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Glosse: Exekutiver Herbstspaziergang für Senatorin Blankau durch Altona

Glosse.

Hamburg/ Altona. Der Wind pfeift um die Ecke, die Kälte kriecht unter die Haut und mit einer Verspätung von gut 20 Minuten beginnt der Spaziergang mit Senatorin Jutta Blankau und dem Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose. Als Fremdenführer fungiert an diesem grauen Mittwochmorgen Baudezernent Dr. Reinhold Gütter.

Los geht’s vom strahlend weißen Altonaer Rathaus mit großen Schritten voran durch’s bunte Herbstlaub in Richtung des dunklen Fußgängertunnel an der Max-Brauer-Allee. Noch schnell eine Ampel überquert und dann hinab in’s Reich des (S-Bahn)-Bahnhofes. Die letzte Rechts-Links-Kombination absolviert, dann bleibt das Wandergrüppchen stehen und lauscht gleich neben der Filiale einer großen Fast-Food-Kette den ersten Ausführungen des Baudezernenten. Er berichtet von großen Plänen und wie toll hier alles bald aussehen soll. Ein paar Schritte weiter folgen die Erläuterungen des Entwurfs zum Fußgängertunnel. “Ah, also das ist erst der Tunnel”, erkennt Senatorin Blankau. Aha, achso. Ein Anflug von Orientierung zeichnet sich auf ihrem Gesicht ab.

Ist die Max-Brauer-Allee erst einmal unterquert, treten die Spaziergänger auf die Neue Große Bergstraße. Sofort springt hier in’s Auge: Heide nein, also der Bodenbelag, dieses schäbige, brüchige Pflaster, das ist aber nicht sehr schön. Außerdem diese komischen Geschäfte. Doch auch hier erklärt Dr. Gütter bereitwillig die Zukunftspläne. An dem Platz ansich könne man nicht viel verändern. “Der Wochemarkt ist hier ausdrücklich erwünscht. Und er bleibt. Alle Vorichtungen müssen also erhalten sein.” Der Bodenbelag sei allerdings wirklich nicht schön, aber eine Idee, wie man ihn günstig erneuern könne, gebe es bereits. Erlebe das Gebiet erst einmal eine Aufwertung durch Ikea, so könnten auch andere Ladenlokale zu höheren Preisen vermietet werden, was Vermieter veranließe ihren jetzigen Mietern zu kündigen. Angesehene Geschäfte könnten sich ansiedeln. “Gemeinsam mit den zukünftigen Anliegern und Eigentümern wollen wir dann einen neuen Belag finanzieren. Der Leidensdruck muss nur groß genug werden”, sagt Baudezernent Dr. Gütter. So einfach wäre das. Blankau nickt und weiter geht’s zur Ikea-Baustelle.

Jaja, Ikea, das leidige Thema. Pro und Contra, Hin und Her. “Aber immerhin haben ja 70% aller Bürger letztlich dafür gestimmt”, klärt Dr. Gütter auf. Schön, schön. Blankau nickt, dann seien ja die meisten wohl einverstanden.  Noch ein kleiner Tipp am Rande vom Bezirksamtsleiter: “Gibt es eine Bürgerinitiative gegen ein Vorhaben, welches vom Bezirksamt eigentlich unterstützt wird, so sollte man nicht selbst in die Pro-Offensive gegen die Initiative gehen, sondern am Besten eine zweite Bürgerinitiative für das Vorhaben anstoßen. So wird das Thema viel öffentlicher und offener diskutiert.” Aha, so läuft das also. Und das Amt hält sich dann zurück. “Wir haben diese Idee auch schon an andere Bezirksämter weitergegeben”, sagt Warmke-Rose.

Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt hin oder her, ein bisschen Kultur darf es auch gerne sein.  Also folgt ein kleiner Abstecher in die von der Stadt subventionierte “kulturetage”. Unten ein nettes Café, oben ein großer, weiß gestrichener Raum mit viel Platz für Ausstellungen von freischaffenden Künstlern. Wunderbar, ganz wunderbar. Noch schnell in zwei, drei Kreativbüros geschaut und dann – hach nein, so ein Mist, nicht drumrumgekommen: eine Diskussion über den Wegfall der 1-Euro-Kräfte entbrennt. Auf der einen Seite wird Leid geklagt, auf der anderen beschwichtigt. Entschieden wird’s ja aber doch irgendwie wohl auf Bundesebene. “Ich nehm’ das Thema aber auf jeden Fall mal für mich mit”, verspricht Blankau. Vielen Dank, Frau Senatorin, vielen Dank. Um dann was genau damit zu tun? Einfach zu den ganzen anderen von irgendwoher “mitgenommenen” Themen in den gedanklichen Abstellraum packen?

