Ein Junge vom Gymnasium Blankenese ist an EHEC erkrankt. Foto: erstepresse
Ein Junge vom Gymnasium Blankenese ist an EHEC erkrankt. Foto: erstepresse

Hamburg/ Altona. Das Gymnasium Blankenese ist am Dienstag vorübergehend und aus Gründen der technisch bedingten, vom Gesundheitsamt angeordneten “Flächendesinfektion”, geschlossen worden. Grund der Desinfektion ist dort ein neuer EHEC-Fall. Mittlerweile sind fünf Fälle (inkl. der Verstorbenen) im Bezirk Altona bekannt – allen Betroffenen ginge es besser.  Das Gymnasium Blankenese ist ab Freitag wieder geöffnet. Seit  mehr als 24 Std. keine neuen Fälle gemeldet. ++ STÄNDIGE UPDATES im unteren Textabschnitt +++

Vom 28.02.2012:

In der vorletzten Woche war ein Mädchen von der Gorch-Fock-Schule an der seltenen, aber möglichen Folgeerkrankung von EHEC, “HUS”, erkrankt und an Nierenversagen verstorben. Bei dem einen aktuellen Fall in Blankenese handelt es sich um einen Jungen aus der sechsten Klassenstufe.
Der stellvertretende Schulleiter des Gymnasiums Blankenese bestätigt den Fall im Gespräch gegenüber ALTONA.INFO. Die Schule hätte vom Gesundheitsamt am Mittag erfahren, dass ein Schüler, der bereits mehrere Tage zuhause blieb, erkrankt sei. Aus technischen Gründen, um die Desinfektion in der Schule durchführen zu können, habe man darauf die Schüler und Lehrer des Gymnasiums für zwei Tage nach Hause geschickt, berichtet der stellv. Schulleiter Marlon Körper. Er betonte, dass der betroffene Schüler “ganz normal zuhause” sei und sagte, dieser Fall sei nicht zu vergleichen mit dem Fall an der Gorch-Fock Schule.

ALTONA.INFO erfuhr aus vertrauenswürdiger Quelle im Bezirksamt Altona, dass mittlerweile zwei neue Fälle bekannt sind. Im Gespräch mit der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz bestätigt auch Behördensprecher Rico Schmidt den zweiten Fall eines dreieinhalbjährigen Mädchens. Beiden Betroffenen ginge es jedoch gut und beide Fälle seien “nicht vergleichbar mit dem ersten Fall”.  Man habe alle Fälle jetzt dem Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet, da es zu einer Häufung in kurzer Zeit gekommen sei. EHEC-Erkrankungen treten jedoch immer wieder im Jahr auf, so Schmidt. Die Klassifizierung aus dem ersten Fall des an der Folgeerkrankung HUS verstorbenen Mädchens sei mittelweile festgestellt. Der festgestellte Erregertyp O157 ist eine der am häufigsten isolierten EHEC-Serogruppen, sowohl in Deutschland also auch weltweit, berichtet die Behörde. Dies hätten Untersuchungen des Instituts für Hygiene und Umwelt ergeben. Die Epidemie in 2011 wurde von einem anderen Erreger (EHEC O104) ausgelöst. Hier bestünde “definitiv kein Zusammenhang”, so die Behörde in einer Mitteilung vom vergangenen Freitag.

Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts werden pro Jahr etwa 1000 EHEC-Fälle bekannt, davon ca. 60 HUS-Erkrankungen. In den seltensten Fällen (1-3) verlaufe auch die HUS-Erkrankung tödlich und es seien häufiger Kinder betroffen, berichtet eine Sprecherin des RKI im Gespräch mit ALTONA.INFO. Weitere genauere Informationen erhielte man bei der ortszuständigen Geshundheitsbehörde oder bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA). Im “Infektionsepidemiologischen Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2010″, Stand März 2011 (PDF) des RKI sind zu den Themen EHEC (Kapitel 6.11) und HUS (Kapitel 6.24)  statistische Daten, Informationen und Einschätzungen hinterlegt. Der auch hier bei dem verstorbenen Mädchen festgestellte EHEC-Erregertyp o157 sei – so ein Fazit im Kapitel über HUS-Erkrankungen – “Die häufigste Ursache für ein HUS im Kindesalter”.

