"RUHE" - Noch hängt ein solches Hinweisschild in Ottensen nicht. Noch. Montage: ALTONA.INFO
"RUHE" - Noch hängt ein solches Hinweisschild in Ottensen nicht. Noch. Montage: ALTONA.INFO

Altona / Ottensen. Fast jeder Ottenser kennt es: Auf dem Weg durch die Ottenser Hauptstaße hört man hier und da leises oder lautes Gedudel, die Einkaufsmeile am Mercado ist Anlaufziel vieler Straßenmusiker. Doch die Klänge erfreuen offenbar nicht jeden. Anwohner beschweren sich nun über Lärmbelästigung, die „nicht zumutbar“ sei.

Nachdem erst kürzlich Anwohner aus der Sternschanze wegen Lärmbelästigung auf die Barrikaden gingen, machte nun auch ein Ehepaar aus der Ottenser Hauptstraße ihrem Unmut Luft. Ihre Eingabe an den Ausschuss für Verbraucherschutz beschreibt ihre Sicht der derzeitigen Lage. Das „Stamp-Festival“ habe bei einer Anwohnerin ein „erheblichen Anstieg des Bluthochdrucks“ und „eine langfristige Beschädigung des Herzrhythmuses“ verursacht. Eine andere Person soll wegen „Überreizung ins Krankenhaus eingewiesen“ worden sein. Weiter: Die Nachtruhe der Anwohner durch gewöhnliche Straßenmusiker sei nicht mehr gewährt und Wohnungen könnten nicht mehr „als Rückzugsort erlebt werden“. Die Anwohner, die nach eigenen Angaben seit fünf Jahren in Ottensen wohnen, sahen sich in der Vergangenheit oftmals gezwungen die Polizei zu rufen, wenn Straßenmusiker nach Aufforderung den Platz nicht räumten. Und auch sonst müsse oft für Ruhe gesorgt werden, auch ohne Polizei. Für Straßenmusiker gibt es vom Bezirksamt bereits ein umfangreiches Merkblatt, welches präzise Bedingungen vorgibt, wo und wann mit welcher Lautstärke musiziert werden darf. Demnach dürfe an einem Platz nicht länger als 30 Minuten musiziert werden; danach müssen die Künstler ihren Standort um 150m verlagern. Diese bereits bestehenden Vorgaben werden zur Empörung der Vortragenden nicht berücksichtigt.

Straßenmusiker sollen unterschreiben

Es wird jedoch mehrmals betont: „Wir sind keine Gegner der Straßenmusik, man muss sich nur darum kümmern“, so der Anwohner. Er macht selbst Vorschläge verbunden mit einem Antrag im Ausschuss für Umwelt, Verbraucherschutz und Gesundheit, der am 27. Juni 2011 tagte. Im Vorfeld hatte es einen „Runden Tisch“ mit Anwohnern und Vertretern des Bezirksamtes Altona gegeben. Dort sollte die Problematik erörtert und eine Lösung von Seiten den Bezirksamtes gefunden werden. Das Ergebnis: Die Betroffenen schlagen u.a. vor, dass Straßenmusiker das Merkblatt einmalig mit einer Unterschrift zur Kenntnis nehmen. In Folge sollen sich „registrierte“ Musiker „Bescheinigungen“ zur jeweiligen Spielzeit besorgen. Wie Jürgen Langbehn vom Fachamt Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt vom Bezirksamt Altona entgegnet, sei dies ein sehr hoher bürokratischer Aufwand. Möglichkeiten dieses Verfahrens sollen aber trotzdem untersucht werden. Durch eine Registrierung könnten Straßenmusiker bei Missachtung geahndet werden. Der ohnehin unterbesetzte Bezirkliche Ordnungsdienst (BOD) könnte dadurch entlastet werden, heißt es.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse des „Runden Tisches“ hat das Bezirksamt Altona nun eine Beschlussempfehlung verfasst. Diese schlägt vor, zwei Schilder in der Ottenser Hauptstraße aufzustellen, die auf Vorgaben des aktuellen Merkblattes hinweisen, „ohne jedoch grundsätzlich die Straßenmusik infrage zu stellen“. Anwohner könnten so bei eventueller Ruhestörung Straßenmusiker auf das Schild verweisen. Im Ausschuss für Umwelt, Verbraucherschutz und Gesundheit wurde sogar erwogen, noch ein drittes Schild in der Ottenser Hauptstraße aufzustellen.
Zunächst wurde das Thema jedoch vertagt, damit das Bezirksamt die Frage der Registrierung für Straßenmusiker und die Anzahl der aufzustellenden Schilder überprüfen könne. Fest steht bereits, dass sich laut Amt neben dem Verbraucherausschuss auch der Verkehrsausschuss mit der Thematik befassen muss. Klar, sind ja Verkehrsschilder. Sehr wahrscheinlich wird sich noch der Kulturauschuss einschalten. Ein wahrliches Sommertheater für Altona!