Schlussendlich schaut die Wandergesellschaft noch bei der Servicestelle des Technischen Rathauses rein. “Von außen sieht’s ja wirklich nicht schön aus, hier drinnen ist es aber nett”, so das Statement von Blankau. Eine eifrige Mitarbeiterin bekräftigt: “Wir haben uns ja auch viel Mühe gegeben.” Hört, hört – oder besser hört nicht – denn wie sie dann weiter ausführt, war vor allem wohl der Lärm, den die Bürger vorn im Wartebereich verursachten, ein großes Problem für die Angestellten hinten. “Jetzt sind die Bereiche durch Vorhänge abgetrennt”, präsentiert die Mitarbeiterin die Lösung der Lärmbelästigung. Noch ein schneller Blick hinter die Kulissen für die Senatorin, dann fährt ein dunkles, dickes Auto für die Umweltsenatorin vor. Zertreut und ohne jeden einzelnen Anwesenden wenigstens mit einem Handschlag zu bedenken, huscht Blankau hinaus und steigt zu ihrem Fahrer ein. Bewegung und frische Luft hatte sie ja gerade erst. Nett war er, der Herbstspaziergang durch Altonas Altstadt, wirklich nett.

In der Redaktion angekommen fragt man mich: Und, wie war es, hast du O-Töne? Welche Fragen hast du gestellt? Was war der Aufhänger? Schließlich war die Presse ja ausdrücklich eingeladen … Ich sage: Nein, irgendwie nicht, hab nur zugehört und beobachtet.

 

Kurz-URL: http://www.altona.info/?p=40544

geschrieben von am 10 Nov 2011. abgelegt unter Allgemeines, Altona-Altstadt, Aus Stadtteilen, Kolumne, Politik Wirtschaft Gesellschaft. Antworten verfolgen RSS 2.0. Zum Ende gehen und eine Reaktion schreiben.

12 Kommentare / Leserbriefe / Fragen für “Glosse: Exekutiver Herbstspaziergang für Senatorin Blankau durch Altona”

  1. Dr.med. Thomas Leske

    @ Jana. Werde weiter mir so meine Gedanken machen. Habe aber zur Kenntnis zu nehmen, dass deine Identität auf ewig dein süßes Geheimnis bleiben soll. Schade!

  2. Dr.med. Thomas Leske

    Noch ein Posting zu diesem “ollen Artikel”.
    Jana, die sonst immer so emotional ist und alles immer so toll findet, was unsere Bezirkspolitiker sich so ausdenken, erweist sich in diesem Beitrag erstaunlich gut informiert. Sollte sie gute Kontakte zu Bezirkspolitik haben oder gar selbst (unerkannt!) in der Bezirksversammlung sitzen? Diese Frage drängt sich geradezu auf ….

    • Jana

      Lieber Doktor Medicus Thomas Leske. Ich bin nicht ‘erstaunlich’ gut informiert, ich nehme mir nur die Freiheit mal zwei Minuten zu einem Thema zu googlen. Das koennten auch einige andere hier, nut mir erscheint es als haette der eine oder andere gar kein Iinteresse daran sich mit Fakten auseinanderzisetzen.

      Man schreibt halt lieber wueste ‘Empoerungen’ ueber alles moegliche. Grade unser lieber Sozrom leasst sein Weltbild ungern von Fakten trueben.

      Ansonsten bitte ich Sie Spekulationen ueber meine Person zu unterlassen die Leser auf falsche Gedanken bringen. Ich bin in Hamburg, bzw in Altona in keiner(!) politischen / behoerdlichen Funktion taetig.

  3. Sozialromantiker

    Was muss ich da doch lesen…die wunderschöne Kleiderkasse an der Harkortstrasse soll abgerissen werden!

    Und das obwohl sie laut Wikipedia berits in die Liste der erkannten Denkmäler
    aufgenommen wurde!

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kleiderkasse-2.JPG&filetimestamp=20120122115818

    Neue Mitte Altona….jetzt zeigst du dein wahres Gesicht!

    • Jana

      Das ueberrascht mich. Falls es stimmt waere es wirklich schade. Was ist die Quelle fuer diese Aussage?

      Nach den bislang veroeffetlichten Plaenen der Stadtplaner (http://tinyurl.com/bsjlk7k) soll das Gebauede erhalten werden und es wird sogar eine neue Strasse bzw einen Platz ‘An der Kleiderkasse’ geben.

      Ausserdem wurden grade erst die bestehenden Mietverhaeltnisse gekuendigt, damit mit der vergeschiriebenen Bodensanierung begonnen werden kann (http://tinyurl.com/bunkb2t).

      Auch Anlage B zum Masterplan (bei Interesse bitte selber googlen) spricht von einem Erhalt der Kleiderkasse.

      Zeigt also jetzt die Neue Mitte Altona wirklich ihr “wahres Gesicht?” Oder zeigt nur mal wieder unser Sozrom sein (altbekanntes) wahres Gesicht und verbreitet tendenzioese Unwahrheiten? Und: Warum das Ganze als Posting in diesem ollen Artikel von 2011?

      • Sozialromantiker

        Ich hoffe das auch..da sind wir uns ja mal einig.

