Am Gymnasium Blankenese war ein Fall bekannt geworden. Nach der Desinfektion lief der Betrieb wieder - zur Zeit sind Schulferien. Foto: erstepresse

Hamburg / Altona. Die EHEC-Fälle in den letzten Wochen waren für die Bewohnerinnen und Bewohner im Bezirk und insbesondere die Blankeneser Bevölkerung ein gehöriger Aufreger – Entwarnung kann leider noch nicht gegeben werden, man sei jedoch „positiv optimistisch“, so BGV-Sprecher Rico Schmidt. Leider wurde bis heute die Quelle der Infektion nicht gefunden und auch die Typisierung des Serotyps bei den weiteren vier EHEC-Fällen gelang den Hamburger Behörden nicht.

Insgesamt gibt es bis heute fünf bekannte EHEC-Fälle in den letzten Wochen in Hamburg. Vier weitere wurden unmittelbar nach dem tragischen Tod eines sechsjährigen Mädchens im direkten örtlichen Umfeld von Blankenese bekannt. Seit dem 22. Februar sind jedoch keine weiteren EHEC-Fälle an die Geundheitsbehörden gemeldet worden. Zwei weitere Fälle außerhalb des Bezirkes Hamburg-Altona mit Verdacht auf Noro- oder  Rota-Viren seien in den letzten Tagen bekannt geworden (Stand 07.03.). Rechnet man mit einer durchschnittlichen Inkubationszeit von sieben-acht Tagen, dann dürften keine weiteren Fälle auftreten. Zudem seien in Hamburg gerade Schulferien. Aus solchen Gründen sei man „positiv optimistisch“, so ein Sprecher der Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz.


Erregertypen und Quellen bleiben offenbar unbekannt

Während im ersten Fall (bei der Sechsjährigen) der Erregertyp o157 identifiziert werden konnte, sei eine Typisierung bei den weiteren Fällen nicht möglich, teilt ein Sprecher auf Anfrage von ALTONA.INFO mit. „Wir gehen davon aus, dass wir das nicht mehr feststellen können. Alle nachträglichen Proben waren negativ“, so die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz. Eine Erklärung: Man hätte bei allen anderen Betroffenen eine erneute Stuhlprobe anfordern müssen, um den Erregertyp nachzuweisen. Die erste Probe (bei Feststellung durch Ärzte zur Meldung an die Behörden) hätte nicht genutzt werden können. In den nachfolgenden Stuhlproben sei in den vier weiteren Fällen der EHEC-Erreger nicht mehr nachzuweisen gewesen, erklärt die Behörde.

Die Suche nach Quellen der Infektion war ebenfalls nicht erfolgreich. Zwar hätte man aus den Kühlschränken der jeweils betroffenen Haushalte Proben entnommen und untersucht, jedoch ohne Ergebnis. Untersuchungen von Tieren, die neben Lebensmitteln auch als Infektionsquelle vorkommen, hätte man nicht vorgenommen.  Neben den behördlich angeordneten Hygienemaßnahmen (Desinfektion) an den betroffenen Schulen habe man keine weitere Maßnahmen anordnen müssen. Das Robert Koch Institut (RKI) würde nicht vor Ort kommen, da es ‚keinen Handlungsbedarf‘ gäbe. Ein Sprecher aus dem Gesundheitsamt in Altona weist im Gespräch mit ALTONA.INFO darauf hin, dass das Thema in den beteiligten Behörden (Fachamt Gesundheit, Fachamt Verbraucherschutz, Behörde f. Gesundheit u. Verbraucherschutz und Institut für Hygiene und Umwelt) natürlich weiter hohe Priorität habe. Die Empfehlungen der Behörden von letzter Woche gelten uneingeschränkt fort:

Welche Symptome treten bei EHEC auf?
EHEC-Infektionen können ohne Beschwerden verlaufen und somit unerkannt bleiben. Die Mehrzahl der manifesten Erkrankungen tritt als unblutiger, meistens wässriger Durchfall in Erscheinung. Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen und zunehmende Bauchschmerzen, seltener Fieber. Bei zehn bis 20 Prozent der Erkrankten entwickelt sich als schwere Verlaufsform eine blutige Darmentzündung mit krampfartigen Bauchschmerzen, blutigem Stuhl und teilweise Fieber bis hin zu Nierenversagen.
Eine Ansteckungsfähigkeit besteht, solange EHEC Bakterien im Stuhl nachgewiesen werden.

Wie kann man sich schützen?
Wichtig ist die Einhaltung der allgemeinen Maßnahmen der persönlichen Hygiene sowie der Hygiene beim Umgang mit Lebensmitteln unter anderem durch folgende Maßnahmen:
• Fleisch sollte nur durchgegart verzehrt werden.
• „Rohmilch ab Hof“ sollte vor Genuss abgekocht oder es sollte pasteurisierte Milch verwendet werden.
• Obst, Gemüse und ungewaschene Salate sollten vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.
• Bei der Zubereitung von Speisen muss, wie grundsätzlich zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen, auf eine konsequente Küchenhygiene geachtet werden.
• Vermeidung von Tierkontakten beziehungsweise Hände waschen nach Kontakt.
• Speisen und Getränke sollten nur außerhalb von Tierkontaktzonen und nach sorgfältiger Händehygiene eingenommen werden.
• Bei Kontakten mit Erkrankten auf sorgfältige Händehygiene und Desinfektion von Handkontaktflächen achten.
• Händewaschen nach dem Toilettengang, vor dem Essen und vor der Zubereitung von Mahlzeiten. Nach jedem Gang zur Toilette, vor dem Zubereiten von Speisen oder dem Essen sorgfältig die Hände mit waschen.

1 KOMMENTAR / LESERBRIEF

  1. Dei BUND-Studie zeigte, dass in der intensiven Nutztierhaltung ESBL-Bakterien – und zu diesen gehört EHEC – in inakzeptabel erhöhtem Umfang vorkommen. Grund dafür sind die enge Haltung, die ein schnelles Überspringen fördert und die Fütterung mit Leistungsfutter, das ESBL – also auch EHEC begünstigt.

    Leider wird wegen der Fixierung auf Gemüse und Sprossen die Möglichkeit der Übertragung bei der Zubereitung von Geflügel oder kalbfleisch in der küche (oder in Dönerläden?) kaum in den Blick genommen. Eine Küche ist kein Labor, ein Dönerladen auch nicht. Selbst in Labors kam es zu Kontaminationen – was erwartet man von Köchinnen und Köchen?

    Wichtig wäre es, durch artgemäße Tierhaltugn mit angemessenem Individualabstand und Freilandhaltung die explosionsartige Vermehrung und Mutationsfreudigkeit, die durch den schenllen Writswechsel in der intensivtierhaltung entsteht, zu vermindern. Auch die Resistenzen der immer aggressiveren Erreger könnten so vermieden werden, denn in Biohaltung ist der Einsatz von Antibiotika verboten. Werden Tiere in kleineren Herden gehalten, ist die Einzelbehandlung eines Tieres möglich und es muss nicht jeweils die ganze Herde Medikamente schlucken. Resistenzen erden so vermieden.

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