"KoALA" in Aktion - Führung

Altona / Ottensen. Das Stadtteilarchiv Ottensen gab eine Führung durch einige Betriebe des Hamburger Beschäftigungsträgers KoALA e.V.. Anlass war der drohende Stellenabbau für ein-Euro Jobber. Einige der ca. 20 Besucher waren allerdings nicht gekommen, um Einblicke zu erlangen. Sie stellten Beschäftigungsträger wie KoALA e.V. als „Ausbeuter“ dar und machten die Führung zur hitzigen Diskussion.

Treffpunkt ist der Innenhof der Holzwerkstatt in der Kleinen Rainstraße. Schon vor Betreten der Arbeitsstätte gibt es heftige Widersprüche seitens der „KoALA-Rebellen“. Der Beschäftigungsträger sei in ihren Augen keine soziale Einrichtung, sondern diene der „Ausbeutung billiger Arbeitskräfte“. Wie sich im Verlauf der immer mehr eskalierenden Führung herausstellt, sind die meisten der Widersacher Hartz-4-Empfänger, die man in ein-Euro-Stellen gezwungen habe. In der Holzwerkstatt gibt es erstes Handgemenge und KoALA Geschäftsführer Aram Ockert versucht erfolglos den Tumult zu schlichten. „Fühlen sie sich nicht ausgebeutet?“, werden die Angestellten gefragt.

Nächste Station ist die Suppenküche „La Cantina“ in der Zeißstraße. Ockert versucht, die wütenden Teilnehmer von der Veranstaltung auszuschließen, was jedoch nur teilweise gelingt. Nach einer kurzen Vorstellung der Arbeit und Angebote der Suppenküche geht es weiter zum KoALA-Ausbildungszentrum in der Behringstraße. Wieder Handgemenge vor dem Eingang. Ockert kann die Situation trotzdem beruhigen und es kommt letztendlich zur Einigung, sich zivilisiert mit dem Thema auseinander zu setzen. Die Stimmung im Konferenzraum ist dennoch gereizt.

Die Betroffenen erzählen von persönlichen Erfahrungen im Ein-Euro Gewerbe. Sie seien förmlich ausgenommen worden, hätten zu viel für zu wenig Geld gearbeitet und Auswege gebe es oftmals nicht. Man kann ihre Wut verstehen, auch wenn ihre Anschuldigungen gegenüber KoALA e.V doch etwas zu hoch gegriffen erscheinen. Geschäftsführer Ockert versichert, dass der e.V. die Angestellten keineswegs ausbeute, sondern versuche, ihnen eine sinnvolle Beschäftigung zu bieten.

Hintergrund

KoALA e.V. bietet momentan etwa 400 Angestellten eine Beschäftigung auf ein-Euro-Basis. Arbeitslosen soll dadurch eine sinnvolle Beschäftigung geboten werden, um sie zu „stabilisieren und fit für den regulären Arbeitsmarkt zu machen“. Die Dauer der Beschäftigung dauert in der Regel zehn Monate. Momentan ist die Lage für KoALA e.V. und seine Beschäftigten jedoch ernst: Die Geschäftsführung sieht sich derzeit gezwungen, alle Arbeitsverhältnisse bis Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Die Bundesregierung hat das „Gesetz zur Leistungssteigerung der arbeitsmakrpolitischen Instrumente“ ins Kabinett eingebracht. Mit inkrafttreten des Gesetzes, werden die ein-Euro-Stellen zwar nicht abgeschafft, aber die Mittel der Beschäftigungsträger drastisch gekürzt. Beschäftigten kann so das ohnehin nicht sehr hohe Gehalt nicht vollständig ausgezahlt werden. Inwiefern der Gesetzesentwurf umgesetzt wird, soll sich in den kommenden Monaten zeigen.

1 KOMMENTAR / LESERBRIEF

  1. Herr Ockert versucht den Menschen also eine sinnvolle Beschäftigung zu geben.

    Man fragt sich, welchen Menschenbild dieser Herr von Arbeitslosen hat. Haben die keine eigenen Interessen, keine Hobbys, keine Freund, mit denen sie etwas unternehmen? Sind das keine Erwachsenen, die sich selbst eine sinnvolle Beschäftigung suchen können? Sind die nicht in Vereinen, in denen sie sich selbst „sinnvoll beschäftigen“? Sind das Kleinkinder, die eine Anleitung zur sinnvollen Beschäftigungen von einer Kindergärterin verordnet brauchen?

    Gesetzlicher Zweck der EEJ ist nicht „sinnvolle Beschäftigung“, sondern ausschließlich die Vorbereitung, damit eine reguläre Arbeit aufgenommen werden kann. Welche „Erfolgsbilanz“ hat Herr Ockert denn da vorzuweisen?

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