Der Anwohnervorschlag für die Schilderbeschriftung lautet:

Liebe Straßenmusiker/innen, für Eure Kunst benötigt Ihr auch den Äther-Raum vieler Menschen, die hier wohnen und arbeiten. Schon Wilhelm Busch sagte: „Musik wird als störend oft empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden.“ Dennoch möchten die Anwohner und Anlieger Euch hier nicht missen, weil Ihr mit Eurer Kunst ein belebendes Element für diese Straße bedeutet. Um aber den Raum in Ein-“Klang“ mit den Anwohnern und Anliegern zu teilen, ist folgender Weg für Straßenmusik vorgegeben: „Holen Sie sich eine Platzkarte, die Sie nach einem ersten persönlichen Besuch später nur noch per Mail oder Fax abrufen können: Adresse…….. Tel:………. Mo. bis Fr. von …… bis ……..Uhr. Sonn- und Feiertage sind musikfrei!“

12 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Vielleicht auch spannend in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass die ECE ganz vorne mit dabei is, hier in Altona. Als (auch internationale) Projektentwickler von . z.B Einkaufzentren, Büroflächen, Verkehrimmobilien usw. und Gründer der Stiftung „Lebendige Stadt“ (es lohnt sich per Suchmaschine zu gucken wer da so mitmischt) hat ECE ein großes Interesse daran sich bei der Hamburger Poltik liebkind zu machen. Und gehört doch auch zu den Sponsoren in erster Reihe von der Altonale und Stamp. Oder? Passen würde es zumindest, da ja , mittenmang in Altona, ne Menge Fläche frei wird, die Verbindungen , zu stärken. Was liegt da näher als kulturelles Engagement, das ganz im Sinne des Stadtmarketings ist?

    Nur mal so als Frage in den virtuellen Raum gestellt.

  2. Simon hat ja recht, solange sich Menschen finden die für die teilweise ausgesprochen kläglichen Darbietungen ihre Euros hergeben, solange werden sich auch weiterhin diverseste „Künstler“ in der Ottenser Hauptstraße produzieren; auch die arbeiten nach marktwirtschaftlichen Kriterien und wo nichts zu holen ist gehen die auch nicht hin …

  3. Wir haben auch mal in den Ottenser Hauptstraße gewohnt. Der Penner mit seiner Gitarre, der mongolische Oberkopftonsänger, den mit dem Akkordeon kennen wir auch. Die schreckliche Opernsängerin. Keiner der „Musiker“ hat ein Repertoire, das über drei Lieder hinausgeht, und das auch noch schlecht.
    Folter ist da schon das richtige Wort.
    Menschen, die dem nicht jeden Tag ausgesetzt sind, können sich das anscheinend nicht vorstellen. Das hat mit spiessig nichts zu tun – die Dauerbeschallung, die man sich nicht selbst aussucht udn vor allem auch nicht abstellen kann, zerrt an den Nerven, zerrüttet, schmerzt. Ich habe versucht, mit den Straßenmusikern zu reden, sie auf die Gesetzeslage aufmerksam zu machen, um Rücksicht zu bitten, und wurde teilweise von Mafia-ähnlichen Typen bedroht.
    Wir sind dann weggezogen, weil wir den Lärm nicht mehr ausgehalten haben.
    Das war vor zehn Jahren.

