Hamburg / Altona / Lurup. Nach der Bezirksversammlung vom 27.10.2011 zeichnet sich für das Stadtteilhaus Lurup zumindest ein halber Lichtblick für 2012 ab. Die Koalition aus SPD und GAL in Altona hat zugesichert, Gelder in Höhe von 25.000 Euro aus Bezirksmitteln zu bewilligen und so zu gewährleisten, dass das Haus geöffnet bleiben kann. 

Gefordert worden war vom Stadtteilhaus Lurup ein Betrag von 50.000 Euro für das nächste Jahr, da laut eigenen Angaben 23.000 Euro für die Aufstockung der Stelle der Geschäftsführung auf eine volle Stelle, 16.000 Euro für eine halbe Stelle einer Verwaltungkraft und 11.000 Euro für Honorarmittel benötigt werden. Bisher erhält das Stadtteilhaus Lurup jährlich 38.000 Euro. Laut eigener Aussage reiche dieses Geld nicht einmal für die Personalkosten für eine 30-Stunden-Woche der Geschäftsleiterinnenstelle. Sämtliche Betriebskosten, Sachmittel und Gehalt für den Hausmeister erwirtschafte das Haus selbst. Bisher seien zumindest die zehn nicht gedeckten Wochenstunden der Geschäftsleitung durch Eigenmittel des BÖV 38 e.V. bezahlt. Ende 2011 seien diese Gelder allerdings aufgebraucht. Außerdem werden dem Stadtteilhaus an 2012 keine Aktivjobber mehr zugewiesen. Der Senat hatte beschlossen, dass zukünftig nur noch Beschäftigungsgesellschaften 1-Euro-Kräfte beschäftigen sollen.

Die spontane Zusicherung der 25.000 Euro durch die rot-grüne Bezirkskoalition in Altona hat aus Sicht der CDU zwei Seiten. Fraktionschef Uwe Szczesny begrüßte zwar diesen Akt der „Ersten Hilfe“ und das Bekenntnis zum Böv 38, kritisierte aber gleichzeitig, dass dies nur eine kurzfristige Lösung sei: „Gefordert ist eine langfristige, verlässliche Absicherung des Böv 38 durch den Senat. Mit diesem Ziel jedoch läuft die regionale SPD seit geraumer Zeit beständig an die Gummiwand des Scholz-Senats.“
Nicht einmal ansatzweise gelöst sei mit dieser Finanzspritze das Problem der Mitarbeiter, die zum Januar gehen müssen. Szczesny sehe derzeit keinen Weg, wie diese 25.000 Euro anteilig so eingesetzt werden können, dass die Frauen und Männer im Böv davon etwas abbekommen. Sollte man dieses über Teilzeitarbeit oder Minijob  versuchen, so würden die Minimalgehälter umgehend von der Arge einkassiert.
Er fordert die SPD deshalb auf, sich umgehend gemeinsam an einen Tisch zu setzen, um Wege zu finden, wie beispielweise über Aufwandsentschädigungen der Verbleib der Mitarbeiter gesichert werden kann. Weiterhin erwartet er, dass die Altonaer SPD endlich das „Kreuz zeigt“, um dem Böv 38 über die Regelfinanzierung durch den Senat eine langfristige Perspektive zu geben.

Zur Entstehung des Stadtteilhauses

Im Jahr 2005 wurden die Luruper Bücherhallen geschlossen. Es gründete sich die Initiative der „Freunde der Luruper Bücherhalle“, welche sich wenig später in der zwei Jahre zuvor gegründeten Luruper Stadtteilgenossenschaft organisierte. In den leerstehenden Räumen betrieb die Genossenschaft mit Hilfe von engagierten Luruperinnen und Lurupern verschiedene Projekte, ein Theater und ein Lese-Kultur-Café. Bald darauf entstand eine enge Zusammenarbeit mit dem BÖV 38 e.V., dem Träger des ebenfalls in 2005 geschlossenen Haus der Jugend am Böverstland 38. Die Luruper Stadtteilgenossenschaft erwies sich als Betriebsform für ein Stadtteil-Kulturzentrum zu teuer und aufwendig. 2007 übernahm BÖV 38 e.V. die gesamte Trägerschaft.
Heute finden hier Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten, Hintergründen und Bedürfnissen einen Ort: eine ältere Dame, die fast jeden Tag auf eine Tasse Kaffee und ein Gespräch vorbeikommt, die Kinder vom Malkurs, Line-Dancer, Migrantinnen beim internationalen Frauenfrühstück, Erwebslose, die Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und beim Erstellen von Bewerbungen benötigen und noch viele weitere.

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