowski spielt seinen Ludo etwas anders, aber nicht schlechter. Ziel war hier eindeutig nicht, zu kopieren, warum auch. Wer meint, Till Schweiger kann nicht schreien, ist hier genau richtig, denn Ludo macht seinem Überdruss reichlich Luft. Einzig im Mimen des Niedergeschlagenen bleibt Till ungeschlagen.

Bei Anna hingegen denkt man für den Bruchteil einer Sekunde Nora Tschirner persönlich sitzt da auf dem Pott und schreit nach Klopapier. Männer-Shorts hochhaltend und fragend „Ludo, was isn das?!“, bringt Sabine Roßberg so manchen Keinohrhasen und Zweiohrküken Fan zum schmunzeln.

Hannes Sell, der Ralf, Moritz und jeden anderen männlichen Charakter im Stück spielt, zeigt sich wandlungsfähig. Sowohl den Anmache-Legastheniker, als auch den provokanten Ralf, der versucht Ludo die Frau auszuspannen, spielt er authentisch. Trotzdem hätte man sich in der Art des Sprechens der verschiedenen Charaktere ein Bisschen mehr Varianz gewünscht.

Einen Ähnlichen Job hatte Celine Lochmann, die Annas sexy Rivalin Marie, ihre Freundin Caro oder die Sexsüchtige Lana spielt. Als Marie und Nymphomanin besonders überzeugend, als Annas Freundin und Ratgeberin eher mittelmäßig. Ihr liegt eher die Rolle der heißen Diva mit scharfer Zunge und zwei gut gereiften Früchten im Vorgarten.

Den Kindergarten, der nicht nur auf der Arbeit stattfindet, sondern jeder Diskussion innewohnt, ist der ausschlaggebende Grund für den Spaßfaktor des Stückes. Der Verlauf von Film und Theateraufführung sind absolut identisch. Wer den Film schon gesehen hat, kommt hier sicher trotzdem auf seine Kosten. Den Ahnungslosen sei gesagt: Klischees werden aufbereitet, dafür aber gut! Der ewig währende Konflikt der Geschlechter ist im Grunde ein ausgelutschtes Thema. Wer jedoch miterleben will, wie professionell aus einer Maus ein Elephant gemacht wird, dem sei ein Besuch im Theater in der Basilika ans Herz gelegt.

Vorstellungen noch bis zum 20. Februar

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