  4. …..Das Stampfest fand zwar schwerpunktmäßig in der Großen Bergstraße statt. Aber schon im Programm konnte jeder nachlesen, dass es sich auch in die Nebenstraßen ausweiten sollte. So sind während des Stamp über das ganze Wochenende wiederholt über viele Stunden Blechbläser (eine Gruppe mit über 30 Personen) in der Ottenser Hauptstraße aufgetreten in einer Lautstärke, dass auch der Leiter der Polizei sagte, dass er diese Lautsärke beanstande. Davon ist eine Anwohnerin derart in ihrer Gesundheit geschädigt worden, dass sie nach Eppendorf eingeliefert werden musste, wo Ärzte eine akustische Überreizung diagnostiziert haben. Andere Anwohner sind aus ihren Wohnungen geflüchtet. Es ist allgemein bekannt, dass sich der Schall durch die enge Bebauung in der Ottenser Hauptstr. wie ein Schalltrichter so auswirkt, so dass er bis tief in die Straße hinein in der 2 und 3 Etage deutlich stärker ist, als unten auf der Straße. Er übersteigt bei weitem die zulässigen Grenzwerte für Wohnungen. Das ganze dauerte jeweils Stunden und das an 3 Tagen. Die Blechbläser in der Ottenser Hauptstr. waren Teil des Stamp. Also – wer sich nur in der Großen Bergstraße aufgehalten hat, sollte kein Urteil (dazu noch mit dem Prädikat „kapitaler Fehler“) darüber abgeben, was sich während des Stamp in der Ottenser Hauptstr. zugetragen hat.
    Anwohner

  5. das Phänomen der Straßenmusik inflationiert. Es ist wie mit dem Salz in der Suppe. Zuviel ist schlecht.

    Und ich kann auch einen guten Rat geben: Einfach dieser Klientel kein Geld mehr geben. Was glauben Sie, wie schnell die dann weg sind? Ich kann diese talerwerfenden Gutmenschen sowieso nicht verstehen.

    Am allerwenisgten wenn es sich um Südeuropäische Musikanten handelt. Wenn dort mehr als 5 Cent von 1 Euro im Eigenbesitz bleiben, mag dies schon viel sein.

