Ottensen / Neumühlen. Nachdem zuletzt die Bezirksversammlung Altona dem Bürgerbegehren beigetreten war, war es verdächtig still um die Elbtreppe geworden. Die SAGA sagte den Bewohnern eine Sanierung zu, nachdem auch die Ex-Bausenatorin deutlich machte, das Ergebnis eines Bürgervotums respektieren zu wollen. Die Bewohner wurden in aller Ruhe umgesiedelt, damit die Baumaßnahmen beginnen konnten.

Und jetzt beginnt das alte Spiel von vorne. Die SAGA habe Anfang des Jahres 2012 errechnet, dass eine Sanierung teurer wäre als ein Neubau. Die Rede ist von einer „technisch und auch wirtschaftlich schwierigen Situation“, ein Haus drohe „abzurutschen“. Es geht um zwei Häuser 5 und 15c (und Schuppen 15d ), eben die Häuser, die trotz Bemühen und Gutachen nicht unter Denkmalschutz kamen. Jetzt kündigte die SAGA GWG an, man bräuchte einen Runden Tisch, um dies nochmals zu besprechen. Unstreitig seien laut SAGA die von der Straße aus oberen Häuser 13 und 13a, 15a und 15b: Sie blieben „unter Beachtung der Vorgaben des Denkmalschutzes erhalten und werden nach der Modernisierung öffentlich gefördert für 5,80 Euro / m² vermietet. Das Haus 7/9 wird entkernt und anschließend modernisiert und ist damit ebenfalls unstreitig“, so die städtische Gesellschaft gegenüber ALTONA.INFO. Der Runde Tisch solle also klären, ob dieser Teil abgerissen oder neugebaut werden könnte. Teilnehmer des Runden Tisches sind nach Infos der SAGA der Staatsrat der Baubehörde Michael Sachs, SAGA GWG Vorstandsmitglied Willi Hoppenstedt, Vertreter der Mieterinitiative Elbtreppe, Altonas Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose, Altonas Baudezernent Dr. Gütter, SPD-Bezirksfraktionschef Thomas Adrian sowie Vertreter der anderen Altonaer Bezirksfraktionen.

So wie es scheint, ist die S.O.S. -Notrufstation am obersten Punkt der Elbtreppe die zumindest baupolitisch meistgenutzte in den letzten Jahren. Die Bewohner hat der Kampf um ihre Bausubstanz eine Menge Kraft gekostet und noch vor wenigen Monaten lobten sie das Engagement der SAGA GWG. Jetzt ist man ernüchtert und spricht über eine ausgemachte Strategie der städtischen Baugesellschaft. Man habe jahrelang die eigenen Häuser verkommen lassen. Zuletzt auch die jetzt betroffenen Häuser von Innen mit Holzplatten versiegelt, heize nicht und fördere damit seit geraumer Zeit das weitere Verkommen der Bausubstanz. Je mehr Zeit vergehe, desto baufälliger würden die Häuser. Die Rede ist von vorsätzlicher Beschädigung der eigenen Häuser. Jetzt, da man alles dazu beigetragen habe, dass sie Sanierung besonders aufwendig würde, behaupte man, diese sei teurer als ein Neubau. Unter Baulöwen und rabiaten Immobilieninvestoren gibt es für ein solches Vorgehen bereits einen Begriff: Die Rede ist vom „Nassen Abriss“.

Eine delikate Angelegenheit ist die Elbtreppe nicht nur für die Bewohner und die SAGA GWG. Unter Beobachtung steht auch die Altonaer SPD, denn sie hat nicht nur den Denkmalschutz für das komplette Heuberg-Ensemble gefordert, sondern zu Oppositionszeiten mit der ‚Rettung der Elbtreppe‘ auch Wahlkampf gemacht. Immer wieder forderte die SPD von der Baubehörde und der SAGA, das Ensemble zu erhalten. Mark Classen (SPD), baupol. Sprecher der SPD in der Bezirksversammlung Altona, will an dem bekannten Kurs der SPD festhalten.Vielleicht zieht jetzt auch ein Reserveargument – denn, auch das nebenstehende Grundstück will bedacht werden. Doch ob es gelingt, den Knoten zu zerschlagen, wird der Runde Tisch zeigen. Schon heute steht indes fest: Die Aufsicht über die SAGA hat bekanntlich immer der Bausenator. Verantwortlich für das Treiben der städtischen Gesellschaft ist daher heute die SPD und Senatorin Blankau.

3 KOMMENTARE / LESERBRIEFE

  1. „dass die geforderte Lösung ca. 2 Mio. Euro mehr kostet, als der Abriss und der identische Neubau.“

    Behauptet die SAGA…nachdem sie das Ding jahrzehntelang vergammeln ließ.
    Das muss natürlich belohnt werden?
    Identischer Neubau?..mal abgesehen das ein Neubau per Definition nicht identisch sein kann (jetzt: Altbau) sah das auf den (schwammigen) Plänen der
    SAGA ganz anders aus….

    „Das Ensembel wird mit dem Neubau von außen so aussehen, wie bisher.“

    Das behauptet nicht einmal die SAGA…und auf deren „Zusagen“ kann man sich nunmal nicht verlassen.

    „Ob die Altonaer, die ihre Unterschrift für das Bürgerbegehren geben haben, die 2 Mio. Euro Zusatzkosten auch gut finden, darf doch wohl bezweifelt werden. “

    Wen juckts..das sind ja Zusatzkosten für die SAGA.
    Wer unser aller Eigentum vergammeln lässt hat selber schuld.
    Was ist mit den SAGA Millionen die in den Turmbau zu Babel (Elbphila)
    fliessen?

    „Die FDP jedenfalls würde ihre Unterstützung für das Bürgerbegehren zurückziehen . Wir erwarten, dass mit dem Geld Hamburgs vernünftig umgegangen wird.“

    Die FDP ist ja hier so beliebt wie Zement an den Füssen…ich erwarte,
    das mit dem historischen Erbe in Hamburg vernünftig umgegangen wird, viel
    ist nicht mehr davon übrig.

    Die SAGA möchte aus der Premiumlage maximalen Profit herausschlagen, das ist alles!

  2. Hier wird der große Hammer geschwungen. Weder die SPD noch die Initiative sollten verschweigen, dass die geforderte Lösung ca. 2 Mio. Euro mehr kostet, als der Abriss und der identische Neubau.
    Nur um eine einmal gegebene „Zusage“ der Saga, die Häuser in vollem Umfang zu erhalten, geht es. Das Ensembel wird mit dem Neubau von außen so aussehen, wie bisher. Ob die Altonaer, die ihre Unterschrift für das Bürgerbegehren geben haben, die 2 Mio. Euro Zusatzkosten auch gut finden, darf doch wohl bezweifelt werden. Die FDP jedenfalls würde ihre Unterstützung für das Bürgerbegehren zurückziehen . Wir erwarten, dass mit dem Geld Hamburgs vernünftig umgegangen wird.

  3. Marc Classen im Abendblatt:

    „“Hier würde dann ein Bürgerbegehren regelrecht ausgehebelt, das machen wir so nicht mit“, sagt dann auch Mark Classen, Vizefraktionschef der SPD in der Bezirksversammlung Altona. Die SPD-Grünen-Mehrheitsfraktion werde einen Abriss nicht mittragen, sagt der SPD-Politiker. “

    und dann kommts:

    „Wie ein Kompromiss im Streit um die Elbtreppen aussehen könnte, formuliert SPD-Politiker Classen: „Wenn Teilabriss – dann nur mit einer Garantie für günstige Mieten.“

    Noch nicht mal verhandelt und schon umgefallen…..

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