Hamburg / Altona. Das Thema „Moorburgtrasse“ erhitzt noch immer die Gemüter in Hamburg und insbesondere im Bezirk Altona. Nachdem die Firma Vattenfall Europe Wärme AG die vollständigen Antragsunterlagen für das Planfeststellungsverfahren zum Bau und Betrieb der Fernwärmeleitung zwischen dem Kraftwerk Moorburg und der Pumpstation Haferweg in Altona bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) eingereicht hatte, gab es bis einschließlich Ende Juni die Möglichkeit, Stellung zu beziehen. Über 3.500  Einwendungen gegen die Fernwärmetrasse haben Vertreter des BUND Hamburg und der Bürgerinitiative „Moorburgtrasse stoppen!“ bei der BSU abgegeben.

Hauptkritikpunkt vieler Einwendungen sei die Tatsache, dass die Fernwärmeauskopplung aus dem Kohlekraftwerk die Klimaschutzziele massiv gefährden würde. „Sollte die Fernwärmetrasse kommen, wäre dies die Kapitulation vor den eigenen Klimaschutzzielen, die sich die Stadt gesetzt hat. Eine kohlebefeuerte Fernwärmeversorgung à la Vattenfall behindert massiv den Ausbau dezentraler und klimaverträglicher Lösungen“, so Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg bei der Übergabe vor der BSU.  Viele der Anwohner und Anwohnerinnen befürchten zudem ein Verkehrschaos während der Bauphase im Bereich der Holstenstraße und erheblichen Baulärm. Insgesamt sollen für das umstrittene Projekt 333 Bäume im Bertha-von-Suttner-Park und im Alsenpark gefällt werden. Aus Sicht der Einwender und Einwenderinnen sei die Fernwärmetrasse auch für den Hafenbereich „problematisch“, der als Rückzugsraum verschiedener seltener Vogelarten gilt.

In den Antragsunterlagen macht die Firma Vattenfall deutlich, dass unter Anderem auf „Umweltschutzgüter“ Rücksicht genommen wurde und die gewählte Trassenführung „die verträglichste Gesamtlösung“ darstellt.  Zum Thema „Planrechtfertigung“ heißt es wörtlich: „Die Festlegung der Trassenführung ist ein iterativer Prozess zwischen wirtschaftlicher Anforderung, technischer Machbarkeit und öffentlichen Rahmenbedingungen. Zu den öffentlichen Rahmenbedingungen gehören die Eingriffe in Straßenräume, Nutzungen von privaten Flächen für Querungen und Baumaßnahmen, sowie potentielle Einwirkungen auf Umweltschutzgüter.“ Eine „Potenzialanalyse zum Artenschutz“ befindet sich ebenfalls in den Antragsunterlagen zum Planfeststellungsverfahren. Dort wird beschrieben: „Von den im Untersuchungsgebiet potentiell vorkommenden Brutvogelarten sind die Arten der Gehölze zunächst durch die Rodungen und Bauarbeiten vom Verlust ganzer Brutreviere und damit einer Zerstörung oder zumindest Beschädigung ihrer Fortpflanzungsstätte betroffen. Durch die Neupflanzungen und die allgemeine Landschaftsentwicklung bleiben die ökologischen Funktionen jedoch langfristig im räumlichen Zusammenhang erhalten.“

Im Anschluss an die Übergabe sei es nun Aufgabe der BSU, die Einwendungen zu bewerten. BUND und die Intitiative „Moorburgtrasse stoppen!“ fordern einen „öffentlichen Erörterungstermin im weiteren Verfahrensgang“. Dieser soll nach Angaben der BSU im Herbst stattfinden. „Alles andere wäre ein Affront gegen die Interessen der Anwohner und der gesamten Öffentlichkeit“, so der BUND und die Bürgerinitiative.

Das Dossier zum Thema „Moorburgtrasse“

 

 

1 KOMMENTAR / LESERBRIEF

  1. Dieser total überzogene Widerstand ist in meinen Augen lächerlich. Die Mehrzahl der Einsprüche stellt ausserdem einen krassen ‚Missbrauch‘ des Deutschen Planungs- und Genehmigungsrechtes dar. Es wird den Bürgern vom Staat das Recht gewährt Einwendungen gegen solche Planungen zu erheben, welche den Einwender mehr oder weniger direkt(!) betreffen. Die Möglichkeiten welche das Planrecht den Menschen einräumt sind nicht dazu gedacht gegen alles Vorzugehen was einem – aus welchen Gründen auch immer – nicht ins Weltbild passt.

    Mit dem ‚Argument‘ der Klimaschutzziele gegen die Trasse zu klagen empfinde ich als ein billiges ‚Nachtreten‘ derjenigen die gegen den Bau des Kraftwerkes Moorburg waren und dort verlorgen haben – sich aber die Niederlage nicht eingestehen wollen. Mit der Bergründung ‚Klimaschutz‘ koennte ich genauso gegen den Bau eines Kinos in meiner Nachbarschaft klagen – denn schliesslich verbraucht eine Kino Strom und erzeugt somit mehr Treibhausgase.

    Ich hoffe, dass diese rein aus Ideologie erfolgten EInwendungen rasch abgewiesen werden und sich die Planer um die wenigen Eingaben kümmern können die vielleicht tatsächliche Aspekte der Trassenführung betreffen.

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