        Zur “Quelle”…Zitat aus der Mopo:

        “..Sie sind verzweifelt, wissen nicht mehr weiter. Seit 14 Jahren arbeiten sechs Künstler in den Räumen der alten Kleiderkasse an der Harkortstraße 125 (Altona). Nun müssen sie raus, auf dem Gelände sollen Wohnungen für die „Neue Mitte Altona“ entstehen….”

        Gleichzeitig findet man diverse Einträge unter selbiger Hausnummer
        “letze Party vor dem Abriss..”

        “Ausserdem wurden grade erst die bestehenden Mietverhaeltnisse gekuendigt, damit mit der vergeschiriebenen Bodensanierung begonnen werden kann (http://tinyurl.com/bunkb2t).”

        Soso…ist doch vüllig egal ob das Gebäude lersteht oder nicht, was hat das mit der Sanierung zu tun?

        Im allgemeinen muss auch der Boden UNTER DEM OBJEKT saniert werden….zu diesem Zwecke reisst man sie üblicherweise ab, sonst ist das unbezahlbar..aber das weiss man vorher,wenn man ein hundert jahre intensiv genutztes Bahngelände kauft.

        Und zuletzt, liebe Jana, es wäre ja nicht das erste mal,das angeblich sicher geschützte (die Kleiderkasse ist bisher lediglich “erkannt”) Gebäude dennoch verschwanden, siehe Bismarkbad, Bernhard Nocht Strasse Stuttgarter Hauptbahnhof die unendliche Geschichte der Elbtreppe……oder die von Eiffel gebaute Alte Flora!

        Von daher braucht es vielleicht erstmal Öffentlichkeit, damit Wasserturm und Kleiderkasse , die zweifelsohne den Plänen von Aurelis gewaltig im Wege stehen, sang und klanglos verschwinden oder es mal wieder ganz
        zufällig im Güterbahnhof brennt….und Bebauungspläne und Denkmalschutz flexibel gemäß den Wünschen der einflussreichen “investoren” Otto und Aurelis massgeschneidert werden.

        • Jana

          Lieber Sozrom,
          faenden Sie es nicht statt dieser langen verworrenen (Nicht-)Antwort ehrlicher, wenn Sie einfach mal zugeben wuerden, dass Sie – nach aktuellem Wissenstand – hier im Forum Fehlinformationen verbreitet haben? Ich will ja noch nicht einmal unterstellen, dass dies mit Absicht passiert ist…

          • Sozialromantiker

            Welcher Wissenstand?

            Allgemeiner Konsens “Hier im Forum” ist , das niemand genaues weiss.
            Und das liegt nicht an mir, sondern an der Investorengemeinschaft
            Neue Mitte Altona….entweder es gibt gar keine Informationen, sie sind
            unverwertbar dünn oder schlichtweg falsch.
            Es ist daher nicht mein Fehler, das man notgedrungen mehr oder weniger im Nebel herumstochert.

            Zur Kleiderkasse:

            Denkmalschutz ist nur für diejenigen ein scharfes Schwert, die sich nie ernsthaft damit auseinandergesetzt haben.
            Und im Zweifel setzen sich (nicht nur in Hamburg) die mächtigen
            Wirtschaftsinteressen durch, zumal es hier um Milliarden geht.
            Wie war das noch mit der Elbtreppe?
            Überall war doch zu lesen, sie sei jetzt endgültig gerettet.
            Pustekuchen!

            Wir sprechen uns in 5 Jahren wieder, und besichtigen dann gemeinsam die Kleiderkasse….das Bier geb ich aus!

  4. Ingrid

    diese glosse ist keine – so und nicht anders hab ich die blankau auch bei der präsentation des mietenspiegels erlebt: hilflos inkompetent!
    diese senatorin (wie fast alle anderen auch) hat nichts zu sagen – das erledigt alles herr scholz in absprache mit wirtschaftssenator horch für sie.

    kleine wichtige berichtigung, herr gütter: nicht 70 % aller bürger_innen haben für ikea gestimmt, sondern 70 % derjenigen, die am bürgereintscheid teilgenommen haben!

    • A. Bergschmidt

      Ich find auch, wird Zeit das die unansehnlichen Geschäfte wie Reisebüro und Fotograf in der Altonaer Poststrasse endlich verschwinden. Und ne Apotheke zuviel gibt es auch. Glücklicherweise wurden den Bürgern, die FÜR Ikea gestimmt haben auch Details wie etwa der geplanten Größe (2-3 Stockwerke)nicht verschwiegen. Und auch über das zu erwartende, stark erhöhte, Verkehrsaufkommen wurde und wird nach wie vor sehr offen und öffentlich, gerade von Seiten der Konzernleitung Ikea, gesprochen:Es wird ein innovatives Verkehrskonzept geben.Gut das dann auch der Bodenbelag verschwindet und die öffentlichen Flächen in Kooperation mit privatem Kaptial genauso veredelt werden wie, höchstwahrscheinlch, das dort geltende Hausrecht.

  5. Altonaerin

    Gut beobachtet, gut geschrieben.

  6. schön persönlich geschriebener Artikel über eine Herbstwanderung mit Senatorin.

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