Eine wirksame Methode sich zu schützen sei nach wie vor ausgeprägte Körperhygiene. Damals informierten die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) und das Robert Koch Institut (RKI) über die Kampagne “Wir gegen Viren”:

Update, 29.02.2012, 10.30 Uhr:

Bezirksamtssprecherin Kerstin Godenschwege bestätigt auch einen dritten Fall einer EHEC-Erkranung einer 68-jährigen Frau aus Othmarschen. Ihr ginge es gut, sie sei zuhause. Gesundheitsbehörde und Bezirksamt Altona kündigen an, ab 14.30 Uhr über den Sachstand in einer gemeinsamen Mitteilung zu informieren.

Der Nierenspezialist Rolf Stahl vom Universitätsklinikum Eppendorf klärt in einem Audiobeitrag über EHEC-Erkrankungen auf und warnt vor “Panikmache”.

Update, 29.02.2012, 14.30 Uhr:

In einer aktuellen Mitteilung reagierte das Gesundheitsamt jetzt auf die Meldungen. Am heutigen Tag sei kein erneuter Fall gemeldet worden. “Ein 11-jähriger Junge, der eine weiterführende Schule besucht, und ein 3-jähriges Kindergartenkind waren in der vergangenen Woche (8. KW) erkrankt. Die Stuhlbeprobung, die von den behandelnden Kinderärzten eingeleitet wurde, ergab in beiden Fällen einen positiven EHEC-Befund. Beide Kinder waren nach kurzer Zeit wieder beschwerdefrei und nicht in stationärer Behandlung.”
Das Gesundheitsamt Altona hätte mit der betroffenen Schule sowie der Kindetageseinrichtung Kontakt aufgenommen, die Eltern informiert und entsprechende Besuchsverbote und Desinfektionsmaßnahmen (der betroffenen Flächen sowie in den Sanitärräumen) eingeleitet. Eine Schließung der Schule oder der Kindertageseinrichtung sei nach Abschluss dieser Maßnahmen aus fachlicher Sicht nicht notwendig.

Zu Beginn der vergangenen Woche seien darüber hinaus in Altona zwei Erwachsene mit ähnlichen Symptomen (u.a. Durchfall) erkrankt. “Bei den Erkrankten handelt es sich um zwei Frauen im Alter von 68 bzw. 88 Jahren. In beiden Fällen liegen ebenfalls positive EHEC-Befunde vor. Im Fall der 88-jährigen Patientin war ein kurzer stationärer Aufenthalt notwendig, der in der Zwischenzeit allerdings beendet ist”, so die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz.

Nach wie vor gabe es keine Hinweise, die zu einer gemeinsamen Quelle dieser vier genannten Infektionen bzw. des tragischen Todesfalls der Vorwoche führen. Bei der Suche nach der Infektionsquelle würden weiterhin Lebensmittelproben aus den Haushalten sowie dem Einzelhandel untersucht. Die Quelle wäre bisher allerdings nicht identifiziert. Die Gesundheitsbehörde hat nach eigenen Angaben bereits gestern vorsorglich sowohl Krankenhäuser und durch die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte über die Situation informiert. Darüber hinaus stünde die Behörde in Kontakt mit dem Robert-Koch-Institut.

Das Gesundheitsamt informiert über EHEC:

Welche Symptome treten bei EHEC auf?
EHEC-Infektionen können ohne Beschwerden verlaufen und somit unerkannt bleiben. Die Mehrzahl der manifesten Erkrankungen tritt als unblutiger, meistens wässriger Durchfall in Erscheinung. Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen und zunehmende Bauchschmerzen, seltener Fieber. Bei zehn bis 20 Prozent der Erkrankten entwickelt sich als schwere Verlaufsform eine blutige Darmentzündung mit krampfartigen Bauchschmerzen, blutigem Stuhl und teilweise Fieber bis hin zu Nierenversagen.
Eine Ansteckungsfähigkeit besteht, solange EHEC Bakterien im Stuhl nachgewiesen werden.

