Alma Wartenberg (rechts) mit ihrer 24 Jahre jüngeren Schwester Helene und ihrer Mutter etwa 1914. Quelle: Stadtteilarchiv Ottensen/ Privatbesitz: Marianne Baljöhr

Altona / Ottensen. Wer sich Zeit seines Lebens engagiert, anders denkt und auch mal Konventionen und Gesetze überschreitet, für den stehen die Chancen gut, in die Geschichte einzugehen. Durch weitergegebene Erinnerungen, Erzählungen und Widmungen. So auch bei Alma Wartenberg – nach ihr ist seit dem 8. März 1997, dem internationalen Frauentag, in Ottensen ein Platz benannt.

Alma Wartenberg wurde am 22. Dezember 1871 in eine sozialdemokratisch eingestellte Zigarrenmacherfamilie hineingeboren. Sie hatte 11 Geschwister und arbeitete bis zu ihrer Hochzeit als Dienstmädchen. Maßgeblich beteiligte sie sich am Aufbau der proletarischen Frauenbewegung. Alma Wartenberg engagierte sich als sozialdemokratische Vertrauensfrau und nahm an Frauenversammlungen und Parteitagen in Schleswig-Holstein teil.
Als 1905 ein umstrittenes Urteil des Altonaer Schwurgerichtshofes vier junge Männer aus bürgerlichen Kreisen freisprach, obwohl diese der Vergewaltigung eines Dienstmädchens überführt worden waren, organisierte Wartenberg eine große Portestkampagne. Sie beabsichtigte in dieser Angelegenheit auch eine Zusammenarbeit mit den sogenannten „Radikalen“ der bürgerlichen Frauenbewegung, was ihr maßgeblichen Ärger mit der Parteiführung einbrachte. Folglich wurde sie als Vertrauensfrau abgesetzt, ein Ausschluss aus der Partei blieb ihr jedoch erspart.
Auch weiterhin setzte sich Wartenberg für die Rechte der Frauen ein. Sie hielt Lichtbildvorträge und klärte dabei über die Anatomie des weiblichen Körpers, Empfängnisverhütung und Mutterschutz auf. Dazu bewogen sie vor allem die Unwissenheit der Arbeiterfrauen in sexuellen Belangen, Frauenleiden nach der Geburt und der staatliche Gebärzwang. Obwohl der „Verkauf oder die Weitergabe hygienischer Gummiartikel“ im Kaiserreich unter Strafe gestellt worden war, bot Wartenberg diese nach ihren Vorträgen an. Mit diesem „Vergegehn gegen das sittliche Empfinden“ handelte sie sich erneut Ärger ein, diesmal mit der Justiz des Kaiserreiches, den Beamtenärzten und kirchlichen Kreisen.
Unermüdlich setzte sie sich trotzdem weiterhin dafür ein, dass Frauen allein das Recht haben über ihren Körper und die Anzahl ihrer Kinder zu entscheiden. Sie war auch Befürworterin der Idee eines „Gebärstreiks“.
Obwohl Alma Wartenberg immer wieder mit der Parteiführung der SPD aneinander geriet, war sie ab 1919 als Abgeordnete im Altonaer Stadtverordnetenkollegium vertreten.
1927 erlitt sie einen Schlaganfall und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Ein Jahr später verstarb sie.

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