  6. Der Artikel ist mit dem Schild „Ruhe“ natürlich provokant und kann wohl Leser anziehen aber leider ist die Aussage eines solchen Schildes das genaue Gegenteil von dem, was wir vorschlagen. Desweiteren sind wir kein Rentnerehepaar sondern wir sind beide noch voll berufstätig. Es geht dabei nun nicht um uns allein. Es sind über 100 Wohnungen und über 20 Praxen (Ärzte und Anwälte mit ihren Mitarbeitern) betroffen. Diejenigen, die hier tags nicht anwesend sind, weil sie woanders arbeiten und die Praxen, die nur tags anwesend sind, bekommen jeweils nur die Hälfte mit. Aber auch von dort kommen die massiven Beschwerden. Es gibt Mitarbeiter, die regelrecht lärmgeschädigt sind. Diese Menschen hören privat keine Musik mehr, gehen in kein Restaurant mehr, wo Musik läuft. Meine Frau und ich und etliche andere wohnen und arbeiten hier. Dauermusikberieselung mit immer wieder den selben Stücken und Musikern und das zu jeder Zeit und oft geballt in kurzen Abständen, so dass man verschiedene Musiker von zwei Seiten in Stero mit perfekter Disharmonie ertragen muss, ist mehr als nur eine Belästigung. Tote Geräusche wie Verkehrslärm haben nicht ansatzweise den Störungsgrad wie negative Musik. Das FBI hat im Irak die Gefangenen mit Musik gefoltert und keinesfalls nur ein Moped laufen lassen. Wenn man ständig Essen vorgesetzt bekommt, das man nicht bestellt hat, so wird einem ganz schnell der Appetit vergehen. Wenn hingegen auf dem Tisch ein Stein liegt, stört er allenthalben als Gegenstand aber er belästigt ansonsten nicht die Sinne. In Barcelona ist Straßenmusik ganz verboten. In Graz Österreich und anderen Städten laufen ähnliche Bemühungen. In München dürfen nur 10 Musiker pro Tag auftreten – für die ganze Stadt – und sie müssen vorher vorspielen, ob sie überhaupt den Passanten auf der Straße zugemutet werden können. Eine gleiche Regelung gilt für die Metro in Paris. In der Schanze laufen Beschwerden – nur wenn Gäste draußen durch ihre Unterhaltungen Geräusche machen. Um all dies geht es hier nicht. Die Anwohner haben im Ausschuß eben genau nicht dafür plädiert, dass Verbotsschilder – noch dazu mit so einer schlimmen Aussage wie „Ruhe“ – aufgestellt werden, sondern eben ein Schild wo ohne Juristendeutsch schlicht ein Umgang erklärt wird, damit sowohl Straßenmusiker und Anwohner miteinander leben können. Jetzt ist die Situation so, dass die Musiker die seit vielen Jahren geltenden Regelungen gar nicht kennen und sich dann wundern, wenn der Ordnungsdienst von Anliegern oder Anwohnern gerufen wird. An Sonn- und Feiertagen war hier schon immer ein Auftrittsverbot. Ein Passant, der nur mal vorbeikommt und gerade mal kurz sich eine Gruppe anhört, ahnt nicht mal, wie die Anwohner und Anlieger darunter leiden. Die Töne kommen in den oberen Etagen ja nur noch bruchstückhaft als Störung und nicht als Musikgenuß an. Es gibt schlimme Beispiele, wie brutal und spießig (bis faschistoit) Menschen denken. Als ein Musiker am späten Sonntagabend angesprochen wurde, dass er doch aufhören möge mit dem Hinweis, dass hier Wohnungen sind und einige schon lärmgeschädigt sind, da sagte eine Passantin: „Wenn jemand lärmgeschädigt ist, dann stört ihn die Musik ja ohnehin nicht mehr.“ Unsere Anwältin hat uns schon vor eineinhalb Jahren erwogen, beim Verwaltungsgericht eine Feststellungsklage einzureichen, was zur Folge hätte, dass hier das Hamburger Wegerecht angewendet werden müsste. Das bedeutet, dass die Straßenmusik dann ganz verboten würde. Da wir das nicht wollen, bemühen wir uns um eine Regelung mit der alle leben können. Wenn die Musiker – bevor sie das erste Mal auftreten – einmalig darüber informiert werden, wie und wann sie Musik machen können, dann ist das nicht nur deutlich weniger Bürokrartie als jetzt, wo fast täglich irgend ein Anlieger oder Anwohner den BOD oder die Polizei rufen muss und es ist vor allem für die Musiker viel entspannter, wenn sie wissen, dass und wie und wann sie sich hier richtig legal bewegen können. Die jetzige Situation mutet eher wie ein Katze- und Mausspiel an. Wenn man Straßenmusik will, dann muss man sich auch darum kümmern und darf es nicht einfach zu einer Willkür verkommen lassen. Straßenmusik ist eine sehr wichtige und wertvolle Kultur, die wir speziell hier in der Ottenser Hauptstr. schon oft auch konkret unterstützt haben und eben auch erhalten möchten. Darum geht es.

  7. „… auch ein Rentner-Ehepaar aus der Ottenser Hauptstraße ihrem Unmut Luft. … Das “Stamp-Festival” habe bei einer Anwohnerin ein “erheblichen Anstieg des Bluthochdrucks” und “eine langfristige Beschädigung des Herzrhythmuses” verursacht.“

    Wenn das Rentner-Ehepaar in Ottensen geblieben wäre, dann hätte es auch keine Herzprobleme. Das Stamp-Festival hat doch auf der anderen Seite des Bahnhofes, in der Großen Bergstraße, stattgefunden.

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