Wie kann man sich schützen?
Wichtig ist die Einhaltung der allgemeinen Maßnahmen der persönlichen Hygiene sowie der Hygiene beim Umgang mit Lebensmitteln unter anderem durch folgende Maßnahmen:
• Fleisch sollte nur durchgegart verzehrt werden.
• „Rohmilch ab Hof“ sollte vor Genuss abgekocht oder es sollte pasteurisierte Milch verwendet werden.
• Obst, Gemüse und ungewaschene Salate sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.
• Bei der Zubereitung von Speisen muss, wie grundsätzlich zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen, auf eine konsequente Küchenhygiene geachtet werden.
• Vermeidung von Tierkontakten beziehungsweise Hände waschen nach Kontakt.
• Speisen und Getränke sollten nur außerhalb von Tierkontaktzonen und nach sorgfältiger Händehygiene eingenommen werden.
• Bei Kontakten mit Erkrankten auf sorgfältige Händehygiene und Desinfektion von Handkontaktflächen achten.
• Händewaschen nach dem Toilettengang, vor dem Essen und vor der Zubereitung von Mahlzeiten. Nach jedem Gang zur Toilette, vor dem Zubereiten von Speisen oder dem Essen sorgfältig die Hände mit waschen.

Update, 01.03.2012, 11:15 Uhr:

Bislang sind dem Gesundheitsamt im Bezirksamt Altona und der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz keine neuen Fälle von Erkrankungen mit EHEC bekannt geworden, teilen unabhängig voneinander zwei Behördensprecherinnen auf Anfrage mit. Ergebnisse der aufwändigen Untersuchungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Man rechne aus den neueren (vier) Fällen mit Ergebnissen zum Wochenende. Das Robert-Koch-Institut hätte der Hamburger Behörde mitgeteilt, dass man erst dann in Hamburg selbst seine Arbeit aufnehme, wenn klar würde, dass es sich um den selben Erregerstamm (s.o. EHEC-Erregertyp o157) handele. Dies stünde noch nicht fest, genauso wenig sei bislang bekannt, über welche Quelle die Erstinfektion zustande gekommen sind.

Damit hat sich seit Herausgabe der letzten Information vom 29.02.2012 um 14:30 Uhr nichts am Sachstand geändert.

Gymnasium Blankenese ab Freitag wieder geöffnet

Die Schulleiterin des Gymnasiums Blankenese, Ingrid Herzberg, schreibt heute: “wie wir eben erfahren haben, wird morgen die Schule wieder nutzbar sein. Alle Arbeiten sind dann abgeschlossen. Die Eltern können entscheiden, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken wollen oder nicht.” Weitere Informationen auf der Homepage des Gymnasium Blankenese.”

Update, 01.03.2012, 14:15 Uhr:

Auch nach einer Telefonkonferenz der Behörden untereinander (ab 13 Uhr)  ist keine weitere Infektion bekannt geworden, berichtet Rico Schmidt, Sprecher der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz. Die Lage schätze man “vorsichtig positiv” ein, könne jedoch nicht ausschließen, dass auch unbekannte Infektionen aufgetreten sind, zumal nicht jeder Betroffene zum Arzt ginge. Die letzte bekannte Infektion sei am 22. Februar aufgetreten. Die durchschnittliche Inkubationszeit beträgt eine Woche. Mit jedem Tag der vergehe, würde es schwieriger die Quelle des Erregers ausfindig zu machen, berichtet Schmidt. Lebensmittelproben würden jedoch weiterhin genommen und analysiert.

KOMMENTAR / LESERBRIEF

Antwort hinterlassen