Altona / Ottensen. Der Planungsausschuss Altona debattiert zur Zeit über die Bebauungsmaßnahmen der Seefahrtschule an der Rainvilleterrasse. Die Pläne für die Bebauung unterliegen einem Wettbewerb, an dem neu Architekturbüros (davon zwei Hamburger) teilnehmen. Kurz vor den Neuwahlen hatte die FHH das Grundstück an die „HTP Neue Rainvilleterrassen Grundstücksgesellschaft mbH“ (HAMBURG TEAM Gesellschaft Projektentwicklung mbH) veräußert. Nach unbestätigten Informationen soll ein Preis zwischen 15-18 Mio. Euro erzielt worden sein. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Im Wahlkampf ging das Thema unter und erst nach den Wahlen erreichte eine Mitteilung der Finanzbehörde vom 17. Februar die Redaktion. Die Kommission für Bodenordnung hatte einem kurzfristigen Verkauf zugestimmt. Nun beschäftigt sich der Planungsausschuss im Rahmen des hochbaulichen Wettbewerbes mit dem Thema.

Wie aus dem ALTONA.INFO vorliegenden Entwurf der Wettbewerbsunterlagen hervorgeht, sollen auf dem „Grundstück mit exponierter und exklusiver Lagegunst …eine exklusive und architektonisch hochwertige Wohnbebauung mit Blick über die Elbe und den Hamburger Hafen“ entstehen. Ein Bauvorbescheid liegt auch bereits vor, der vom Bezirksamt Altona auf Basis einer Studie erteilt worden sei. Wie berichtet hatte die Stadt Hamburg dafür bei sich selbst einen Bauvorbescheid beantragt. Aus dem Ausschreibungs-Entwurf geht hervor: „Zukünftig soll das Gebäude von zwei privaten Akademien, der Academy for Architectual Culture (aac) der gmp-Stiftung und der Brand Academy von Professor Shan Fan sowie von weiteren Nutzungen mit kulturellem Bezug genutzt werden. Ein Veranstaltungssaal sowie eine gastronomische Einrichtung im Erdgeschossbereich sollen das Nutzungsangebot komplettieren. Dafür sehen aktuelle Planungen mögliche Anbauten nach Norden und Süden vor; die endgültige Ausformung ist noch nicht abschließend geklärt… Ergänzend sollen die Terrassenflächen vor dem Gebäude der ehemaligen Seefahrtschule als Flächen für die Öffentlichkeit umgestaltet werden, um an dieser Stelle die Aufenthaltsqualität zu erhöhen…Die denkmalgeschützte Heine-Park-Villa, die sich im südwestlichen Bereich des Plangebiets befindet, bleibt erhalten und muss in die Planungen angemessen integriert werden“, so der Text.

Lehmhang nur „begrenzt stabil“

Der stark Wasser führende Lehmhang sei allerdings „nur begrenzt stabil“, somit müsse die Geologie des Hanges „bei einer Unterbauung der Rainville-Terrasse“ berücksichtigt werden. Dass der Elbhang nicht besonders stabil ist, konnten die Ottenser erst im Jahr 2001 beobachten. Beim damaligen Erdrutsch sackte die Kaistraße um 30 Zentimeter ab. Das Thema ist nicht neu und wurde in einem Elbhanggutachten (liegt zur Einsicht in der BSU bereit) thematisiert. Bereits in den historischen Aufzeichnungen (1779-1884) ist von wiederkehrenden Erdrutschen die Rede.

Zunächst jedoch sollen 5.500 m² BGF den „höchsten Anprüchen“ der Zielgruppe folgend gestaltet werden. Auf dem „Wettbewerbsgebiet“ stehen zahlreiche Kulturdenkmäler,  die bei den Planungen „angemessen berücksichtigt werden müssen“. So wurde die Heine-Park-Villa (Elbchaussee 31a) wurde zusammen mit dem Gärtnerhaus (Heine-Haus, Elbchaussee 31) und der Plangeschen Villa (Elbchaussee 43) sowie der baumbestandenen Wegeführung (Allee) zur Plangeschen Villa als Ensemble „Heine-Park“ am 01.08.2006 in die Denkmalliste der Freien und Hansestadt Hamburg eingetragen. Für das Gebäude der ehemaligen Seefahrtsschule ist das Unterschutzstellungsverfahren eingeleitet und bei den direkt angrenzenden Etagenhäusern Elbchaussee 15-21 handele es sich um erkannte Kulturdenkmäler.

