Altona / Altona-Altstadt. Am Freitagabend, 27. Januar 2012, findet ab 18 Uhr im Kollegiensaal im Rathaus Altona eine Gedenkveranstaltung zur Zwangsarbeit in Altona, Louis Deslandes und seinen Leidensgefährten, statt.

Sie wird organisiert vom Ausschuss für Kultur und Bildung der Bezirksversammlung Altona, Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Allee, Familie Reineke, Stadtteilarchiv Ottensen, Freundeskreis der KZ Gedenkstätte Neuengamme, Altonaer Stadtarchiv. Der Anstoß aber für die Arbeitsgruppe, die sich im Bezirksamt zusammengefunden hat, kam aus Frankreich. Louis Deslandes war mit vielen Kameraden zur Arbeit in Deutschland zwangsverpflichtet und im Lager Norderstraße untergebracht worden. Ein großer Teil dieser jungen Männer kam beim Feuersturm in der Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1943 dort ums Leben. Ihrem Andenken ist der Hauptteil der Veranstaltung gewidmet, die aber gleichzeitig ein Auftakt sein soll für weiter Forschungen zum Lager Noderstraße und dem Schicksal der Menschen, die dort untergebracht waren.

Zum Hintergrund

In der Norderstraße, der heutigen Virchowstraße, mitten im Zentrum des alten Altona, befand sich ein Zwangsarbeiterlager, das bis zu 590 Personen aufnehmen konnte.  Viele der zur Zwangsarbeit Verschleppten wurden von dort aus weiter nach Auschwitz-Buna-Werke verlegt, viele auf andere Arbeitslager in Hamburg und Altona verteilt. Bevor die Gebäude an der Norderstraße zur Unterbringung von Zwangsarbeitern genutzt wurden, befand sich dort, neben einem Altenheim, auch eine „Irrenanstalt“. Die Männer und Frauen, die dort lebten, wurden zum größten Teil in die Landespflegeanstalt Meseritz-Obrawalde verbracht, eine Anstalt, die als Vollstreckungsort der Euthanasie gilt.

Die Gedenkveranstaltung

Zu Beginn spricht Frank Toussaint, Vorsitzender der Bezirksversammlung Hamburg-Altona, ein kurzes Grußwort. Daraufhin wird Stefanie Wolpert, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Bildung, die Projektarbeit zum Thema Zwangsarbeit in Altona vorstellen. Sielke Reineke präsentiert im Anschluss die Geschichte von Louis Deslandes und berichtet von einer Begegnung mit ihm. Ein persönliches Grußwort Deslandes werden durch Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Allee verlesen. Hauptteil stellt dann der Vortrag zur Zwangsarbeit im 3. Reich von Professor Dr. Helga E. Bories-Sawala dar. Abschließend lesen noch einmal die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Allee. Untermalt wird die gesamte Veranstaltung mit Cello-Musik von Krischa Weber. Im Anschluss bleibt bei Brezeln und Getränken Zeit für Gespräche.

2 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. Hallo,

    Sie schreiben hier von einem Louis DESLANDES aus Frankreich .
    Mein Onkel Louis war in 1920 geboren und war während dem zweiten Weltkrieg zuerst Lehrer im Tyrol und dann war er in Preussen ..??
    Wir sind aus Frankreich ,Lotheringen an der Mosel und wollte ein bischen mehr vom Louis Deslandes wissen…..es war vielleicht mein Onkel ???

    Mfg

    Louis

    • Guten Tag,
      vielleicht haben Sie schon eine Antwort auf Ihre Frage erhalten – ich lese Ihre Frage vom 15. Okt. ’12 jetzt erst. Nein, der Louis Deslandes in diesem Artikel ist nicht Ihr Onkel. Er wurde 1921 in der Vendée geboren und lebt heute wieder in seinem Elternhaus. Auch er war als junger Mann Lehrer, aber in der Vendée. Nach den schrecklichen Ereignissen von 1943 hat er ein buntes, turbulentes und glückliches Leben gehabt – heute sind wir uns in Freundschaft verbunden. Wir, mein Bruder und ich, sind die Kinder des Mannes, der ihm damals sehr geholfen hat.
      Mit freundlichem Gruß
      Uta Reineke-Jacobs

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