Schulentwicklungsplan 2012 lässt Fragen offen

 

Hamburg / Altona. Wachsende Schülerzahlen, kleinere Klassen, längere Schulbesuchszeiten durch Vorschulen und Oberstufen, ein deutlicher Ausbau von Ganztagsschulen und neue Herausforderungen im Bereich der Inklusion früherer “Sonderchüler” – in all diesen Punkten soll mit dem vorgelegten Schulentwicklungsplan eine verlässliche Perspektive für die Zukunft geboten werden. Beschrieben wird, wie ein regionales Netz von Schulstandorten aussehen soll.

Kaum wurde der Plan öffentlich vorgestellt, hagelte es auch schon Kritik. Vom “Plan ohne Plan” war bei der GAL die Rede: “Es ist Aufgabe der Behörde, zumindest die ungefähren Kosten für ihre eigenen Planungen zu ermitteln. Eine Schulplanung, deren Kosten angeblich nicht darstellbar sind, ist keinen Pfifferling wert”, sagt Stefanie von Berg, schulpolitische Sprecherin der GAL. “Aus dem Plan wird deutlich, dass Senator Rabe sich vor schwierigen Entscheidungen drückt. Wenn er von Schulfrieden spricht, meint er eigentlich Klientelpolitik – Ruhe um jeden Preis. Die Stadt hat ein Recht zu erfahren, wie hoch der Preis für die erkaufte Ruhe sein wird.”

Robert Heinemann, schulpolitischer Sprecher der CDU, kritisiert vor allem die lange Bearbeitungszeit des Schulentwicklungsplans und dass die demokratischen Gremien nun keine drei Monate mehr zur Beratung eingeräumt bekommen: „Rabe drückt aufs Tempo, weil der Stillstand im Schulbau inzwischen zu massiven Problemen führt. Leider schafft er es trotzdem nicht, den Schulentwicklungsplan rechtzeitig vor Beginn der normalen Anmelderunde zu beschließen. Die Anmelderunde muss daher nach hinten verschoben werden, damit Eltern bei der Anmeldung wissen, was mit den Schulstandorten passiert.”

Dora Heyenn, Faktionsvorsitzende und schulpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE erklärt: „Die wichtigsten Fragen werden im Schulentwicklungsplan ausgeblendet: Keine Rede ist dort von den vielen Sonderschülern, die nun an die Stadtteilschulen kommen und für die zusätzliche Räume, auch Förderräume, benötigt werden.” Außerdem seien keinerlei Aussagen dazu zufinden, dass schon jetzt über 50 % der Schülerinnen und Schüler nach Klasse 4 aufs Gymnasium wechseln und dieser Anteil jedes Jahr steigt, womit die Stadtteilschulen zur Restschule zu werden drohen. Außerdem vermisse sie Angaben zur Finanzierung von Sanierungen und Neubauten. Ties Rabes Vorschlag, Schulgebäude und -gelände an private Investoren zu verkaufen, lehnt sie entschieden ab.

Hier kann der Schulentwicklungsplan in vollem Umfang angeschaut werden. Die Darstellungen für Altona beginnen auf der Seite 21, sie gliedern sich in vier Regionen:

Schanzenviertel, Altona-Altstadt, Altona-Nord, Ottensen, Bahrenfeld und Othmarschen-Ost

Laut Schulentwicklungsplan meldeten sich zum Schuljahr 2011/2012 rund 45% der Schülerinnen und Schüler für ein Gymnasium an, die anderen 55% entschieden sich für eine Stadtteilschule. Während nur die Hälfte der zukünftigen Gymnasiasten auch ein regionales Gymnasium besuchen, sind bei den Stadtteilschülerinnen und -schülern gut 70% in der Nähe geblieben. Auch Nachbarregionen erhielten die weiterführenden Schulen in dieser Region etwas 20-25% ihrer Anmeldungen. Da in den nächsten Jahren in diesem Gebiet viele neue Wohneinheiten geplant sind, ist für die Grundschulen mit einem Mehrbedarf von bis zu sechs Zügen zu rechnen.

Lurup und Osdorfer Born

In dieser Region verteilen sich die Neuanmeldungen an weiterführenden Schulen im gleichen Verhältnis wie in der vorherbeschriebenen Region. Es entschieden sich rund 60% für eine Stadtteilschule in der Nähe, und etwas mehr als 50% für ein regionales Gymnasium. Anmeldungen aus Nachbarregionen gibt es in Lurup und am Osdorfer Born kaum. Die nur in geringem Maße geplanten Neubauten bedeuten voraussichtlich keine großartigen Änderungen der Schülerzahlen an den Grundschulen. Aktuell ziehen mehr Familien mit ihren Kindern weg, als dass Schulkinder von zugezogene Familien hinzukommen. Diese Angaben gehen aus dem Schulentwicklungsplan hervor.

Nienstedten, Blankenese, Iserbrook, Sülldorf und Rissen

Im Gegensatz zu den anderen Regionen entschieden sich mit gut 70% hier die deutliche Mehrheit für das Gymnasium und nur knapp 30% für eine Stadtteilschule. Ein Viertel der Anmeldungen für ein Gymnasium ging an eines in einer Nachbarregion, die Sadtteilschulanmeldungen blieben fast alle in der Region. Die Gymnasien erhielten 20% ihrer Anmeldungen aus Nachbarregionen, bei den Stadtteilschulen lag der Wert sogar bei 40%. Neubauaktivitäten in dieser Region haben laut Schulentwicklungsplan vorraussichtlich den Mehrbedarf eines Zuges in den Grundschulen zur Folge.

Bahrenfeld-West, Othmarschen-West, Groß Flottbek und Osdorf (ohne Osdorfer Born)

In dieser Region meldeten sich sogar 75% aller Schülerinnen und Schüler an einem Gymnasium an, überwiegend auch an einem regionalen. Die 25%, die auf eine Stadtteilschule gingen, entschieden sich dagegen zu zwei Dritteln für eine Schule in der Nachbarregion. Die regionale Stadtteilschule vor Ort erhielt dementsprechend 50% ihrer Anmeldungen aus anderen Regionen. Neubaumaßnahmen sind nur in geringem Maße geplant, weswegen keine nennenswerten Änderungen in der Schülerzahl zu erwarten sind. Die Einschulungszahlen aus der Region werden laut Schulentwicklungsplan stabil bleiben, während die Zugangszahlen von Schülerinnen und Schülern aus Nachbarregionen leicht ansteigen.

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=39948

geschrieben von bei Okt 31 2011. abgelegt unter Allgemeines, Meldungen, Politik Wirtschaft Gesellschaft. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

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