Landstrom-Gutachten: Auswertung bis Frühjahr 2012

Hamburg. “Über das Für und Wider einer Landstromversorgung im Hamburger Hafen wird seit mehreren Jahren in der Bürgerschaft  diskutiert – passiert ist bislang allerdings kaum etwas.” So fasst Anne Krischok (SPD) die bisherigen Entwicklungen zu dem Thema zusammen. Jetzt soll Bewegung in die Sache kommen. Auf der letzten Sitzung verabschiedete die Bürgerschaft eine entsprechende Initiative. GAL und BUND geht das aber nicht schnell genug.

Laut einer Mitteilung liege den zuständigen Behörden nun das Gutachten “Realisierbarkeit von Landstromanlagen an den Hamburger Kreuzfahrtterminals HafenCity und Altona” vor. Nun soll der Senat diese Untersuchung bis zum Frühjahr nächsten Jahres bewerten. Die SPD-Fraktion fordert dabei vor allem, folgende Punkte zu beachten:

- Die Berücksichtigung der Stromkompatibilität, das Ausmaß des Bauumfanges einer Landstromanlagen
- Mögliche Auswirkungen auf das Hamburger Stromverteilernetz
- Konkrete Zahlen zur Vermeidung von Lärm-, Schwefel-, Feinstaub-, Stickoxid- und CO2-Belastung
- Eine realistische Einschätzung über Investitionssummen bei verschiedenen Finanzierungs- und Betreibermodellen mit und ohne städtische Beteiligung
- sowie eine realistische Auflistung der Vor- und Nachteile einer Landstromlösung im Vergleich zu Gas, Flüssiggas oder Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technologie

Vor allem angesichts des rasant gestiegenen Aufkommens von Kreuzfahrtschiffen bestehe nun mehr denn je Handlungsbedarf, um im Hamburger Hafen die von Schiffen ausgehenden Emissionen zum Schutz der Menschen, die in der Nähe wohnen, zu reduzieren und damit die Luftqualität in ganz Hamburg zu verbessern. “Über 40 Prozent der Stickoxidbelastung kommt aus dem Hafen und wir wollen diese Schadstoffquelle zum Versiegen bringen und dafür sorgen, dass Kreuzfahrt- und Containerschiffe künftig nicht mehr die Luft verpesten”, meint hierzu Anne Krischok.

Die GAL-Fraktion kritisiert die abwartende Haltung der SPD-Fraktion. „Wie etliche andere Umweltthemen auch, geht die SPD das Thema Landstrom gemächlich und ohne Ehrgeiz an. Notwenige Gutachten und Machbarkeitsstudien liegen längst vor. Dennoch will die SPD bis April 2012 erst einmal gar nicht tun”, sagt Jens Kerstan. In einer Mitteilung führt er des Weiteren Los Angeles als Beispiel für funktionierende Landstromversorgung für Kreuzfahrtschiffe an und erklärt außerdem, dass auch die Wirtschaft auf eine schnelle Lösung dränge: Aida Cruises habe dem Senat angeboten, ihr gesamtes Know-how unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. “Dieses Angebot kann man jetzt annehmen und muss nicht bis zum nächsten Frühjahr warten.”

Auch dem BUND ist die Frist zur Prüfung eindeutig zu lang. „Es müsste angesichts der dramatischen Luftsituation und dem drohenden Vertragsverletzungsverfahren wegen der zu hohen Stickoxidwerte in Hamburg eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Senat zügig handelt“, so Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg, laut einer Pressemitteilung. Derzeit laufe ein so genanntes Notifizierungsverfahren zwischen Deutschland und der Europäischen Kommission, an dem Hamburg aufgrund seiner überhöhten Stickstoffdioxid-Werte (NO2) beteiligt ist. Dieses Verfahren könne den Kommunen mehr Zeit für die Einhaltung der Grenzwerte einräumen, wenn sie überzeugende Konzepte vorlegen, wie sie die NO2-Belastung bis 2014 auf die grundsätzlich seit 2010 gültigen Werte von 40 µg pro Kubikmeter Luft reduzieren wollen. In Hamburg sei eine Verlängerung der Fristen allerdings kaum möglich, da die hierfür geltenden erhöhten Grenzwerte von 60 µg, die in diesem Fall bis 2014 von Brüssel akzeptiert würden, ebenfalls nicht eingehalten werden. Auf Grund dieser Tatsachen ist es laut Braasch vollkommen unverständlich, dass das Gutachten noch unausgewertet und der Senat untätig ist.