Weitere Einzelheiten aus dem Wettbewerb sehen vor, dass der vollständige Erhalt der Bäume nicht geplant ist. So steht in den Unterlagen wörtlich „Alle nicht mehr eingetragenen Bäume (gemeint  ist der Bauvorbescheid) müssen nicht weiter berücksichtigt werden.“ Die 4.314 m²-große Fläche, auf der jetzt 50 Wohnungen gebaut werden sollen, liegt laut Entwurf der Wettbewerbsunterlagen „nicht im Geltungsbereich eines rechtsverbindlichen Bebauungsplans“. Die Bebaubarkeit wäre auf Grundlage eines Konzeptes des Baudezernats Altona aus dem Jahr 2001 nach § 34 BauGB „Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb von im Zusammenhang bebauter Ortsteile“ festgestellt. Ist damit der Baustufenplan des ehemaligen Altonaer Bausenators Gustav Oelsner ausgehebelt, der Grünflächen an Stellen vorsah, die heute bereits bebaut sind? Einer Antwort auf die „Kleine Anfrage“ des Bürgerschaftsabgeordneten Hackbusch (LINKE) folgend, nicht. Hier antwortet der Senat auf die Frage nach der Gültigkeit : „Ja, mit der Maßgabe, dass im Bereich des geplanten Wohnungsbaus die Festsetzung öffentliche Grünfläche/Parkanlage durch den Bau der Simulatoranlage mit Nebenflächen funktionslos geworden ist. Bebauung und Nutzung richten sich deshalb nach § 34 Baugesetzbuch (BauGB).“ Über den Begriff  der „Funktionslosigkeit“ von Bebauungsplänen wird in juristischen Kreisen und Foren ausführlich debattiert.


Diskussion im Planungsausschuss

Eine Diskussion gab es im Planungsauschuss zu Gebäudehöhen und Bebauungsdichte. Auf der letzten Sitzung äußerte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Szczesny zu den Plänen. Er deutete die im Antrag genannten „Modellierungen“ als „Planierungen“. Ihm sei wichtig, dass die Grünflächen des Bebauungsplans nicht schlicht ausfallen und maximal ein Souterrain entstehe. Zudem seien seiner Ansicht nach die Geschosshöhen des sechsstöckigen Gebäudes zu hoch. „Das würde ein ganz schöner Klotz werden“, sagte Szczesny und forderte deshalb eine Verringerung der Geschosshöhen um 40 Zentimeter.

Thomas Adrian, Vorsitzender der SPD-Fraktion war wichtig, dass der Neubau eine Fläche von maximal 5.500 Quadratmetern nicht überschreitet. Was den Anteil an Mietwohnungen und hochwertigen Eigentumswohnungen im Entwurf angeht, so fand er, dass der Anteil an „normalen Mietwohnungen“ (3 – 4 Zimmer) zu gering sei und ein Anstieg der Mieten die Folge sein könnte. Ein „Mix“ sei seiner Ansicht nach die beste Lösung.

Der Beschluss des Planungsausschusses sieht vor:

1. eine Präzision der Baupläne
2. eine Zwischenbebaungsfläche von maximal 5.500 Quadratmetern
3. maximal ein Souterraingebäude bei der Geländemodelierung

Der Vorschlag zur Verringerung der Geschosshöhen um 40 Zentimeter wurde abgelehnt.

Für das weitere Wettbewerbsverfahren wurden zudem die Jurymitglieder gewählt:

Wolfgang Kaeser (SPD)
Sven Hielscher (CDU)
Gesche Boehlich (GAL)
Robert Jarowoy (DIE LINKE)
Lorenz Flemming (FDP)

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