 

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geschrieben von bei Nov 9 2011. abgelegt unter Allgemeines, Politik Wirtschaft Gesellschaft. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

4 Reaktionen für “Landstrom-Gutachten: Auswertung bis Frühjahr 2012”

  1. frappant

    Also Ihre Befürchtung ist, daß zu wenige Kreuzfahrtschiffe das neue Terminal anlaufen würden, gäbe es dort eine andere als die von Ihnen so vehement vertretenen “Europaweiten Richtlinien”. Es würde wahrscheinlich das wirtschaftliche Ende Altonas, wenn nicht Hamburgs vor der Tür stehen, käme die kleine Hansestadt Hamburg auf die Idee, dem ” reinsten Populismus” von “Teilen der Hamburger Politik” auf den Leim zu gehen. Der “Negativwettbewerb” würde unser aller Ruin bedeuten. Wer sollte so etwas anstreben ?

  2. Jana

    @frappant: Es ist ja schoen, dass die die Weisheit mit Loeffeln gefressen haben und uns so gut aufklaeren koennen. Beschaeftigen sie sich doch bitte einmal ein wenig mit dem Begriff “Populismus.

    Ich frage mich, wie ich “polulistisch” sein kann wenn ich auf rein sachliche Dinge hinweise. Das ist das Gegenteil von Populismus.

    Reinster Populismus ist es hingegen wenn Teile der Hamburger Politik (zum Teil wider besseres Wissen) “Loesungen” einfordern die summa summarum nachweislich nichts bringen ,die aber vom Normalbuerger (welcher sich mit der Materie nicht auskennt ) als “entschlossenes Handeln” aufgefasst werden.

    Das Europaweite Richtlinien, also eine dringend benoetigte Vereinheitlichung von Umweltstandards, vielleicht Ihren Horizont uebersteigen, liebe(r) Frappant, das bezweifle ich keien Sekunde. Dennoch brauchen wir in einer globalen Branche wie der Schiffahrt eintheitliche Loesungen im Umweltschutz, und keine unkoordinierten Alleingaenge einer einzelnen Stadt (z.B. Hamburg).

    Es darf nicht die Situation entstehen, dass unterschiedliche Umweltschutzrichtlinien einen ‘Negativwettbewerb” in Europa ausloesen und am Ende derjenige den wirtschaflichen Vorteil hat, der die am wenigsten strengen Umweltschutz-Gesetze hat. Was es braucht ist eine massvolle, europaweite Loesung die stufenweise ueber die Jahre zu einem hohen, einheitlichen Umweltstandard und darueberhinaus technisch sinnvoll machbar ist.

  3. frappant

    @jana: Die “populistische Sau” haben Sie in Ihrem Kommentar anschaulich formuliert: Das “Kraftwerk im Keller” der Kreuzfahrtschiffe, es stinkt. Die “mittelfristige” Lösung wird sich langfristig hinziehen, geredet und geschrieben wird schon länger darüber. Die “europaweiten Richtlinien” sind eins der beliebten Stichworte, gemeint ist: das soll dauern. Die Emissionen bleiben. “Kontraproduktiv” ist diese Art von nicht ausbaufähiger Verwirrung.

  4. Jana

    Wer sich mit dem Thema Landstrom etwas eingehender beschaeftigt, der wird schnell feststellen, dass eine Versorgung der Schiffe mit Elektrizitaet von Land aus kontraproduktiv ist, was die Emsiionen betrieff. Hier wird von GAL und BUND eine populistische Sau durch’s Dorf getrieben.

    Kleiner Denkansatz: bei Hauesern befuerworten Gruene, Greenpeache etc, eine autarke Stomversorgung mit Kraft-Waerme-Kopplung: Das Kraftwerk im Keller sozusagen.

    Schiffe haben schon ein “Kraftwerk im Keller”, sollen aber jetzt widersinnigerweise ans Netz.

    Mittelfristig liegt die Loesung eher in Europaweiten Richtlinien fuer saubere Schiffsbrennstoffe und in gestaffelten Hafengebuehren, die zB Schiffe mit Abgasfiltern das Anlaufen guenstiger machen als Schiffen ohne. Beides gibt es in Ansaetzen schon, und beides ist ausbaufaehig…

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